Märchen-Show

„Shrek – Das Musical“ feiert Premiere im Admiralspalast

„Shrek“ ist Musiktheater für die ganze Familie, auch wenn es zwischen dem grünen Oger und seiner Geliebten zu einem Rülps- und Furzduell kommt. Sonntagabend feierte das Stück Berlin-Premiere.

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Er will doch nur seine Ruhe haben. Er will ungestört in seinem dampfenden Sumpf hausen und vielleicht ab und zu ein paar Menschen erschrecken. So, wie es ihm seine Eltern mit auf den Weg gegeben haben, als sie ihn mit gerade mal sieben Jahren aus dem Haus jagten, damit er in der weiten Welt für ordentlich Angst und Schrecken sorgt. Doch auf Shrek, das grüne Monster aus der Familie der Oger, kommt ein ganz anderes, großes Abenteuer zu.

Denn die Ruhe im Märchenland ist schon bald dahin, nachdem der feiste Lord Farqaad alle Märchenfiguren aus seinem Reich Duloc in den Sumpf des grünen Hünen verbannt hat. Und Shrek muss nun gemeinsam mit einem höchst geschwätzigen Esel auf Reisen gehen, eine verwunschene Prinzessin retten, einen verliebten Drachen besiegen und dann auch noch das Märchenland von dem dunklen Lord befreien. Um endlich wieder in seinen geliebten Sumpf zurückkehren zu können.

Die Geschichte des grünen Misanthropen mit dem großen Herzen, die 1990 erst als Bilderbuch, dann 2001 als Oscar gekrönter Animationsfilm Erfolge feierte, hat es 2008 auf die große Musical-Bühne geschafft. Erst am New Yorker Broadway, dann im Londoner West-End. Nach der deutschen Erstaufführung in überarbeiteter Fassung in Düsseldorf Ende vergangenen Jahres erlebte „Shrek – Das Musical“ am Sonntagabend seine Berlin-Premiere im Admiralspalast.

Muntere Genre-Mischung

Die amerikanische Komponistin Jeanine Tesori hat für das Musical eine neue, höchst zitierfreudige Musik komponiert, die sich munter an Genres wie Rock und Klassik, Pop und Jazz, Soul und Country orientiert. Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder haben das Libretto von David Lindsey-Abaire ins Deutsche übersetzt und der musicalversierte Regisseur Andreas Gergen beweist einmal mehr eine glückliche Hand, kindliche Naivität und zwischenmenschliche Tiefe zu einem wunderbar leichten Stück Bühnen-Entertainment zu verweben.

Das Bühnenbild, das durch massive Bühnenbauten und großflächig animierte LED-Projektionen die Illusion weiter Landschaften, verwunschener Täler oder protziger Schlösser schafft, ist durchaus imposant und das Ensemble mit gut zwei Dutzend Schauspielern, Tänzern und Sängern legt sich mächtig ins Zeug. Allen voran Andreas Lichtenberger unter seiner aufwendigen Maske als massiger grüner Oger Shrek, der mit einem einzigen Fußstampfen die ganze Bühne beben lässt und mit seinem Gebrüll einen ausgewachsenen Sturm entfachen kann.

Auch Andreas Wolfram als überdrehter Esel im schweißtreibenden Fellkostüm kann als Shreks plappernder Weggefährte stimmstark überzeugen. Bettina Mönch spielt als Prinzessin Fiona, die bei Tag eine bezaubernde Schönheit ist, bei Nacht aber zum Oger wird, ihre komödiantischen Fähigkeiten voll aus. Bewundernswert ist die Leistung von Carsten Lepper, der seine Rolle als kleinwüchsiger Lord Farquaad im Zwergenkostüm auf Knien singend und spielend meistert.

Vor allem die Kostüme überzeugen

Auch in dieser abgespeckten, für Tourneen kompatibel gemachten Version hat dieses Musical noch jede Menge Schauwert. Beim Märchentheater sind es vor allem die Kostüme, auf die es ankommt. Und davon hat „Shrek“ jede Menge zu bieten. Der Märchenwald ist bevölkert von Pinocchio und Rotkäppchen, Peter Pan und den drei kleinen Schweinchen und auch der Lebkuchenmann hat seinen großen Auftritt. Für die deutsche Fassung wurden zudem lokaltypische Figuren wie Max und Moritz oder der Struwwelpeter neu hinzugefügt. Einmal fegt sogar ein animierter Harry Potter auf seinem Besen über den Himmel.

Der Rattenfänger von Hameln flötet zum vielbeinig gesteppten Rattenballett, später räkeln sich drei aufreizende weiße Mäuse wie die Motown-Supremes an ihren Mikrofonen. Auch der gestiefelte Kater, der in den drei Kinofortsetzungen der Shrek-Reihe eine gewichtige Rolle spielt, hat einen kleinen Gastauftritt. Und der monströse Drache, bedient von gleich vier Helfern, speit furios Feuer und klappert verliebt mit den Augen, als er sich in den Esel verguckt. Die Story mit der Botschaft, dass auch die Freaks und Ausgestoßenen am Rand der Gesellschaft ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben, hält sich eng an die Filmvorlage von „Shrek – Ein tollkühner Held“.

Die Musik, routiniert live gespielt von einer hinter der Bühne versteckten Neun-Mann-Band, ist auf gefällige Weise musicalesk. „Shrek“ ist ein Stück Musiktheater für die ganze Familie, auch wenn es zwischen Shrek und Fiona auch mal zu einem ausgewachsenen Rülps- und Furzduell kommt. Andreas Gergen hat das Ganze mit Tempo und Liebe zum Detail inszeniert, packt viel schrulligen Witz, ein bisschen Klamauk und jede Menge große Gefühle in diese gut zweieinhalbstündige Show, bei der sich das Premierenpublikum im nicht ganz ausverkauften Theater immer wieder zu Szenenapplaus hinreißen lässt. Am Ende gibt es ein Happy-End für alle, von Lord Farquaad mal abgesehen. Noch bis zum 31. Januar ist der turbulente Bühnenspaß im Admiralspalast zu Gast.