TV-Krimi

„Polizeiruf 110“ - Wie ein Mann seine Familie tötet

Der neue „Polizeiruf 110: Familiensache“ erzählt von einem Familienvater, der seine Frau und den jüngsten Sohn ermordet. Der Rostocker Ermittler hat zudem private Probleme. Ein beklemmender Krimi.

Foto: NDR/Christine Schroeder

Manchmal besteht gute Schauspielerei nur in der Art, eine Zigarette auszudrücken. Ein Mann sieht sich mit seiner Schwester ein Haus an. Es fallen lauter beiläufige Sätze wie „Das Efeu ist so schön“ oder „Hinter der Mauer ist doch sogar ein Pool“. Der Mann will das Haus kaufen. Er hofft, dass dann seine Frau mit den beiden Kindern zu ihm zurückkommt. Dann löscht er seine heruntergebrannte Zigarette.

Er tut das auf einem stählernen Balkongelände mit wischenden Bewegungen. Sie sehen aus, als wollte er die Kippe vernichten. Dann wirft er sie in eine Mülltonne. Alles ist etwas zu schnell und ein bisschen zu laut bei ihm, und wir ahnen: Das wird nicht gut enden. Nicht für ihn, vor allem aber nicht für seine Frau und seine Kinder.

Bald schon gibt es Tote

„Familiensache“ heißt dieser Film, er mutet uns einiges zu. Seine Geschichte bezieht er aus all den Meldungen im Ressort Vermischtes, die wir lieber gar nicht erst gelesen hätten: Vater springt mit Kind vom Balkon. Drei Tote in Thüringer Einfamilienhaus. Tochter starb an Messerstichen. Andreas Schmidt spielt den Familienvater Arne Kreuz. Seine Frau hat ihn verlassen, weil er so ist wie ein Mann, den man als Frau verlassen muss: instabil, unberechenbar, cholerisch. Eine Gefahr. Er hat gar kein Geld, um ein Haus zu kaufen. Er macht sich und anderen dauernd etwas vor. Als er sieht, dass seine Frau mit einem netten Mann ein neues Leben beginnt, dreht er durch. Bald gibt es Tote. Immer mehr. Kann ihn denn niemand aufhalten?

Die Frau des Ermittlers geht fremd

Das Rostocker „Polizeiruf“-Team ist ja eigentlich ein Duo, aber Katrin König alias Anneke Kim Sarnau zieht sich diesmal stark zurück, um mehr Platz für Alexander Bukow (Charly Hübner) zu machen. Der hat auch Familienprobleme: Seine Frau geht fremd, ausgerechnet mit einem Kollegen von ihm. Bukow könnte auch durchdrehen, aber er tut es nicht. Das Drehbuch hat für ihn eine Rolle mit Botschaft konstruiert: Jedes Problem ist lösbar, man muss nicht zum Mörder werden. Dahinter steckt ein etwas stickiger Moralismus, denn das sollte selbstverständlich sein. Beklemmend und spannend ist dieser Film dennoch, wenn auch auf die Weise, mit der man manchmal Meldungen im Vermischten liest.

ARD, Sonntag um 20.15 Uhr