Kunstkrimi

Rückkehr nach 70 Jahren und einem Kunstkrimi

Seit 1945 waren vier Bilder aus Sanssouci verschollen. Jetzt kehrten sie nach Potsdam zurück - teilweise erst nach einem Kunstkrimi.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

In einer spektakulären Aktion hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) vier wertvolle Gemälde zurückbekommen, die seit 1945 als verschollen galten. Schon lange suchen die Kustoden der Stiftung nach den rund 3000 noch vermissten Bildern aus preußischen Schlössern. Mithilfe der Magdeburger Lost Art Datenbank, in die sämtliche verschollenen Kunstwerke eingetragen wurden, sei die Suche zwar leichter geworden, sagte Stiftungsdirektor Hartmut Dorgerloh am Mittwoch bei der Vorstellung der Werke im Neuen Palais. Das betreffe jedoch fast ausschließlich Kunst, die heute im Bestand von Museen ist. Privatsammler seien nur selten bereit, etwas zurückzugeben.

In Potsdam waren sie es wider aller Erwartungen doch. So kam „Die Erweckung der Tochter des Jairus“ von Gerard Wigmana, ein von Friedrich dem Großen selbst erworbenes Gemälde, durch die Vermittlung des Münchner Auktionshauses Ketterer Kunst ins Neue Palais zurück. Dort gehörte es zur Erstausstattung der Blauen Kammer. Das Gemälde war 1942 ins Schloss Rheinsberg ausgelagert worden und am Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden. Später kam es in den Besitz einer Hamburger Familie, deren Erben es letztlich unter Wahrung ihrer Anonymität zurückgaben. Erstaunlich ist bei allen Werken, dass der ideelle Wert den zu erzielenden Verkaufspreis bei weitem überschreitet.

Weitaus spektakulärer stellte sich die Restitution eines Gemäldes aus der Mitte des 17. Jahrhunderts dar, das vermutlich nach der Vorlage eines Tizian entstand. Die „Madonna mit Johannisknaben“, die aus dem Kabinett der Bildergalerie im Park Sanssouci stammt, war zunächst in die Sowjetunion gebracht und nach dem Mauerfall in den Westen verkauft worden. Auf dieses Gemälde, von dem bei der Stiftung ein Schwarz-Weiß-Foto vorhanden war, wurde Kustodin Franziska Windt 2009 aufmerksam. Der Weg bis zur Rückgabe könnte in einem Krimi kaum besser beschrieben sein.

Kontakt zu einem niederländischen Kunstdetektiv

Geldnot war es, die den damaligen Besitzer antrieb, über einen Galeristen Kontakt zu dem niederländischen Kunstdetektiv Ben Zuidema aufzunehmen, der mit dem Londoner Art Loss Register zusammenarbeitet. Zuidema verständigte umgehend die Stiftung und lud Windt nach Maastricht ein. Da der Besitzer des Beutekunstwerks anonym bleiben wollte, wurden beide zunächst in ein Hotel gebracht und fuhren dann mit dem Kunsthändler an einen unbekannten Ort, an dem ihnen das Bild präsentiert wurde.

Windt erinnert sich gut an die Lagerhalle mit mafiaähnlichen „sizilianisch wirkenden Gestalten“, wie sie es formuliert. Etwas mulmig war ihr schon. Dann jedoch genügte ein Blick und die Kunsthistorikerin wusste, dass sie vor dem vermissten Werk aus Potsdam stand: „Bestimmte Craquelés und Strukturen, die auch auf dem Foto zu sehen waren, ließen keinen Zweifel zu.“ Doch die Forderungen des Besitzers überschritten bei weitem das Budget der Stiftung. Erst fünf Jahre später, im August 2014, sollte Franziska Windt wieder von der Madonna hören. Mittlerweile war der Besitzer verstorben und der inzwischen 78-jährige Zuidema sah eine gute Chance, das Gemälde in seine Heimat zurückzubringen. Stark restaurierungsbedürftig konnte es am Mittwoch zusammen mit den anderen drei Werken erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

1945 aus den Neuen Kammern verschwunden

Nach einem langen Revisionsverfahren hat die Republik Litauen die kleinformatige Holztafel „Die drei Marien am Grabe Christi“ des italienischen Malers Antonio Campi, das Ende des 16. Jahrhunderts entstanden ist, im vergangenen September restituiert. Das Gemälde, das ursprünglich im Berliner Stadtschloss hing, war 1945 aus den Neuen Kammern verschwunden. Seit 1951 war es im Bestand des Nationalmuseums in Vilnius, nachdem es bei einem Privatmann beschlagnahmt worden war. Deutschland hatte bereits 2005 Eigentumsrechte angemeldet. Ein Grundsatzurteil hat nun dazu geführt, dass die Stiftung es wieder ihr Eigen nennen kann. Hartmut Dorgerloh betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Provenienzforschung, denn auch in deutschen Museen hängen noch Tausende Werke, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Zwar habe die Einrichtung der Lost Art Datenbanken bereits dazu geführt, dass zahlreiche Fälle aufgeklärt und Raubkunst restituiert werden konnte, es liege aber noch viel Arbeit vor den Forschern.

Gemeinsam mit dem vierten Werk, das wie der Wigmana von einem Privateigentümer durch Vermittlung des New Yorker Auktionshauses Sotheby’s aus den USA nach Potsdam zurückgekehrt ist, sind die Gemälde ab dem heutigen Donnerstag und bis März im Rahmen öffentlicher Führungen im Neuen Palais zu sehen. Danach werden sie restauriert und sollen später unter anderem im Schloss Charlottenburg zu sehen sein.