Musik-Comedy

Axis of Awesome erklären in Berlin Rammstein zu Volksmusik

Das australische Trio ist eine Social-Media-Berühmtheit. Ihr „4 Chords“ kann auf YouTube an die 50 Millionen Klicks verbuchen. Im Columbiaclub spielte sie nun ein deutsche Version des Mammutmedleys.

Foto: Promo

Normalerweise, so erläutern sie zu Beginn ihrer Show, würden sie in gigantischen Konzertarenen und Sportstadien auftreten. Normalerweise hätten sie jede Menge Pyrotechnik auf der Bühne, aufblasbare Riesen-Dinosaurier als Deko, literweise Blut und jede Menge anderen aufwendigen Schnickschnack. Doch leider passe das nun mal alles nicht in den doch eher kleinen Columbiaclub. Und so fordern Axis of Awesome ihr Publikum einfach auf: „Use your imagination.“

Das Musik-Comedy-Trio aus dem australischen Sydney hat sich seinen Ruhm vor allem durch YouTube erarbeitet. An die 50 Millionen Klicks kann ihr Video zu „4 Chords“ inzwischen verbuchen. Ein Stück, in dem sie gleich mehrere Dutzend Popsongs aneinander reihen, die alle auf derselben Folge von vier Akkorden basieren – zumindest in den Strophen oder im Refrain. Gerade haben sie auch ihre erste interaktive Online-Soap „Axis All Areas“ ins Netz gestellt.

Mal trocken pointiert, mal derb pubertär

Doch Social-Media-Berühmtheit allein füllt noch keine Konzerthallen. Es ist noch jede Menge Platz im Columbiaclub, als Sänger Jordan Raskopoulos, Gitarrist und Sänger Lee Naimo und Keyboarder und Sänger Benny Davis ihren mittlerweile zweiten Berlin-Abstecher mit „The Glorious Epic of Three Men Who Are Awesome“ eröffnen. Und schnell wird klar: wer an diesem Abend nach Tempelhof gekommen ist, der weiß warum. Hier sitzen die eisenharten Fans auf den Bierbänken vor der Bühne. Und sie lachen und jubeln und lärmen, als wäre der Laden ausverkauft.

Die Interaktion auf der Bühne entbehrt nicht einer gewissen Komik. Naimo ist der leicht abgedrehte Nerd, Raskopulos der füllige Rock-’n’-Roller mit voluminöser Stimme, Davis der ernsthafte Musiker, der ob seiner geringen Körpergröße von den anderen beiden andauernd gehänselt wird. Er sei eben „the love child of Harry Potter and Draco Malfoy“, sticheln sie, musikalisch aber hält Benny Davis die Zügel fest in der Hand. Die Gags sind mal trocken pointiert gesetzt, mal eher derb pubertär hingeworfen, manchmal ob der Akustik auch nur schwer zu verstehen.

Von iPhone-Fanatikern und Fast-Food-Anhängern

Auf fünf Alben haben sie es seit ihrer Gründung 2006 gebracht. Sie karikieren in ihren Stücken iPhone-Fanatiker ebenso wie Fast-Food-Anhänger. Ihre gerappte „Ode to KFC“ wird zu so etwas wie einem Running Gag. Musikalisch bedienen sie sich mit großer Geste bei Disco und Hardcore, Pop und Rock, Dancefloor und Hip-Hop, live mitunter von einem Halbplayback unterstützt. Sie veralbern Boy-Group-Ästhetik mit „How To Write A Love Song“ und übersetzen „The Language of Love” in die Sprache der Liebe. Ins Französische, behaupten sie - und singen dann doch konsequent auf Deutsch.

Diese gute Stunde mit Axis of Awesome ist chaotisch, unausgegoren und völlig dramaturgiefrei. Sie albern herum, sie hängen Song an Song. Sie reihen Stückwerk aneinander. Obwohl der Abend recht kurz ist, hat er einige Längen. Dennoch können die Drei mit ihrem kumpelhaften Charme für sich einnehmen. Und natürlich spielen sie als Höhepunkt ihren Hit „4 Chords“ in einer aktualisierter Form. Neben Journeys „Don’t Stop Believin’”, Alphavilles „Forever Young“ oder Miley Cyrus‘ „Wrecking Ball” findet sich in dem Mammutmedley nun auch „Manchmal haben Frauen…” des Berliner Trios Die Ärzte.

Eine Überraschung haben sie sich für den Zugabenblock aufgehoben. Neben ihrer hart rockenden „Game of Thrones“-Parodie kündigen sie ein deutsches Volkslied an, das sie extra eingeübt haben. „Man hat uns jedenfalls gesagt, dass das ein deutsches Volkslied ist“, meint Jordan Raskopoulos lakonisch. Und mit Rammsteins „Du hast“ schicken Axis of Awesome ein zufriedenes Publikum in die Berliner Nacht.