Es ist ein Glücksfall, diese Ausnahmekünstlerin erleben zu dürfen, und das in mehrfacher Hinsicht. Als „Jahrhundertsopran“ wird Anja Harteros verehrt, weltweit bejubelt das Opern- und Konzertpublikum die sensible Stimmführung, die musikalische Ausdruckskraft und die besondere Bühnenpräsenz der Sängerin.

Gleichzeitig versucht die 1972 in Bergneustadt geborene Tochter einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters immer wieder, sich den strapaziösen Regeln des internationalen Musikbetriebes zu entziehen. Streng achtet Anja Harteros darauf, eine gewisse Anzahl von Vorstellungen pro Jahr nicht zu überschreiten.

Legendär, auch in Berlin, sind längst die zahlreichen Absagen der Sopranistin. Sie selbst meint dazu, nur wenn sie sich in absoluter Topform befinde, könne sie eben jene Glanzleistung bieten, die das Publikum von ihr erwarte. Dass sie bisweilen auch eine Mitwirkung auf einer Opernbühne versagte, weil ihr das Regie-Konzept nicht behagte, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Harteros glänzt im italienischen Fach ebenso wie im deutschen

Zumindest in dieser Hinsicht dürfen ihre Anhänger jetzt der „Ariadne auf Naxos“ in der Philharmonie beruhigt entgegen sehen, handelt es sich doch um eine konzertante Aufführung. Mit Richard Strauss beschäftigt sich Anja Harteros im Jahr des 150. Geburtstags des Komponisten besonders intensiv.

So wird sie im November an der Dresdner Semperoper sowohl die Arabella als auch im „Rosenkavalier“ die Feldmarschallin singen. Ein Höhepunkt ihrer Karriere auf dem Konzertpodium ist sicher ihre Interpretation der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss.

Doch das Repertoire der Sängerin, die im Sommer 1999 mit dem Gewinn des BBC-Wettbewerbs „Cardiff Singer of the World“ ihren großen Durchbruch hatte und die seit 2007 den Titel Bayerische Kammersängerin trägt, beeindruckt auch durch Vielfalt.

Im italienischen Fach weiß die Sängerin ebenso zu glänzen wie im deutschen. Sie begeisterte mit Konzertarien von Haydn, Mozart und Beethoven. An der Deutschen Oper Berlin erinnert man sich an ihre Triumphe mit „Tosca“ sowie als Desdemona in Verdis „Otello“. Im April 2015 wird Anja Harteros im „Lohengrin“ als Elsa auf der Bühne stehen.