City West

Die C/O-Galerie im Amerika Haus ist erfüllt von Licht

Nur noch wenige Stunden, dann öffnet die C/O-Galerie in der City West. Ein erster Blick in die Räume zeigt, wie offen das Gebäude gestaltet ist. Der Andrang wird riesig sein.

Foto: Reto Klar

Rollgitter vor den Fenstern und Sicherheitsleute vor der Tür. So ist das eingeigelte Amerika Haus in Erinnerung geblieben. Jetzt stehen wieder schwarze Türsteher vor dem Eingang, scherzen möchte man lieber nicht mit denen. Und vorne auf dem Bürgersteig, da sieht man auch noch drei Polizisten auf und ab gehen. Das C/O-Team und der Bezirk wappnen sich für den Besucheransturm, der am Donnerstag erwartet wird zum Grand Opening. Angemeldet haben sich auf Facebook 7300 Fotofans, 1500 lässt man ins Haus. Eine Bar vor dem Haus und zwei Food Trucks aus der Markthalle Neun sollen bei Ungeduld zumindest für temporären Genuss sorgen. Gedrängel wird es trotzdem geben, zwei Fahrspuren werden gesperrt sein.

„Wow“, sagt Stephan Erfurt, der Chef des Hauses. Bei ihm setzt Erleichterung ein, die Sanierung ist durch, die Phase der Unsicherheit vorbei, die Türen endlich offen. Nach anderthalb Jahren ohne Ausstellungen. Und ohne Einnahmen – das muss man erst einmal finanziell stemmen. „Der große Star“, sagt er, „ist das Kind vom Bahnhof Zoo“.

Er meint das Gebäude selbst, das Amerika Haus, 1957 erbaut, als Kultur- und Informationszentrum der Amerikaner in der damaligen Frontstadt. „Ein Schneewittchen, das man wachküssen musste.“ Um das zu sehen, sind der US-Starfotograf Elliott Erwitt, 86, und der in New York lebende Magnum-Fotograf Thomas Höpker, 78, eigens angereist.

Eine Ikone der Offenheit und Transparenz

Nach der denkmalgeschützten Sanierung sieht man nun die architektonische Idee, die dem Haus zugrunde liegt: eine Ikone der Offenheit und Transparenz. Überall gibt es Licht, Licht im Foyer, Licht im offenen Treppenhaus mit dem geschwungenen Geländer, Licht im Café durch die Fensterfront. Am Schönsten aber sind die Durchblicke und Blickachsen, die es überall im Gebäude gibt: Von hier sieht man direkt auf die Hardenbergstraße und den Zoo. Stadt und Haus sind eins.

„Die Amerikaner wollten, dass die Leute einfach und schnell ins Haus kommen. Keine Hemmschwelle spüren“, erzählt Felix Hoffmann, Kurator von C/O. Bis 1961 kamen noch Ost-Berliner per S-Bahn am Zoo an, um die „Ost“-Bibliothek zu besuchen. So wurde unter Anleitung des Innengestalters Meyer Voggenreiter sensibel umgestaltet, die Rippendecken freigelegt, muffige Teppiche durch Gussasphalt ersetzt, Türen und Fenster restauriert. Das sorgt im ganzen Haus für Retro-Chic. „Fotografie wird gerne rau gezeigt“, meint Meyer Voggenreiter.

Neu sind die schlichten Ausstellungsräume, die LED-Beleuchtung und der zur Straße hin offene Book Shop. Bei den edlen, grauen Ausstellungswänden tritt ein Wiedererkennungseffekt ein, sie kommen aus dem Postfuhramt und verwandeln die große Halle in einen geschlossenen Ausstellungsraum mit angedeuteten Kabinetten.

C/O und Amerika Haus zusammenbringen

„Der Anspruch war, die beiden Marken zusammenbringen, C/O als moderne Foto-Institution und das Amerika Haus mit seiner spanungsreichen Geschichte“, sagt Meyer-Voggenreiter. Für ihn steht das Haus auf jeden Fall für die Wiederentdeckung der City-West. „Im Osten gibt es den Gewöhnungseffekt, jetzt schlägt das Pendel um“, meint er.

Das alte C/O ganz neu: Es gibt eine neue Zeitung, eine neue Website, ein neues Buch, eine neue Dependance, gleich nebenan in der Hardenbergstraße 19. Hier will das C/O-Team eine „Schule des Sehens“ entwickeln.

Mit gleich vier Ausstellungen wird auf zwei Stockwerken und im ehemaligen Kinosaal eröffnet. Ein Mischung wie schon im Postfuhramt, schließlich hat sich das Konzept aus Mitte bewährt: Klassisches aus dem Kanon der Fotografie, junge Talente und Berlin-Bezug. Will McBride, der 83-jährige Wahlberliner, schließt mit seinen Schwarzweiß-Fotos aus dem Berlin der späten 50er- und frühen 60er-Jahre an die Geschichte des Hauses an: Er war 1957 der erste Fotograf, der hier in der Hardenbergstraße ausstellte. „Die Tatsache, dass ich ein Amerikaner war und in Berlin studierte, machte aus mir einen Helden, ohne dass ich viel dazu beigetragen hätte“, hat er mal gesagt.

Fotos der zerstörten Gedächtniskirche

Auf seinen Fotos sieht der Besucher die zerstörte Gedächtniskirche, ein Pferdefuhrwerk am Gendarmenmarkt, und beim Blick hinaus aus dem großen Fenster sieht er den Bahnhof Zoo und all die Leute rundherum. So treffen Gestern und Heute aufeinander wie in einem Fluss der Zeit.

Die „Contact Sheets“ der renommierten Magnum-Fotografen erinnern an die erste Magnum-Schau im Millenniumsjahr, mit der C/O im Postfuhramt eröffnete. Kontaktbögen gaben früher die Fotografen gar nicht raus, weil sie den eigenen Arbeitsprozess wie ein Tagebuch dokumentierten. Die Schau ist nun eine Hommage an die analoge Technologie, denn mit der Digitalisierung hat sich der Arbeitsprozess stark verändert.

Toll präsentiert, da sieht der Besucher nebeneinander die Kontaktbögen und das mit dem Stift rot umkreiste, vom Meister ausgewählte und autorisierte Einzellbild, dazu häufig die Veröffentlichung in Magazinen wie „Life“. Wie mühsam so ein Shooting sein konnte, zeigt das ikonische Che-Guevara-Porträt vom kürzlich verstorbenen René Burri. Mit Zigarre, ohne, frontal, seitlich, gelangweilt oder cool. Der Burri hatte seine Mühe mit dem Revolutionär aus Havanna.

Spaß am Fotoautomaten

Neue Stars gibt es auch noch im Amerika Haus: die sechs eigens konstruierten Fotoautomaten. Der Besucher kann sich ganz im Stil von Elliott Erwitt, Paolo Pellegrin oder Martin Parr ablichten lassen – wie ein Promi. Mit Pinscher an der Leine oder tanzender Katze an der Seite, auf britischem Blumensofa oder vor den Hochhäusern von New York. Die Maschine simuliert den individuellen Ansatz des Meisters. Nach der Session kann jeder sein „originales“ Porträt ausdrucken. Was für ein Spaß, besser als jedes Selfie. Kostet fünf Euro pro Shooting. Bei C/O wird die Kasse klingeln.

Amerika Haus, Hardenbergstr. 22-24

Grand Opening: Donnerstag, 30. Oktober, ab 16 Uhr.