Neues Album

Klaus Hoffmann und die traurige Leichtigkeit des Seins

Auf „Sehnsucht“, der neuen Platte des Berliner Sängers Klaus Hoffmann, finden sich all die Einflüsse, die ihn in seiner 40 Jahre währenden Karriere geprägt haben - ein melancholisches Album.

Foto: unknown / Malene

Auch der jugendlich wirkende Berliner Entertainer und Liedermacher Klaus Hoffmann, der in seinen Liedern sein Innerstes so oft nach außen kehrt und den Menschen damit aus der Seele spricht, haderte mit dem Unausweichlichen. 63 Jahre alt ist er im März geworden. Aber nun wie ein älterer Herr zu leben, so sagt er, das wolle einfach nicht klappen. Er hat sich in den vergangenen Jahren auf das Schreiben konzentriert. Hat in dem Roman „Phillip und die Frauen“ die Lebenswelt eines 60-Jährigen ausgebreitet und mit „Als wenn es gar nichts wär“ seine Autobiografie verfasst.

Nun erscheint nach „Berliner Sonntag“ von 2012 mit „Sehnsucht“ eine neue Platte des Sängers, eine Songkollektion mit Liedern voller Melancholie und Lebenslust. Ein Konzeptalbum, das durchzogen ist von der ungebrochenen, unermüdlichen Sturm-und-Drang-Poesie des ewigen Suchers. Es sind 14 neue Lieder in der Tradition der französischen Chansonniers, der italienischen Cantautori und der amerikanischen Entertainer. Klaus Hoffmann hat sich all die Einflüsse, die ihn in seiner 40 Jahre währenden Karriere geprägt haben, zu Eigen gemacht. Es sind Einsichten eines Beobachters. Da bleibt sich einer treu.

„Diese Sehnsucht ist ja immer noch da“, sagt Klaus Hoffmann. „Diese Sehnsucht nach zu Hause, was immer das auch heißen mag.“ Es geht um Aufbruch, um das Entdecken, um Weggehen, um wieder anzukommen. Mit Akustikgitarren beginnt die Fernwehreise im Lied „Sie sind wieder da“ über die Kraniche, die in die Ferne ziehen und doch immer wieder heimkehren. Und das Album endet mit der Einsicht „Es fängt alles wieder an“ - mit diesem Wort „verzeih und ruf mich an“. Dazwischen geht es um Einsamkeit und Träume, um geliebte Menschen und verpasste Chancen. Und um den „Mann auf der Bank“, der vor den Trümmern seines Lebens steht und sich fragt „Was fängst Du jetzt an?“.

Die Würde des Alterns

Neben 13 eigenen Liedern findet sich auch ein Chanson von Charles Aznavour auf der Platte. Klaus Hoffmann hat das frühe Lied „Ophelin de toi“ übersetzt: „Mein Herz ist ein Kind“, eines seiner großen Themen, im Alter aktueller denn je. „Ich habe Leonard Cohen auf der Bühne erleben dürfen. Mit welcher Würde der mit seinem Alter umgeht, das fand ich imponierend“, sagt Hoffmann. Auch der Auftritt des 88-jährigen US-Entertainers Tony Bennett im Admiralspalast hat ihn sehr fasziniert.

Und vor einigen Jahren besuchte er den heute 90-jährigen Sänger Charles Aznavour. „Aznavour kannte mich noch von früher. Ich ging nach dem Konzert zu ihm in die Garderobe“, sagt er. „Da war zu spüren, dass der große alte Mann noch brennt. Er wirkte auf mich total jung. Man sollte dem Alter die Hand geben, dann tut es nicht so weh.“ Anders als Jacques Brel. „Brel wollte das nicht, er wollte kein alter Sänger werden. Mick Jagger versucht es immer noch. Aber Aznavour, der ist so präsent wie immer.“

Es sei wie eine späte Erlösung für ihn gewesen, als Aznavour ihm den Segen für das Chanson „Mein Herz ist ein Kind“ gab. „Ich schrieb den Text zu meinem Lied, blieb aber immer an seinem Original.“ Aznavour oder auch Bennett seien „der Archetypus der klassischen Sänger, die in so einen Anzug gepresst rausgehen und den Leuten Dinge erzählen, die sie schon wissen. Und insofern bin auch ich ein Vertreter der so unmodernen Form eines Typen, der rausgeht auf die Bühne.“ Er glaube, dass die Leute, die seine Lieder hören, eh schon wüssten, was die Songs erzählen. „Ich sage ihnen nichts Neues. So wie jedes gute Buch, das dich anspricht, eh nur das erzählt, was du schon längst weißt.“

Die erste Tour seit mehr als vier Jahren

Die alte Unruhe ist inzwischen wieder da. Zum ersten Mal seit vier Jahren wird Klaus Hoffmann wieder mit seiner Band auf Tournee gehen. Mit Hawo Bleich, dem Pianisten und Keyboarder, mit dem er gerade auf Lesetour ist und die Geschichten aus seiner Biografie „Als wenn es gar nichts wär“ mit den passenden Liedern anreichert. Mit Gitarrist Micha Brandt, Bassist Peter Keiser, und Schlagzeuger Stephan Genze. Gemeinsam haben sie über zwei Jahre hinweg die neuen Lieder aufgenommen. Gemeinsam werden sie sie im Dezember live aufführen. Im kommenden Monat sind Hoffmann & Band in Berlin im Friedrichstadtpalast zu erleben.

Seit bald einem Vierteljahrhundert wohnt der Charlottenburger Klaus Hoffmann nun schon am äußersten Rande Berlins, im idyllisch grünen Kladow. Weiter weg von der Stadt, die er so liebt und an der er so leidet, ging nicht. Nicht Afghanistan, wohin es ihn als Teenager trieb, nicht die geliebte griechische Insel Naxos, nicht das Meer, das immer wieder die Sehnsucht nährt. Immer wieder musste er zurück. Denn er kann einfach nicht ohne sein Berlin.

Hier begann er in den 70er-Jahren in der umtriebigen Szene von Folkclubs wie Steve-Club oder Go-In seine ersten Balladen zu singen. Hier studierte er Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar. Fiel gleich durch seine ersten Rollen an der Freien Volksbühne auf, spielte den gestörten Jungen in Peter Shaffers „Equus“ und erntete Ruhm durch die Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“

Sehnsucht nach der Bühne

Das Blut des Schauspielers brodelt auch 48 Alben später immer noch in ihm. Die Bühne ist sein Sehnsuchtsort. Da wird er zum Geschichtenerzähler, zum Musikanten, zum Komödianten, zum Sänger, und ja, manchmal sogar zum Tänzer. Und er singt von den großen Dingen, die so wichtig scheinen und den kleinen Dingen, die doch so wichtig sind.

„Die einfachen Dinge“ heißt ein Lied auf der neuen Platte. Da singt er von der alten Zuversicht, „dass die Unvernunft manchmal leuchtet wie ein Licht, lass es gleiten, lass es los, lass es immer weiter gehen, denn das Beste an der Welt ist doch, dass wir ne andere sehn“. Hoffmann ist wieder unterwegs. Es fängt alles wieder an.

Das Album: „Sehnsucht“, Klaus Hoffmann (Indigo) ist gerade erschienen, sein Konzert findet statt am 15. Dezember, Friedrichstadtpalast, 20 Uhr