Zeitgenössische Kunst

Berlin bekommt 104 bedeutende Kunstwerke geschenkt

Der Mäzen Friedrich Christian Flick schenkt den Staatlichen Museen Berlin 104 Werke zeitgenössischer Kunst. Dazu gehören Werke unter anderen von Cindy Sherman, Rodney Graham und Candida Höfer.

Zwei besonders gute Nachrichten verkündete Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auf der jährlichen Pressekonferenz am Mittwoch. Die eine trug er voller Vorfreude vor, die andere eher beiläufig, als gelte es in diesem Moment, jeden Ausdruck des Triumphs zu unterlassen, der andere brüskieren könnte.

Fangen wir mit Friedrich Christian Flick an. 104 Werke hat der Sammler an die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof geschenkt. „Ich bin an verschlüsselten Werken interessiert, solchen, die sich nicht sogleich von der Oberfläche her erschließen, wo es fürs Denken Knackpunkte gibt“, hat der 70-Jährige einmal in einem Interview erzählt. Das beweist sich auch in dieser Schenkung. Videokünstler wie Stan Douglas und Dan Graham sind darunter, Installationen stammen von Paul McCarthy und Jason Rhoades und Pipilotti Rist. Einem größeren Kreis vertraut sind wohl am ehesten die Fotografen: Cindy Shermans Bildnis „# 314F“ ist darunter (mutmaßlich kein Selbstbildnis, sondern eher ein Teufelsgesicht nach einem sehr schweren Autounfall) und auch das Louvre-Bild des Fotografen Thomas Struth, auf dem sich modernes Publikum vor Alten Meistern breit macht. Ein Bild von den Schenkungen kann man sich im Herbst machen, wenn sie in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof vorgestellt werden.

„Praktisch geeinigt“

„Sensationell“ sei die Schenkung, sagte dann auch Hermann Parzinger, und eine „Stärkung des Kulturstandortes Berlin“. Es ist im Übrigen die zweite innerhalb kurzer Frist, schon 2008 hatte Friedrich Christian Flick 166 Werke der Stiftung gegeben. Neben dem Besitzerstolz wird Parzinger auch eine gewisse Genugtuung gespürt haben, dass die Stiftung bei den Sammlern nicht so in Verruf geraten ist, wie es noch im vergangenen Herbst ausgesehen hatte. Da hatte das Ehepaar Pietzsch mitgeteilt, dass ihre Geduld nun wirklich am Ende sei. Entweder die Stadt bewege sich bei der Unterbringung ihrer Bilder – eine Schenkung an das Land Berlin mit Salvador Dalí, Max Ernst, René Magritte, Jackson Pollock, Mark Rothko und Neo Rauch – oder ihre Bilder bewegten sich Richtung Dresden. Dort gebe es nämlich Räumlichkeiten.

Mit der Ankündigung eines Baus für das Museum der Moderne im November 2014 war bekanntlich die Zeit der Drohungen vorüber, der Schwerpunkt der Debatte verlagerte sich auf die Frage, wo genau es auf dem Kulturforum stehen sollte. Womit wir bei der zweiten guten Nachricht sind: Man habe sich „praktisch mit dem Land Berlin“ geeignet, dass der Bau an die Potsdamer Straße – zwischen Nationalgalerie und Philharmonie – errichtet werden solle, sagte Hermann Parzinger .

Auf den falschen Standort gesetzt

Dieses „große Einvernehmen“ ist insofern neu, weil Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) den Standort Sigismundstraße bevorzugt hatte. Sein Argument war, dass die Eigentumsverhältnisse auf dem Gelände eine zügige Bebauung sicherstellen, gehört es doch dem Land Berlin und der Stiftung. An dem anderen Standort ist die Sache komplizierter: Die Hälfte gehört dem Land Berlin, je ein Viertel der Kirche St. Matthäus und einem anderen Eigentümer.

Städtebaulich hatte Tim Renner von Anfang an auf den falschen Standort gesetzt; die Sigismundstraße gilt als Hinterhof der Nationalgalerie, die Potsdamer Straße als Herausforderung, weil es praktisch der Wunsch aller ist, den unwirklichen Platz zu beleben. Aus dem Umfeld des Kulturstaatssekretärs heißt es nun, dass man die Einigung „nicht dementieren“ wolle und man froh über die Dynamik sei, mit dem das Museum der Moderne jetzt angegangen wäre, insbesondere die strittige Grundstücksfrage. Das Museum der Moderne habe „Drive“, wie Hermann Parzinger sagte, wöchentliche Sitzungen gebe es zu dem Thema. Generaldirektor Michael Eissenhauer verriet anschließend, dass das Projekt intern „M20“ hieße. 2020 solle es ja fertig sein, aber der Name klingt auch unheilvoll, erinnert er doch an die Buslinie M29, die direkt am Sitz in der Stiftung vorbeizieht und die unzuverlässigste Buslinie der Stadt ist.

Schlechte Nachrichten präsentierte Michael Eissenhauer: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Besucher um zehn Prozent zurückgegangen. Betrug sie 2013 noch 4,3 Millionen, liegt sie 2014 nur bei 3,9 Millionen. Der Rückgang ist aber nicht mit mangelndem Interesse zu erklären, sondern mit den Baumaßnahmen an verschiedenen Standorten. Betroffen waren vor allem das Pergamonmuseum, in dem der Altarsaal seit Ende September geschlossen ist, das Neue Museum, das Museum Berggruen und der Hamburger Bahnhof, sagte der Generaldirektor. Er bezeichnete den Rückgang als „erfreulich gering“. 2014 wurden im Pergamonmuseum 995.000 Besucher gezählt, 265.000 weniger als im Jahr zuvor. Außerdem habe das Interesse am 2009 wieder eröffneten Neuen Museum enorm nachgelassen. Der von Stararchitekt David Chipperfield restaurierte Bau umfasst neben der Antikensammlung das Museum für Vor- und Frühgeschichte und das Ägyptische Museum. Die Besucherzahlen gingen um fast ein Drittel zurück, um 307.000 Besucher auf 633.000