Es ist ein sperriges Wort. Es kommt nicht leicht von den Lippen. Auch Maria Altmann tut sich anfangs schwer damit, als sie auf einer Tagung erstmals sprechen soll. Aber sie schlägt nach, was das denn heißen soll, Restitution. Wiedergutmachung, liest sie im Fremdwörterbuch. Vor allem aber: Wiederherstellung. Und wegen Letzterem, sagt sie dann in ihrer Rede, ist es ein treffendes Wort. Denn darum gehe es ihr, um die Wiederherstellung früherer Verhältnisse.
Es ist eine dankbare Perspektive, die Simon Curtis’ Film „Die Frau in Gold“ einnimmt. Denn es geht um eine komplizierte, rechtliche Materie, was gern unter dem Schlagwort „Raubkunst“ rubriziert wird und durch den Fall Gurlitt – und Monika Grütters’ Vorschlag einer Task Force – wieder aktuell diskutiert wird. Eine Materie, die viele nicht überschauen. Und für die dieser Film nun einen verblüffend einfachen, weil menschlichen Zugang findet. Die Emotionen hinter den Paragraphen.
Die Mona Lisa der Alpenrepublik
„Die Frau in Gold“, die ihre Uraufführung auf der Berlinale erlebte und am Donnerstag in die Kinos kommt, schildert den bislang wohl spektakulärsten Restitutionsfall, die Rückgabe von Gustav Klimts Gemälde „Adele Bloch-Bauer I“. Die ist nicht nur eine Jugendstilikone. Sie war das Nationalheiligtum von Österreich, die Mona Lisa der Alpenrepublik. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive jener Maria Altmann, die schon 80 Jahre zählte, als sie ihre Rechte einklagte.
Und aus der eines jungen Anwaltes, der zwar europäische Wurzeln hat, sich aber erst im Lauf des Prozesses auf diese besinnt. Zumindest Letzteres ist reine Filmdramaturgie: Randol Schoenberg ist nicht nur der Enkel des Komponisten Arnold Schönberg, er hat in Wirklichkeit auch in Europa studiert und spricht fließend Deutsch. Aber ein etwas blauäugiger, sachfremder Anwalt macht sich für so einen Film einfach besser, weil er sich, wie der Zuschauer auch, erst in die Materie einfinden muss. Eine prima Identifikationsfigur.
Klimts 1,40 mal 1,40 Meter großes, mit reichlich Blattgold durchwirktes Porträt entstand 1907. Die darauf abgebildete Adele Bloch-Bauer, Gattin eines jüdischen Zuckerfabrikanten, starb 1925 an Hirnhautentzündung und hatte testamentarisch verfügt, dass die Bilder von ihr einmal im Wiener Belvedere der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten. Dieses Testament freilich war ungültig, da 1938 die Nazis Österreich annektierten und den ganzen Besitz von Bloch-Bauer enteigneten. Manche Bilder sollten in das geplante „Führermuseum“ wandern, andere hingen in Hitlers Berghof. Das Collier, das die „Goldene Adele“ auf dem Gemälde trug, schenkte Göring seiner Frau Emmy. Und was zu modern war, wurde einfach „arisiert“. So wurde „Adele I“ umgetauft in „Damenbildnis vor Goldgrund“ – der jüdische Hintergrund wurde gänzlich getilgt.
Großes Gefühlskino
Bloch-Bauer floh in die Schweiz, wo er kurz nach dem Krieg verstarb. Seine Erben versuchten lange vergeblich, die Gemälde wiederzubekommen, da die Österreicher, unter ihnen auch Altnazis auf neuen Posten, kräftig schummelten und tricksten, indem sie etwa das Einlieferungsdatum von „Adele I“ vordatierten, um jede Verbindung zu den Nazi-Raubzügen zu vertuschen. Die Protagonisten dieses Falls, Maria Altmann, der Anwalt Schoenberg und der Wiener Journalist Hubertus Czernin, der sie bei ihrer Recherche unterstützte, kamen alle schon 2007 in dem Dokumentarfilm „Stealing Klimt“ zu Wort. Hier wird ihr Fall nun zum großen Gefühlskino, um möglichst viele Publikumsschichten mit der Materie vertraut zu machen.
Erzählt werden eigentlich zwei Filme. Da ist der historische Fall: Eine alte Dame, die den Staat Österreich verklagt und von diesem hingehalten wird, in der Hoffnung, dass die Betagte nicht lange durchhalten, nicht mehr lange leben wird. Ein Fall, der nach besten Kräften verschleppt wird, auch mit einer gewissen Arroganz der österreichischen Ministerialbürokratie. Der dann aber doch vor das Oberste Gericht in Washington kommt. Die klassische Geschichte David gegen Goliath.
Und da ist der private Fall: Immer wieder erinnert sich die alte Dame an ihre Wiener Jugend, an ihre Tante, an ihre eigene Hochzeit, die unter dem Gemälde gefeiert wurde, sechs Wochen, bevor Österreich von den Deutschen annektiert wurde. Wie die Nazis bei ihnen einfielen. Und sie in buchstäblich letzter Sekunde fliehen konnte. Schon in „My Week with Marilyn“ hat Regisseur Curtis erfolgreich an den Schaltstellen zwischen Fakt und Fiktion operiert. Durch die zwei Zeitebenen in „Die Frau in Gold“ wird der juristische Fall „Adele I“ nun zu einem berührenden Drama um Raubkunst, Holocaust und jüdische Identität – und das Gemälde selbst zu einem Sinnbild von Schuld und Verdrängung.
Daniel Brühl komplettiert die Starriege
Helen Mirren als Maria Altmann ist natürlich ein Besetzungscoup. Nicht nur, weil sie eine der führenden Charaktermiminnen des Films ist. Sondern auch, weil ihr eigener Großvater, ein russischer Adliger, nach der Oktoberrevolution alles zurücklassen musste, die Familie Mironoff also eine ähnliche Leidens- und Verlustgeschichte durchlitt. Ryan Reynolds als ihr Anwalt scheint fast ein wenig zu glatt und naiv, um wie ein Don Quichotte gegen die Windmühlen zu kämpfen, überzeugt aber gerade durch den Moment, indem er den Fall, mit dem er lange nur seine Karriere voranbringen will, wirklich zu seiner persönlichen Sache macht. Komplettiert wird die Starriege durch Daniel Brühl als der ihnen zuarbeitende Journalist, während Moritz Bleibtreu als Klimt nur kurz zu erahnen ist.
2006, gut 70 Jahre nach der Enteignung, endete der Prozess mit einem historischen Urteil: Fünf Klimt-Bilder im Schätzwert von 300 Millionen Dollar wurden der damals 90-jährigen Altmann zugesprochen, „Adele 1“ später vom US-Millionär Ronald Lauder für 135 Millionen Dollar gekauft, das teuerste Gebot, das bis dahin je für ein Gemälde ersteigert worden war. Altmann hat den Großteil ihres Geldes gespendet, wie auch Schoenberg von seinem Anteil das Holocaust-Mahnmal in Los Angeles unterstützte.
Kurz nach dem Urteil war Altmann noch in der Doku „Stealing Klimt“ zu sehen. Den Spielfilm über ihren Kampf sollte sie nicht mehr erleben. Sie starb 2011 mit 94 Jahren. Gut möglich, dass sie ein wenig geniert gewesen wäre.


![*** EXKLUSIV *** Daniel Br hl zu Gast in Wien anl sslich der KURIER Romy Verleihung 2014. F r seine Darstellung von Niki Lauda im Film "Rush" war Br hl als bester Schaupieler nominiert. Wien 26.04.2014. 20140426_PD11429 [ Rechtehinweis: usage Germany only Verwendung nur in Deutschland Please check additional restrictions! Bitte Einschr nkungen der Handelsrecht ] *** EXKLUSIV *** Daniel Br hl zu Gast in Wien anl sslich der KURIER Romy Verleihung 2014. F r seine Darstellung von Niki Lauda im Film "Rush" war Br hl als bester Schaupieler nominiert. Wien 26.04.2014. 20140426_PD11429 [ Rechtehinweis: usage Germany only Verwendung nur in Deutschland Please check additional restrictions! Bitte Einschr nkungen der Handelsrecht ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/137149735/137149735_1423813819_v16_9_1200.jpeg)

