Theater des Westens

Mamma Mia - Mit Abba-Hits gegen die November-Depression

Schlaghosenalarm im Theater des Westens: Hier gastiert das Abba-Musical „Mamma Mia!“. Und macht nicht nur die Verfilmung mit Meryl Streep, sondern auch die finstere Jahreszeit vergessen.

Foto: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Schon im Novembertief? Das muss nicht sein. Das Theater des Westens schenkt uns das ultimative Antidepressivum für die finstere Jahreszeit. „Mamma Mia!“ Das Musical mit den Abba-Hits. Da geht noch mal die Sommersonne über dem griechischen Meer auf, da lacht uns der Himmel so blau wie in fünf Monaten wieder. Und dazu Schlaghosenalarm. Plateauschuheinlagen. Discoglitter. Nichts wie rein.

Seit „Mamma Mia!“, dem Film, muss man niemandem mehr sagen, dass das Musical nicht von den Abba-Vier und nicht von ihren Karrierenstationen handelt. Weiß inzwischen jeder selber, dass es um ein junges Mädchen geht, das drei potenzielle Vaterkandidaten zur eigenen Hochzeit einlädt und damit die Mutter schockt, die wiederum mit ihren beiden besten Freundinnen wie anno dunnemals die Discoröhre gibt.

Chiquitita, was ist gescheh’n

All die sattsam bekannten, unkaputtbaren Abba-Songs werden dabei zum musikalischen Kommentar. Jeder Hit ein Launen-Barometer. Hoher Mitklatsch- und Mitsing-Faktor. Aber Obacht! Die Texte werden ja schrill verdreht. Aus „Take A Chance On Me“ wird „Komm und wag’s mit mir“; aus „I Do I Do I Do I Do I Do“ wird „Sag ich will ich will“ usw. Und wenn’s mal gar nicht anders geht, wird auch so was Albernes draus wie „Chiquitita, was ist gescheh’n“. Was prompt Szenenapplaus kassiert.

Natürlich ist das ein einziges Déjà-Vu. Hatten wir ja alles schon einmal. 2007 im Stage-Theater am Potsdamer Platz. Und eigentlich ist Udo Jürgens schuld, dass die Produktion nun noch einmal in die Hauptstadt kommt. Oder doch das Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“. Das sollte an der Kantstraße eigentlich auf das kürzlich abgelaufene Sprechtheaterdrama „Gefährten“ folgen. Aber dessen Bühnenbild ist zu groß und muss erst mal auf das Niveau des kleinen TdW zurechtgezimmert werden. Nach New York geht’s jetzt erst im kommenden Frühjahr. So lange aber kommt noch einmal „Mamma Mia!“ zurück, von dem es eine Tourneeversion gibt, bei dem die Kulissen so verknappt wurden, dass sie in jedes Haus passen.

Mehr Stimme als Meryl Streep

Als „Mamma Mia!“ das erste Mal in Berlin lief, war das ein etwas schlechtes Timing. Kam doch just zu dieser Zeit die Hollywood-Verfilmung mit Meryl Streep ins Kino. Man muss aber unbedingt das Original sehen. Der Film lebt davon, dass die Stars selber singen. Aber das ging mal mehr, wie bei Meryl Streep, mal weniger, wie bei Colin Firth, und mal gar nicht gut, wie bei Pierce Brosnan.

Auf der Bühne haben wir dagegen gestandene Sänger und vor allem Sängerinnen, die richtig fetzen und röhren können. Und das Ensemble gibt auch tänzerisch alles, um die Außentemperaturen vergessen zu machen. Nur zwei Wermutströpfchen hat die neue Produktion. Einige der Darsteller sprechen mit hörbar fremder Zunge. Als ob es nicht genug arbeitswillige deutsche Musicaldarsteller gäbe. Phonetisch kriegen die ihr Deutsch zwar hin, versemmeln dabei aber die eine oder andere Pointe.

Mutter und Tochter? Wohl eher Geschwister

Und Donna, die Meryl-Streep-Rolle, ist mit Sabine Mayer zwar stimmlich und energetisch top besetzt, aber viel zu jung für ihre beiden besten Freundinnen. Ihre Tochter Sophie wiederum ist mit Lara Grünfeld viel zu alt besetzt. Die sollen Mutter und Tochter sein? Wohl eher Schwestern, mit höchstens zehn Jahren Altersunterschied. Aber das sind Skepsispeanuts, die schon bald in der allgemeinen Abbamania untergehen.

„Mamma Mia!“, die zweite, ist vielleicht noch besser als die erste Berlin-Station. Weil das TdW als denkbar kleinere Bühne viel intimer ist und damit weit passender scheint. Der Funke jedenfalls springt sofort über. Und am Ende brummt das ganze Haus dank des tobenden Publikums. Da stört es auch nicht weiter, dass die Musical-Macher Björn Ulvaeus und Benny Andersson diesmal nicht zur Premiere an die Spree gereist sind.

Termine: Theater des Westens, Kantstr. 12, Charlottenburg. Tel.: 0180-54444. Di-So. Bis 14. Februar 2015