Konzert

11.000 Fans feiern Puhdys in der O2 World

Im kommenden Jahr wollen sie in Rocker-Rente gehen. Aber am Freitagabend begeisterten die Puhdys noch einmal 11.000 Fans in Berlin - und feierten mit ihnen ihr Bühnenjubiläum.

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Sie machen Ernst. Jetzt soll also wirklich Schluss sein. Die Puhdys, erfolgreichste Rockband des Ostens und seit Ende der 70er-Jahre auch im Westen populär, wollen aufhören. Im Jahr ihres 45. Bandjubiläums machen sich die fünf Musiker auf eine große Abschiedstournee, die sie am Freitagabend vor 11.000 Fans in der O2 World begonnen haben und die am 31. Dezember 2015 erneut in der O2 World mit dem definitiv letzten Konzert ihr Ende finden soll.

„Hallo Berlin!“ ruft der knorrige Sänger und Gitarrist Dieter Birr, den alle nur als „Maschine“ kennen, in die Halle, nachdem die Band mit „Mein Schiff“, einem Stück vom 2012er-Album „Es war schön“, den Abend eröffnet hat. „Wie geht es Euch?“, fragt Birr. „Also wir sind immer noch frisch und haben genügend Power!“ Die Fans offenbar auch. Sie singen lauthals mit, als gleich als zweites Stück des Abends der Hit „Geh zu ihr“ erklingt. Und so richtig wollen sie es nicht wahrhaben, dass hier und heute ein langer Abschied beginnt.

Im Tivoli im sächsischen Freiberg hatten die Puhdys am 19. November 1969 ihren ersten Auftritt unter diesem Namen. Große Popularität erlangten sie im Jahr 1973, als sie die von Peter Gotthardt und Ulrich Plenzdorf geschriebenen Rocksongs „Wenn ein Mensch lebt“ und „Geh zu ihr“ für den Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ aufnahmen. „Alt wie ein Baum“ war drei Jahre später so ein anderer typischer Puhdys-Hit. Sie wurden gefeiert als die „Stones des Ostens“, verkauften mehr als 20 Millionen Platten, mehr als jede andere DDR-Rockband.

Ein Abgang in Ehren

Alt wie ein Baum sind sie zwar noch nicht, aber alt genug, an einen Abgang in Ehren zu denken. Die Sänger und Gitarristen Dieter „Maschine“ Birr (70) und Dieter „Quaster“ Hertrampf (69) und Keyboarder Peter Meyer (74) sind von Anfang an dabei. Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt (60) wurde 1979 zum Puhdy, Bassist Peter Rasym (61) gehört seit 1997 dazu. Alle in einem Alter, in dem man als Rock-'n'-Roller schon mal ans leiser treten denkt. Vor allem in einer Truppe, die so unermüdlich unterwegs ist wie die Puhdys.

In der O2 World spielen sie sich nun einmal quer durch 45 Jahre einer Karriere. Der Sound hat Druck und Energie. Die Lichtregie ist aufwendig und ausgefeilt. Immer wieder kommen Pyrotechnik und Nebelwerfer zum Einsatz. Auf einer Bildwand im Hintergrund laufen schwarzweiße Filmchen der frühen Jahre. Und Songzeilen wie „Das Lachen, das Lieben, das Leben, uns hat es nicht umsonst gegeben“ aus „Mein Schiff“ bekommen an einem Abend wie diesem eine völlig neue Bedeutung.

Medley für die Erinnerung

Es gibt Neues und Altes. Die Erinnerung wird mit Klassikern wie „Perlenfischer“, „Ikarus“ oder „Sturmvogel“ in einem Medley befriedigt. Gemeinsam mit der Sängerin Alexa Feser singt Dieter Birr „Die Welt ist ein Wunder“, später wird Sängerin Ela Steinmetz vom Trio Elaiza als Duo-Gast bei „An den Ufern der Nacht“ einsteigen. Die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne, rockt was das Zeug hält, lärmt bei „Ich bin der liebe Gott“ und erinnert mit dem neuen Stück „Sternstunden“ an den Fall der Mauer vor 25 Jahren. „Plötzlich konnten wir fliegen, zum Horizont und wieder zurück“, heißt es da.

„Sternstunden“ entstand für das Projekt „Rocklegenden“, bei dem die Puhdys mit den Kollegen von Karat und City unterwegs sind. Gerade ist eine gemeinsame Platte erschienen und nur einen Tag nach ihrem Abschiedskonzert stehen die Puhdys schon wieder auf der Bühne der restlos ausverkauften O2. Diesmal mit City. Und mit Karat.

Gegen Ende des Jubiläumskonzerts kommen sie, die ganzen Hits. Zum mitsingen. „Wenn ein Mensch lebt“, „Lebenszeit“, „Alt wie ein Baum“ und natürlich „Rockerrente“. Die Puhdys sind ihr inzwischen ein gehöriges Stück näher gekommen. Die Fans wollen aber heute davon noch nichts wissen. Sie umarmen lautstark ihre Idole, mit denen sie groß geworden und mit denen sie alt geworden sind. So ein bisschen Wehmut schwebt aber schon durch die vor Applaus vibrierende Mehrzweckhalle.