C/O-Neueröffnung

Will McBride kehrt ins Amerika Haus zurück

Will McBride stellte als erster Fotograf 1957 im Amerika Haus aus. Nun kehrt er – mit 83 Jahren – an denselben Ort zurück. Und zeigt seine Fotos dort wieder - zur Neueröffnung der C/O-Galerie.

Wenn Will McBride am Donnerstag das Amerika Haus betritt, wird es nahezu so sein wie 1957. Er war 26 Jahre, studierte Philosophie und Amerikanistik an der Freien Universität und hatte den Militärdienst bei der US-Army in Würzburg hinter sich. Als erster Fotograf durfte er im Amerika Haus ausstellen: Seine Berliner Schwarzweiß-Fotografien, die er überall in der Stadt mit seiner Leica geschossen hatte. Darauf konnte er sich etwas einbilden. Die Ausstellung war wie eine Visitenkarte. Nun kehrt er – mit 83 Jahren – an denselben Ort zurück, der originalgetreu saniert wurde.

Nachhilfe in Demokratie

Für McBride wie eine Zeitreise. „Das Haus war architektonisch besonders, sehr modern und großzügig“, sagt er. Das Gebäude, offizielles Kultur- und Informationszentrum der Amerikaner, war gerade an der Hardenbergstraße 22-24 eröffnet worden. Die peppige, blau-weiß-rote Mosaikfassade zeigte allen, wer die Herren im Haus waren. Deren Idee war verständlich: Die Deutschen sollten nach der Hitler-Diktatur Nachhilfe erhalten in Sachen Freiheit und Demokratie.

Und da waren McBrides Fotos geradezu idealtypisch. Sie zeigen, wie Berlin war – mit unverkrampftem, ja jugendlichem Blick und so ganz ohne Belehrungszeigefinger. Eine Auswahl eben jener Fotos, Titel: „Ich war verliebt in diese Stadt“, präsentiert die C/O-Galerie zu ihrem „Grand Opening“ am Donnerstag. Im ersten Stock bekommt McBride den schönen Oberlichtsaal. Zeitgeschichte pur.

„Überall lagen Trümmer, dennoch herrschte ein unbedingter Aufbruchswillen. Es war eine sehr, sehr aufregende Zeit“, erinnert sich der Wahlberliner, „die Stadt war wichtig für alle, überall wurde aufgebaut“. Es gibt dabei jene Bilder, die eine Art Topografie der Stadt bilden: Jungs in kurzen Hosen, die zwischen den Schuttbergen spielen oder Wasser aus einem Brunnen pumpen. Den Kiosk und den Radioladen am Kurfürstendamm. Die tristen Brachen und leeren Straßenzüge. Baden am Wannsee. Eine Welt in lauter Grautönen – das kannte er nicht aus Amerika.

Und es gibt eben die ungezügelte Lust am Leben. Der junge Amerikaner aus St. Louis bewegte sich mittendrin, hatte sein Atelier in Steglitz und jede Menge Freunde, Eva, Christine, eine smarte Clique, großteils Architekturstudenten, die ihm sagten, wo er mit dem Rad und der Kamera auf Entdeckung gehen sollte.

Es muss Spaß gemacht haben, erstaunlich, wie oft auf den Fotos von McBride gefeiert wird. All die lustigen Bootsfahrten mit dem „Riverboat Shuffle“ (1959) und jede Menge Partys, Anarchie, Entgrenzung, Lust, alles dabei. Will McBride sagt es so: „Wir waren halt mit uns beschäftigt und damit, wen man so anbaggert.“

Einige Jahre später, 1963. Berlin wird zum Schaufenster der Weltpolitik: Kennedy, Brandt und Adenauer fahren im offenen Wagen am Brandenburger Tor vorbei. McBride ist dabei und ganz dicht dran. So dicht würde heute ein Fotograf aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr kommen.

Eigentlich, erzählt McBride, „entstanden meine Fotos damals nur, weil ich Motive brauchte für meine Gemälde“. Er hatte in Amerika ganz klassisch Malerei studiert, zuerst war die Kamera also nur Hilfsmittel. „Doch Berlin veränderte meine Sehgewohnheiten.“ Zumal der Wahlberliner erkannte, dass er als Bildreporter Geld verdienen konnte. Er arbeitete später für „Geo“, „Stern“, „Life“, „Paris Match“ und „Playboy“.

Übrigens veröffentlichte er im Kultmagazin „Twen“ 1960 ein Porträt seiner schwangeren Frau Barbara im Profil. Die Erregung in deutschen Landen war heftig. Das Motiv zitierte Annie Leibovitz 1991 für „Vanity Fair“ – auf dem Cover Demi Moore. 1974 erschien sein Aufklärungsbuch „Zeig mal!“, auch diese Fotos gefielen nicht allen.

Wohnung am Hackeschen Markt

Will McBride wohnt am Hackeschen Markt, mittendrin, Neue Schönhauser Straße, Seitenflügel. Ruhig ist es hier, im Gegensatz zum touristischen Trubel vorne auf der Straße. Und schön hell, deswegen ist er hierher gezogen. Hier kann er gut arbeiten. Drei große Fenster, Licht von allen Seiten für all die Gemälde, groß und klein, die hier auf dem Boden stehen und an den Wänden hängen.

Die Tausende Fotos verwahrt Will McBride im Archiv, es befindet sich im Keller des Hauses. Gerade arbeitet man an der Digitalisierung.

Welche Motive reizen ihn heute in Berlin? Wie sieht er die Entwicklung der Stadt? Da winkt er ganz fix ab. Seit zehn Jahren hat er nicht mehr fotografiert, die Kamera ist liegengeblieben. „Mich interessiert nichts mehr“, sagt er. Ein Schuhgeschäft am Hackeschen Markt, Mode, sonst nichts, alles Konsum. „Ich sehe nichts mehr.“

Amerika Haus, Hardenbergstr. 22–24. Ausstellungen: tgl. 11–20 Uhr.

Grand Opening: 30.10., ab 16 Uhr. Ausstellungen: tgl. 11–20 Uhr. Ticket: 10 Euro. Kinder bis 18 Jahre frei