10. Geburtstag

Das Kinder Musical Theater lockte schon 500.000 Besucher an

Das Kinder Musical Theater feiert 10. Geburtstag und zeigt das Erfolgsstück „Aresias“. 120 Mädchen und Jungen proben mindestens zwei bis drei Mal in der Woche in der City-Grundschule in Mitte.

Foto: Reto Klar

Kira war fünf, als sie eine Vorstellung des Kinder Musical Theaters besuchte. Am Ende hörte das kleine Mädchen aus Lichtenberg nicht mehr auf zu betteln: Sie möchte auch einmal so eine kleine Maus auf der Bühne sein. Das ging so lange, bis sie von ihrer Mutter angemeldet wurde.

Vier Jahre ist das jetzt her. Bei Leon liegt es drei Jahre zurück, dass er mit seiner Schwester das Ensemble „Im Reich des King Aresias“ gesehen hat. „Das war so spannend“, sagt der 15-Jährige aus Prenzlauer Berg. Noch heute kann er sich nicht entscheiden, was er am besten fand.

Tanz, Gesang oder die Story über zwei Gangs, die sich bekämpfen. In diesem Jahr stehen die beiden im „Aresias“ auf der Bühne, und das auch noch in einer ganz besonderen Vorstellung: Wenn am 13. Dezember die Premiere des Stücks in der Urania in Schöneberg ist, wird zugleich das zehnjährige Bestehen des Ensembles gefeiert.

Viele Eltern arbeiten mit

Gegründet wurde es 2004 von Volkmar Neumann. Der Autor und Regisseur war 20 Jahre lang künstlerischer Leiter im Friedrichstadt-Palast und hat dort mit Helga Hahnemann, den Puhdys und so ziemlich allen Schlagerstars der DDR zusammengearbeitet, aber auch das Kinderensemble betreut. 1993 hörte er im Friedrichstadt-Palast auf, wollte aber unbedingt wieder etwas mit Kindern machen. „In den vielen Jahren war es eine schöne Gewohnheit geworden“, sagt Neumann. Er ging zunächst eine Kooperation mit der Musikschule in Mitte ein und brachte einige Stücke zur Aufführung. Aus dieser Zusammenarbeit hätte sich der Wunsch ergeben, „Kinder selbst auszubilden und an die Bühne heranzuführen“, so Neumann. Und zwar in allen Disziplinen: Tanz, Schauspiel und Gesang. Aus seiner Zeit im Friedrichstadt-Palast war er gut mit Schlagersänger Michael Hansen befreundet. Jahrzehntelang waren „Michael Hansen & die Nancies“ auf den Showbühnen zu Hause. Der Sänger stimmte sofort zu und stieg als musikalischer Leiter ein. Die Dritte im Gründungsbund wurde Irmhild Kaufer, einst Palucca-Schülerin in Dresden, heute Tanzpädagogin und Lehrbeauftragte für Kindertanz und Folklore.

Mit 40 Kinder begannen sie vor zehn Jahren. „Der kleine Muck“ war die erste Aufführung im Theater des Westens und in der Arena Berlin. Heute trainieren 120 Mädchen und Jungen zwischen fünf und 18 Jahren mindestens zwei bis drei Mal in der Woche in der City-Grundschule in Mitte.

Die Bilanz nach zehn Jahren: 420 Aufführungen und 500.000 Zuschauer. Und die hundertfache Aufforderungen: Gebt 150 Prozent! Entfacht Leidenschaft! Fühlt den Rhythmus! Mittlerweile ist das Kinder Musical Theater ein Verein, der vor allem auch davon lebt, dass viele Eltern hinter der Bühne – im Fundus, bei der Lichttechnik und den Requisiten – mitarbeiten. Alle Stücke sind eigene Produktionen – Ideen, Texte und Musik stammen von Volkmar Neumann und Michael Hansen. In „Aresias“ – eine Geschichte, die aufgrund des Erfolgs im Jubiläumsjahr wieder aufgenommen wird – geht es um weggeworfene Puppen und Teddys, die auf einer Müllhalde leben. Sie stehen sich als verfeindete Gangs gegenüber. Alle wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder bei ihrem Kind zu sein. Doch nur einer darf jedes Jahr die Müllhalde verlassen und zurückkehren. Auch die Ratten und die Mäuse mischen sich ein. Sie wollen allein auf der Müllhalde leben, denn schließlich ist das ihr Zuhause. Erlöst können sie alle nur werden, wenn sie zusammenhalten und den Zauberer Aresias besiegen.

Auch fürs Leben lernen

Für die 15 Vorstellungen im Dezember haben die Kinder nicht nur in der Woche sondern auch in Trainingslagern und am Wochenende trainiert. „Es kommt darauf an, den Text zu gestalten“, sagt Irmhild Kaufer. Die Kinder sollen lernen, mit dem Körper präsent zu sein und ihn richtig einzusetzen. Damit würden sie auch für die Zukunft lernen: Persönlichkeit, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, Kritik als Hilfe anzunehmen – das könnten die Kinder mit ins Leben nehmen, sagt die Tanzpädagogin. Mitmachen kann jeder. „In jedem Kind steckt ein Talent“, sagt der musikalische Leister Michael Hansen.

Zum Theater gehören aber auch Träume. „Es gibt viele Kinder, die besonders begabt sind und Schauspieler werden wollen“, sagt Schauspiellehrerin Iris Radunz. Alida zum Beispiel. Die 17-Jährige ist seit vier Jahren dabei. Sie steht in diesem Jahr zum letzten Mal mit auf der Bühne und freut sich jetzt darauf „etwas Neues zu beginnen“, sagt die Abiturientin. Sie will Schauspiel studieren, wo ist ihr egal. „Ich werde mich überall bewerben“, sagt sie. Auch Romy träumt davon. Sie ist erst 14 Jahre alt, weiß aber schon ganz sicher, dass sie Musicaldarstellerin werden will. Vor einem Jahr hat ist sie im Internet auf das Kinder Musical Theater gestoßen. Zwölf seien beim Casting gewesen, erzählt sie. Sie gehörte zu den vier Jugendlichen, die genommen wurden. Auch für Nicola ist es das letzte Projekt. Die 17-Jährige will im Februar die Aufnahmeprüfungen für das Studium zur Musicaldarstellerin in Hamburg und an der Universität der Künste machen. Ein bisschen wird ihr das Ensemble fehlen, sagt sie. „Die gemeinsame Arbeit hat uns alle zusammengeschweißt“, sagt Nicola. Am schönsten sei die Freude auf die Vorstellungen gewesen, die sich durch das ganze Jahr gezogen hätte.

Am Schluss des Trainings stehen an diesem Abend alle noch einmal gemeinsam im Probenraum und singen „Fang jeden Tag dein Leben neu an“. Mit Körperspannung, mit 150 Prozent, mit Leidenschaft.

Vorstellungen von „Aresias“ vom 13. bis 27. Dezember, vormittags oder nachmittags, im Humboldt-Saal der Urania, An der Urania 17 in Schöneberg, Karten für Kinder ab zehn Euro, Telefon: 2189091