Kultur-Event

Musikalische Wanderer zwischen den Welten

Ein Höhepunkt des Berliner Sommers: Das Festival Classic Open Air lockt vom 2. bis 6. Juli mit Klassik, Chanson, Pop, Jazz, Literatur und Feuerwerk auf den Gendarmenmarkt.

Foto: Paul Zinken / pA / dpa-Paul Zinken

Berlin kann stolz sein auf seine Hochkultur. Auf drei großartige Opernhäuser, auf berühmte Orchester, tolle Theater, eine beeindruckende Off-Szene und eine Museumslandschaft, die zu den attraktivsten der Welt zählt. „Aber ich möchte hinzufügen: Es sind auch die Events, die diese Stadt so anziehend machen!“

Das wichtigste Event, das Gerhard Kämpfe meint, ist natürlich das Festival, das er selbst 1991 aus der Taufe hob und das zu den kulturellen Höhepunkten des Sommers zählt. Die 24. Ausgabe des Classic Open Air findet vom 2. bis 6. Juli statt. Fünf Konzerte mit Musik aus verschiedenen Genres und Epochen in der prachtvollen Kulisse des Gendarmenmarkts versprechen wieder künstlerischen Hochgenuss.

Das erste Classic Open Air wurde 1992 mit einem Konzert des Opernstars José Carreras eröffnet. Damals bestand das gesamte Festival aus lediglich drei Konzerten. Mit der Größe des Programms wuchsen in der Folge auch die Aufgaben für das Management. 1998 stieg Mario Hempel als Geschäftsführender Gesellschafter ein. Seitdem steht an der Spitze ein erfolgreiches Duo.

Auch wenn Kämpfe scherzt: „Das Wappentier des Showgeschäfts ist das Känguru – große Sprünge mit leerem Beutel“, kann Hempel konstatieren: „Trotz der riesigen Konkurrenz in der Stadt ist Classic Open Air eine Marke, welche die Leute lieben!“

Ein Platz verwandelt sich in der Imagination

Eine der Hauptattraktionen war von Beginn an der Spielort selbst. Der etwa 6000 Zuschauer fassende Gendarmenmarkt kann ohne Übertreibung als wohl schönster Platz Berlins bezeichnet werden. Das liegt nicht nur an den klassizistischen Bauwerken, dem von Französischem und Deutschem Dom flankierten Schinkelschen Schauspielhaus, das heute Konzerthaus heißt, sondern auch an der Bedeutung des Areals in der Geschichte Preußens und Deutschlands.

Besonderen Zauber entfaltet der Platz zur der blauen Stunde, in der Abenddämmerung. Während der diesjährigen Konzerte wird er sich vor dem geistigen Auge wieder verwandeln: in den Broadway, den Markusplatz, den Montmartre oder in einen Märchenwald.

Das „Open“ in Classic Open Air verweist eben nicht nur auf den freien Himmel, sondern auch auf eine musikalische Offenheit, die über die Klassik-Fans hinaus ein breites Publikum ansprechen soll.

Dieses Jahr werden zwei Musiklegenden zum 100. Geburtstag gefeiert: Edith Piaf und Frank Sinatra. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Ute Lemper, die französische Chansons präsentiert, und Roger Cicero, der mit seiner Big Band und mit prominenter Unterstützung von Sarah Connor und Sasha eine Hommage an den großen Entertainer Sinatra liefert.

Genregrenzen werden überwunden

Seit der Gründung des Festivals war es den Betreibern wichtig, Klassik, Pop, Filmmusik, Musical, Ballett, Jazz oder Cross-over-Projekte auf dem Gendarmenmarkt zusammenzubringen. „Jemand, der Popmusik mag, merkt dann vielleicht: Klassik tut ja gar nicht weh“, so Kämpfe. „Außerdem kann man den jungen Leuten ruhig mal sagen, dass ein klassischer Klangkörper wie das Deutsche Filmorchester Babelsberg einen höheren Dezibeldruck erzeugt als eine Rockband.“

Es ist kein Zufall, dass das Babelsberger Orchester, musikalischer Wanderer zwischen den Welten, seit vielen Jahren treuer Gast des Festivals ist. So ist es wieder bei der „First Night“ dabei, die traditionell mit einem Feuerwerk beschlossen wird. Licht, Laser und Feuerwerk waren schon immer beliebt beim Festival-Publikum. Das gilt vor allem für die sogenannten „Konzept-Konzerte“. „Selbst wenn wir keinen Künstler beim Namen nennen, brummt der Vorverkauf“, so Kämpfe. Nach Barock und Wiener Klassik steht am 4. Juli die Romantik im Mittelpunkt.

Seit jeher baut das Classic Open Air Schwellenangst ab und wirbt um neues Publikum. In dieser Hinsicht wagt man in diesem Jahr einen weiteren großen Schritt, mit dem großen Kinderlesefest rund um den Gendarmenmarkt am 3. Juli. Hier geht es um das Publikum von morgen. Es sei wahnsinnig schwer, Kinder vom Computer loszureißen, meint Kämpfe. „Aber man muss sie für das Lesen begeistern. Lesen bedeutet Kino im Kopf.“ E-Reader wie Tolino, Mitveranstalter des Lesefestes, stehen für eine neue Leichtigkeit des Lesens. Denn Kinder wollen Technik neu entdecken und lernen dabei spannende Lesewelten kennen.

Am Gendarmenmarkt wird beim Fest nicht nur für Literatur geworben, sondern auch die Verbindung zur Musik hergestellt. Gerhard Kämpfe: „Als zweifacher Vater sage ich: Es kann auch den Eltern nicht schaden, bei so etwas mitzumachen.“ Das Festival verbindet neben den Kulturen und Musikrichtungen also auch die Generationen. Für das Classic Open Air ist man weder zu jung noch zu alt.

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS