Kinofilm

Heike Makatsch muss schon im Frühling auf Weihnachten machen

Die Berliner Schauspielerin hat bereits Anfang des Jahres den Vorweihnachtsfilm „Alles ist Liebe“ gedreht. Jetzt kommt der Film ins Kino. Heike Makatsch über Wohlfühlfilme zum Jahresende.

Foto: Anne Wilk / dpa

Sie hat sich ein wenig rar gemacht in letzter Zeit. Das hat natürlich damit zu tun, dass Heike Makatsch Mutter ist. Und auch damit, dass sie seit kurzem auch Theater spielt. Nun ist sie aber auch wieder im Kino zu erleben: in dem Vorweihnachtsfilm „Alles ist Liebe“, der am Donnerstag in die Kinos kommt. Der aber nicht im Winter, sondern bereits im Frühjahr gedreht worden ist. Wir trafen die Schauspielerin im Soho House.

Berliner Morgenpost: Frau Makatsch, ich habe Ihren Film im Herbst gesehen, das war ziemlich merkwürdig. Für Sie muss das noch viel merkwürdiger gewesen sein: Sie haben den Film sogar schon im Frühling gedreht.

Heike Makatsch: Allerdings. Das war im März. Und das war ein außergewöhnlich warmer März, der eher schon an den Mai erinnerte. Deshalb musste man immer schauen, dass die sprießenden Blätter nicht ins Bild kamen. Wir hatten immer eine mobile Tanne mit dabei, die bei Bedarf vor die Laubbäume geschoben wurde.

Silvestershows im Fernsehen sollen ja auch schon Monate im Voraus aufgezeichnet werden. Wie schafft man es da, sich in Weihnachtsstimmung zu bringen?

Das ist nicht leicht. Vor allem, wenn es draußen schon so 15, 20 Grad hat und man trotzdem Schal und Mütze tragen muss. Aber ich hoffe, man sieht’s uns nicht an.

Jetzt hat ja die Adventszeit begonnen. Wie begehen Sie denn die Weihnachtszeit? Ganz klassisch mit Baum und Bescherung?

Na klar. Wenn Kinder in der Familie rumturnen, dann ist das etwas, was man ihnen nicht verwehren kann. Ich finde das aber auch ganz schön, zwei Wochen im Jahr einen Baum im Haus zu haben. Ich liebe auch so ein paar kleine traditionelle Sachen. Aber dem Weihnachtsgeschäft unterwerfe ich mich nicht sklavisch. Ich versuche, das Ganze eher entspannt anzugehen.

Gehört denn so ein Wohlfühlfilm wie „Alles ist Liebe“ zur Adventszeit dazu?

Ich finde schon. Wenn es im Dezember so dunkel ist, wenn es draußen kalt und der Tag so kurz ist, dann braucht man sowas, was das Herz erwärmt. Man ist in dieser Jahreszeit ja öfter zuhause als sonst und rückt mehr mit seinen Lieben zusammen. Es ist eine Zeit der Reflexion und des Insichgekehrtseins, in der man sich anschaut: wo man steht im Leben, was im letzten Jahr alles passiert ist, und was im nächsten werden soll. Und da sind solche Filme vielleicht ein Motor dafür, sich selber einen kleinen Schub zu geben, Dinge besser zu machen, auch in der Liebe, auch in der Partnerschaft. Eigentlich eine ganz löbliche Einrichtung.

Man muss natürlich sofort an den britischen Film „Tatsächlich... Liebe“ von 2003 denken. Ein Film mit Hugh Grant, Colin Firth, Emma Thompson und Keira Knightley. Wie sind Sie da eigentlich hineingeraten?

Ganz klassisch: Ich habe mich beworben. Ich habe damals in England gelebt und bin auch manchmal zu Castings gegangen. Und die wollten mich dann eben haben.

Ist „Alles Liebe“ so etwas wie die deutsche Version von „Tatsächlich... Liebe“?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn das für mich diesmal eine ganz andere Erfahrung war. Ich habe ja damals die Ehebrecherin gespielt und diesmal bin ich ganz konträr die betrogene Ehefrau.

Auch dieser Film ist bis in kleinste Rollen voller Stars. Davon bekam man aber beim Drehen vermutlich gar nichts mit?

Ja, von manchen Handlungssträngen wird die eigene Figur gar nicht berührt. Ich hatte die meisten Szenen mit Wotan Wilke Möhring und Katharina Schüttler, und das war es eigentlich. Ganz am Ende des Films gibt es ein gemeinsames Weihnachtsfest im Schnee, da waren alle Schauspieler zusammen. Aber ansonsten haben sich unsere Wege wirklich nicht gekreuzt. Das ist wie ein Mosaik, jeder hat an seinem Bildausschnitt gearbeitet, und das fügt sich dann am Ende zu einem großen Ganzen. Da kann man nur hoffen, dass man einen begnadeten Schnittmeister hat und einen Regisseur, der das richtige Timing hat. Und dass die Szenen, die einem wichtig erschienen, nicht dem Schnitt zum Opfer fallen.

Ist das schon mal passiert?

Es gibt viele Gründe, warum an einer Stelle gekürzt werden muss.. Dann fehlt vielleicht eine Szene, die dem Schauspieler wichtig war. Aber es geht eben um das große Gesamte, nicht um eine gelungene Einstellung.

Das ist aber meist gar kein böser Wille?

Natürlich nicht. Das hat auch selten mit einer schlechten schauspielerischen Leistung zu tun. Das ist meist dem Rhythmus des Films geschuldet. Aber darauf hat man als Schauspieler eben gar keinen Einfluss.

Für den Film „Schwesterherz“ haben Sie mal ein Drehbuch geschrieben. Werden Sie das mal wieder tun? Haben Sie womöglich schon ein neues in der Schublade?

„Schwesterherz“ habe ich damals mit meiner Freundin Johanna Adorjan geschrieben. Es war ein sehr persönlicher Film, der geschrieben werden wollte. Auch jetzt schwirren Gedanken und Ideen für ein Buch herum, aber das Ganze muss noch eine Weile reifen. Ich könnte mir aber ein weiteres Projekt unter eigener Schreibe vorstellen.

Florian David Fitz hat das Drehbuchschreiben angefangen aus Frustration, weil er so wenige gute Rollen angeboten bekam. Ist das bei Ihnen ähnlich?

Doch, das kenne ich auch. Ist sicherlich ein Antrieb, um die Ansätze aus der Schublade zu holen.

Sie haben aber noch einen anderen Weg eingeschlagen: Sie spielen nebenbei Theater. Sie haben das erst mal in Leipzig angefangen. War das eine bewusste Entscheidung: Das mache ich erst mal dort, bevor ich mich damit nach Berlin wage?

Nein, das war viel einfacher. Leipzig hat einfach zuerst gefragt. Oder vielmehr der dortige Intendant, den ich sehr interessant fand. Da wurde mir überhaupt zum ersten Mal ein Angebot gemacht, bei dem ich dachte, ja, diese Art des Theaters reizt mich. Ich habe dann gleich drei Stücke dort mit Sebastian Hartmann gemacht.

Und dann wurde das Deutsche Theater aufmerksam? Sie sind dort am 5. Dezember wieder in „Tag der Weißen Blume“ zu sehen.

Genau. Ich bin sehr dankbar für diese Chance, die Aufgabe macht mir großen Spaß. Das Theater hält noch viele Herausforderungen für mich bereit, die ich gerne annehmen würde.

Wie ist das, wenn ein Filmstar auf ein eingespieltes Theaterensemble trifft. War das anfangs schwierig? Für Sie? Für die anderen?

Kann schon sein, dass das anfangs so gewesen ist. Aber wenn, hat man mich das nicht spüren lassen.Ich habe auch nicht allzu viele Gedanken daran verschwendet. Rückblickend fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und von meinen tollen Kollegen sehr unterstützt. Es war eine ergiebige Lehrzeit.

Haben Sie sich früher nicht an Theater herangetraut oder hat man Ihnen einfach keine Offerte gemacht?

Ich habe immer öfter daran gedacht, dass Theaterspielen eine Erfahrung wäre, die ich gerne einmal machen würde. Hatte auch immer öfter den Wunsch nach mehr Auseinandersetzung, nach mehr Inhalt, als das beim Film häufig der Fall ist. Und genau diese Auseinandersetzung habe ich dann auch dort gefunden. Die Proben fanden großenteils im philosophischen Diskurs statt und nicht unbedingt auf der Bühne. Das fand ich sehr befruchtend und inspirierend.

Wie ist das, wenn Sie das jetzt immer mal wieder für ein paar Tage spielen? Ist man da sofort wieder drin? Oder muss man da noch mal richtig pauken?

Das geht besser, als man denkt. Anfangs hatte ich Sorge, um man den Text innerhalb eines Tages wieder parat haben kann. Aber der Text sitzt tief, das ist relativ schnell wieder abrufbereit. Wie ein Autopilot.

Sie haben sich in den letzten Jahren ein wenig rar gemacht auf der Leinwand. Jetzt kommt eine kleine Flut an Filmen mit Ihnen. Ist das Zufall? Oder war da womöglich das Theater schuld?

Für mich ist mein Arbeitspensum genau richtig. Ich habe ja auch Familie. So bringe ich alles unter einen Hut und selektiere die Stoffe danach, was mir gefallt.

Gehen Sie eigentlich oft ins Kino oder kommen Sie als Mutter gar nicht dazu?

Ich würde schon gerne noch öfter gehen. Auch ins Theater. Nur Fernsehen gucke ich nicht gern. Ich hocke einfach nicht gern auf dem Sofa und schaue in die Glotze. Aber das Kino liebe ich. Schon sich für einen Film zu entscheiden und dafür den Weg auf sich zu nehmen, um genau das an diesem Abend zu tun. Das hat eine ganz andere Qualität.

Tuscheln die Leute nicht, wenn Heike Makatsch vor einem sitzt?

Nein, das passiert nie. Erstens ist es ja dunkel im Kino. Und zweitens tuschelt niemand.