Berliner Schloss

MacGregor wird Gründungsintendant des Humboldt-Forums

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Gabriela Walde

Mit dem Direktor des Britischen Museums holt sich der Bund ein Schwergewicht nach Berlin. Zunächst für zwei Jahre. Die Arbeit im Humboldt-Forum wird vor allem ein politisch vermittelnder Job sein.

Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist es ein Coup, für das Humboldt-Forum die bestmöglichste Visitenkarte: Der Brite Neil MacGregor wird Leiter der Gründungsintendanz des geplanten Weltmuseums am Schloßplatz. MacGregor, 68 Jahre, steht nicht für eine neue Generation: Mit dem Londoner Museumsstar holt sich der Bund ein Schwergewicht in die Hauptstadt, der themenstarke, international populäre Ausstellungen machen kann, international vernetzt ist und zudem genügend politisches Fingerspitzengefühl mitbringt. Er beherrsche die „Diplomatie mit den Mitteln der Kunst“, attestiert ihm eine Londoner Kunstkritikerin. Das wird er brauchen, die Arbeit im Humboldt-Forum wird vor allem ein politisch vermittelnder Job sein.

Für Monika Grütters ist der Brite Wunschkandidat, selbst die Kanzlerin soll sich einige Male mit ihm getroffen haben. Seit Monaten hieß es, Grütters würde um McGregor als Intendanten werben. Dann wurde es seltsam still. Nun ist eine dreiköpfige Gründungsintendanz daraus geworden: Im Intendantenboot sitzen neben MacGregor der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp und Hermann Parzinger.

Der Stiftungspräsident vertritt die gewichtige Position der Staatlichen Museen, die Dahlemer Sammlungen sollen im Humboldt-Forum einen innovativen Neuauftritt haben. Nutzer sind auch die Humboldt-Universität und das Land Berlin. MacGregor erklärte, mit den außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen werde es wie „nirgends sonst möglich sein, im Humboldt-Forum auf die Kulturen der Welt zu schauen“. Und: „Das ist eine historische Chance für Deutschland, für Europa, für die ganze Welt.“

Grütters betonte in ihrer Presseerklärung, dass die Gründungsintendanz ab Oktober für zunächst zwei Jahre „inhaltliche Schwerpunkte“ setzen soll – bis sie in einer endgültigen Intendanz aufgehen kann. Da muss man zwischen den Zeilen lesen: In der Aufbauphase des Humboldt-Forums wird der Brite der wichtigste Repräsentant des Vorzeigeprojektes sein. Ob er aber auch der endgültige Intendant sein wird, ist unklar.

MacGregor teilte am Mittwoch in London mit, dass er Ende des Jahres die Direktion im British Museum niederlegen wird. Leicht sei ihm der Schritt nicht gefallen, sagte er der Londoner „Times“, schließlich sei die Leitung des Museums sein Traumjob gewesen. Das Haus ist das größte des Landes und zählt pro Jahr rund 6,7 Millionen Besucher. Diese Zahlen werden Monika Grütters imponiert haben. Blockbuster-Ausstellungen wie „Pompeji“ und „Wikinger“ gehören zu den Highlights des Museums. Den „Heiligen Neil“ lässt man in London ungern ziehen.

Humboldt-Forum soll 2019 eröffnen

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte erst kürzlich einen Kurswechsel im Humboldt-Forum angekündigt – tourismusstarke BerlinGeschichte möchte der Regierende auf 4000 Quadratmetern. Ob diese regionale Ausrichtung in MacGregors Sinne ist, bleibt die Frage. Andreas Scholl, Chef der Antikensammlung, wird zu einer Art Generalsekretär für die operative Ebene des Projekts berufen.

Die Zeit drängt, 2019 soll das Humboldt-Forum eröffnet werden. McGregors Aufgabe ist es nun, so schnell wie möglich die Weichen zu stellen für einen interkulturellen Dialog. Bis jetzt blieb die Konzeption für die Öffentlichkeit vage, die Diskussionen um Inhalte zäh. Monika Grütters betonte am Mittwoch, dass MacGregor als „exzellenter Kenner Deutschlands“ für den Posten prädestiniert sei. Erst im vergangenen Jahr präsentierte er eine vielbeachtete Deutschland-Ausstellung, „Germany: Memories of a Nation“, die Grütters auch besuchte. MacGregor hat eine große Affinität zu Deutschland, er spricht die Sprache sehr gut. Sein Großvater war in den 20er-Jahren geschäftlich in Deutschland gewesen, später ging MacGregor als Austauschschüler nach Hamburg.

MacGregor leitete 15 Jahre lang die National Gallery in London, ehe er 2002 die Führung des British Museums übernahm. Sein Talent für die Vermittlung von Kunst und Kultur bewies er nicht nur mit seinem Wissensbuch „Geschichte der Welt in 100 Objekten“, in seiner BBC-Radioserie hatte er Tausende Fans. Das Buch wurde vor drei Jahren als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnet. Die Idee MacGregors ist, die Bedeutung einzelner Objekte vom Werkzeug aus der Steinzeit bis zur Kreditkarte der Neuzeit zu vermitteln. Mit den Dingen „reist“ man in diesem Buch überaus geistreich und mit einer Prise britischem Humor zurück in die Vergangenheit und quer über den Globus.

Populäre Wissensvermittlung

Von Hermann Parzinger bekam Kollege McGregor am Mittwoch jede Menge Vorschusslorbeeren. „Seine inspirierende Art der Wissensvermittlung und sein weltweites Netzwerk wird dem Humboldt-Forum die nötige Strahlkraft verschaffen. Ich bin mir sicher, dass Neil MacGregor die Kompetenzen der hier vertretenen Institutionen zu bündeln versteht, dass er moderierend und integrierend wirken wird. Er wird aber vor allem auch die große Linie für dieses Haus entwickeln. Mit dieser Entscheidung sind die Zeichen auf Erfolg gesetzt.“

Ein Fulltimejob wird es für Neil McGregor in Berlin nicht sein. Wie der Museumsmann mitteilte, möchte er neben der Gründungsintendanz in Berlin noch zwei weitere Projekte leiten. Für den BBC arbeitet er für Radio 4 an einer neuen Museumsserie, daneben will er dem CSMVSMuseum im indischen Mumbai beratend zur Seite stehen. „Ich bin also nicht aus der Welt.“

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