Saisonprogramm

Daniel Barenboim setzt voll auf die Berliner Staatsoper

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Volker Blech

Foto: dpa

Ob am Dirigierpult oder am Klavier – Daniel Barenboim erhöht die Schlagzahl an der Berliner Staatsoper. Chef der Berliner Philharmoniker will er nicht werden. „Ich bin kein Kandidat“, betonte er.

Die Pressekonferenz der Staatsoper wird diesmal im Eilschritt vollzogen, dann sagt Daniel Barenboim plötzlich, er habe noch einen wichtigen Termin. Eine syrische Musikerin, die er vielleicht in seine Barenboim Said Akademie aufnehmen möchte, spielt ihm vor. Es ist ja bekannt, dass die im früheren Magazin der Staatsoper Unter den Linden eröffnende Musikakademie, die junge Musiker aus dem Nahen Osten ausbilden wird, eine Herzensangelegenheit des Stardirigenten ist. Also wird im Schiller Theater eine letzte Frage nachgeschoben, sie zielt auf die Chefdirigenten-Wahl bei den Philharmonikern. Ob er denn in drei Jahren Zeit hätte, um… Barenboim springt auf, sagt lächelnd im Hinausgehen: „Ich bin kein Kandidat.“ Und ist verschwunden.

Zurück bleibt Intendant Jürgen Flimm, an den keiner mehr eine Frage hat. Dabei ist Flimm die Überraschung der kommenden Saison. Er übernimmt gleich drei Operninszenierungen im Schiller-Theater. Als er Staatsopern-Intendant wurde, versicherte er, nicht zu inszenieren. Irgendwann gab es einen Satie-Abend in der Werkstatt und eine Baustellen-Inszenierung. Jetzt inszeniert Flimm an der Seite von Barenboim Glucks „Orfeo ed Euridice“ als große Festtage-Premiere – Architekt Frank Gehry, der auch den neuen Konzertsaal für die Barenboim Said Akademie entworfen hat, wird ihr Bühnenbildner sein. Darüber hinaus macht Flimm Mozarts „Le Nozze di Figaro“ (Premiere am 7. November) sowie Salvatore Sciarrinos „Luci mie traditrici“ für das Festival „Infektion“ am 10. Juli.

Auch Daniel Barenboim ist sehr präsent mit insgesamt vier Neuproduktionen. Die Saison 2015/16 wird er mit Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ am 3. und 4. Oktober mit einer in Akten aufgeteilten Premiere an zwei Tagen eröffnen. Am 19. Dezember folgt Verdis „Traviata“ und am 28. Mai 2016 Martinús Oper „Juliette“ mit Magdalena Kožená und Rolando Villazón in den Hauptrollen. Außerdem leitet Barenboim die Wiederaufnahme von Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“. Nach optimistischen Planungen, aber dazu wollte man gestern nichts weiter sagen, ist es die letzte komplette Saison im Schiller-Theater, denn nach einem sukzessiven Umzug soll die Staatsoper Unter den Linden am 3. Oktober 2017 eröffnet werden.