Konzert in Berlin

Die Puhdys geben Vorgeschmack auf ihr Abschiedskonzert

Im intimen Rahmen des Friedrichstadtpalast spielen die Puhdys ein Akustik-Set - als Warmlaufen für das große Berlin-Konzert der Band am 11. Juli in der Wuhlheide. Der Jubel ist frenetisch.

Foto: pa/dpa

Es ist der Anfang vom Ende. Die legendären Puhdys begeben sich in diesem Jahr auf Abschiedstournee und werden eine große Lücke hinterlassen in der deutschen Popwelt und wahrlich nicht nur in der ostdeutschen. In gewissem Sinne ist diese in der DDR groß gewordene Band immer schon eine gesamtdeutsche gewesen, zumindest brachten sie alle ihre Platten in Ost und West heraus, was sonst nur noch die DDR-Gruppe Karat zuwege brachte. Davon abgesehen aber stehen sie nach einer vergleichsweise kurz andauernden Auflösungsperiode und anschließender Wiedervereinigung nun schon länger im vereinten Deutschland auf der Bühne, als sie es im geteilten taten. Immer äußerst erfolgreich.

Leider soll nun damit Schluss sein, das war der Wermutstropfen auf dem grandiosen Akustikkonzert im Friedrichstadtpalast am frühen Sonntagabend. In diesem intimen Rahmen gaben die Puhdys einen Vorgeschmack auf das große Berlin-Konzert der Band am 11. Juli in der Wuhlheide. Ihre letzte Konzertsaison läuft, danach ist endgültig Schluss.

Doch „es hat uns nicht umsonst gegeben“ singen sie in „Unser Schiff“, gleich im ersten Stück des Abends und da haben sie wohl Recht. Zu dritt sitzen Gitarrist Dieter „Quaster“ Hertrampf, Sänger Dieter „Maschine“ Birr und Basser Peter „Bimbo“ Rasym im Vordergrund auf Barhockern. Klaus Scharfschwerdt trommelt hinter einer Plexiglaswand, die die Verwässerung des akkuraten Sounds verhindert und seitlich hat Peter „Eingehängt“ Meyer, ältester anwesender Musiker, seinen Keyboardpark aufgebaut. Drei Gastmusiker, darunter die Söhne von Birr und Scharfschwerdt an Gitarre und Percussions, ergänzen im Hintergrund das Line-up.

Applaussalven und Begeisterungsstürme

Warmspielen müssen die Puhdys ihr Publikum nicht, von der ersten Minute an werden freigiebig Applaussalven und Begeisterungsstürme über ihnen ausgeschüttet. Puhdys-Konzerte sind wie eine große Familienfeier. Die Söhne sitzen mit auf der Bühne, die Enkel spielen am hinteren Bühnenrand - einer darf für „Lebenszeit“ sogar einen Solopart am Keyboard übernehmen - und mit den Fans ist man auf Du. Frontmann Maschine wirkt gar nicht eingerostet und braucht nur seine Arme-Breit-Geste zu machen und rhythmisch die Handgelenke einzuknicken, schnon knippst er das textsichere Publikum an wie mit einem Lichtschalter. Es klatscht und singt mit, wo immer es gefordert wird.

Auf der Akustiktour bekommt man eine dem Konzept angepasste Liedauswahl kredenzt, manch ein Stück ist dabei, das man sonst kaum noch zu hören bekam, „Perlenfischer“ aus dem Jahr 1977 ist so eines. Dem Antikriegssong „Hiroshima“ folgt das rockige „Erinnerung“, in „Königin“ wird aus der Rückschau das Leben in der DDR beschrieben, bis die Band nach „Bis ans Ende der Welt“ eine Pause macht. Wegen anzunehmender „Unterhopfung“ des Publikums, wie Maschine witzelt, der sein schwarzes T-Shirt gnadenlos in die schwarze Jeans gestopft trägt.

Das intelligente Lied „Ich will nicht vergessen (Denk ich an Deutschland)“ eröffnet die zweite Hälfte des Unplugged-Abends. Letzteres heißt nicht mehr, als dass abgesehen vom Bass auf elektrische Gitarren verzichtet wird. Generell verdient der brillante Soundmix im Friedrichstadtpalast lobende Erwähnung; die nicht unwesentliche Nuance der Akustikgitarren trägt aber zusätzlich dazu bei, dass die Lieder spürbar aufklaren. Die ausgefeilten Arrangements und die durchdacht verschachtelten Melodieebenen der mitunter orchestralen Kompositionen werden sauber hörbar.

Exklusiver Exportartikel des Genres

Melodische Opulenz und das klangvolle Pathos machten die sogenannte „liedhafte Rockmusik“, die in den 1970er-Jahren auch für die Puhdys zum Label wurde, wesentlich aus und spiegelten das Ästhetikempfinden von studierten und klassisch ausgebildeten professionellen Rockmusikern, die in der DDR die Regel waren. Die Puhdys wurden zu einem der exklusivsten Exportartikel dieses Genres, tourten schon in den 1970er-Jahren durch die BRD, Frankreich, die Benelux-Staaten, die Schweiz, Skandinavien oder Jugoslawien.

Just als sie 1969 ihre Karriere begannen, war eine Zeit angebrochen, in der sich der DDR-Rock vom bloßen Kopieren westlicher Vorbilder emanzipierte und eine ganze Generation junger und gut geschulter Musiker, von der Nomenklatura zeitweise an der langen Leine gelassen, zu einer eigenen Klangsprache fand. Die Texte changierten zwischen metaphernschwerer Lyrik und Alltagsthemen, auch die der Puhdys. Es entstand eine Musik, die, heute gemeinhin als Ostrock klassifiziert, gleichzeitig DDR-typisch und extrem populär war.

Unverwüstliche Songs wie „Wenn ein Mensch lebt“, „Geh zu ihr“ oder „Alt wie ein Baum“ beweisen, welches Format der DDR-Rock damals entwickelte. Es sind ein paar der Puhdys-Evergreens, die bei so einem Konzert nicht fehlen dürfen und die die glückselige Stimmung am Ende sogar noch einmal steigern. Die meisten stehen dazu auf ihren Plätzen, klatschen und singen mit und schreien schon nach der „Zugabe“, bevor Maschine & Co. nach dem letzten Song „Rockerrente“ überhaupt zur Verbeugung ansetzen können.

Die Rockerrente wird greifbar

Sie wissen natürlich, worauf die Berliner noch warten. Ohne den Eisbärensong über „die Könige auf dem ewigen Eis“ gehört zu haben, hätten etliche Fans wohl den Friedrichstadtpalast umstellt, doch die Probe aufs Exempel wird nicht nötig. „Das Buch“, vor über dreißig Jahren einst unweit im Palast der Republik uraufgeführt, beschließt das Programm. Die Rockerrente rückt in immer greifbarere Nähe.