Konzert

JJ Grey bringt die Hitze der Sümpfe Floridas nach Berlin

Südstaatensound mit ganz viel Funk und Soul: JJ Grey zeigt sich im Columbiaclub als musikverliebter Entertainer. Zusammen seiner Band Mofro gilt er bei uns immer noch nur als Geheimtipp - zu Unrecht.

Foto: Jazz Archiv/Markus Lubitz / picture alliance / Jazzarchiv

Er singt von den Einsamen und den Verlierern. Er erzählt in seinen Liedern Geschichten von Zweiflern und Aussteigern, von Betrogenen und unglücklich Verliebten. Und immer wieder beschwört er die Kraft, die Schönheit und die Unbarmherzigkeit der Natur, vor der der moderne Mensch plötzlich so klein und unwichtig wird. Die Musik von Sänger und Songschreiber JJ Grey und seiner Band Mofro ist tief verankert im amerikanischen Süden, im Memphis Soul, im Southern Rock, im Blues und Funk aus den Sümpfen und Wäldern Floridas.

Im Columbiaclub konnte man am Donnerstagabend hautnah erleben, was für eine emotionsgetriebene Ausdruckskraft, was für eine lustvoll vibrierende Energie JJ Grey & Mofro auf die Bühne wuchten. Der schlaksige Endvierziger JJ Grey, der eigentlich John Grey Higginbotham heißt, stammt aus Jacksonville in Florida und ist so etwas wie ein Heimatdichter. Er schreibt Lieder über die hart arbeitenden Menschen, mit denen er groß geworden ist, über Nachbarn, Freunde und Verwandte, über die Härte des Lebens. Oder über heiße Liebesnächte wie in „Slow, Hot And Sweaty“.

Nur reichert der Storyteller seine Stücke mit einer solch gehörigen Portion Funk und Soul an, dass sie einem schier den Atem nehmen. Er lässt die Gitarre hitzig jauchzen, er wirbelt furios mit dem Tamburin, er stößt seelenvoll in die Bluesharp. Und er singt mit einer lebensgegerbten Soulstimme, die von ganz tief drinnen kommt. Die rau und zärtlich zugleich ist. Ganz im Geiste eines Otis Redding.

Mofro bringt die flirrende Hitze der Sümpfe nach Berlin mit mächtig stampfenden Rocknummern wie „Country Ghetto“ oder von Country gestreifen Balladen wie „Brighter Days“. Gerade ist mit „This River“ das siebte Album von JJ Grey erschienen, wieder eine Sammlung von in jeder Beziehung bewegenden Songs. Doch vor allem live ist diese Band eine Offenbarung.

Es ist die Bühnenluft, die diese Musiker zum Leben brauchen. Bassist Todd Smallie und Schlagzeuger Anthony Cole legen den ständig groovenden Untergrund. Dabei kommt Drummer Cole mit minimalster Ausstattung aus. Bassdrum, Snaredrum, High-Hat und zwei Becken. Mehr benötigt er nicht für sein treibendes Spiel. Man staunt, was er damit alles anstellt.

Gitarrist Andrew Trube, der gleich ziemlich am Anfang eine Lap-Steel-Gitarre in Pete-Townshend-Manier zerschrotet, und Organist Anthony Farrell beschwören den satt pulsierenden Südstaatensound. Komplettiert wird die großartige Band von Trompeter Dennis Marion und Saxofonist Art Edmaiston, die Akzente setzten mit kantigen Riffs und virtuosen Soloeinlagen.

Musikverliebter Entertainer von charmanter Unberechenbarkeit

JJ Grey ist ein musikverliebter Entertainer von charmanter Unberechenbarkeit. Er singt sich in gospelgleiche Ekstase. Er lässt die Musik fließen, geht mit einem Lächeln auf im Rhythmus, lässt seinen Musikern immer wieder Raum für Alleingänge. Er lässt sich auch mitten im Höhenflug einfach mal gehen und variiert das Programm, wenn ihm danach ist und wenn es Stimmung gebietet.

Ein großartiger Musiker, der bei uns immer noch zu Unrecht als Geheimtipp gilt. Entsprechend nur zur Hälfte gefüllt ist denn auch der Columbiaclub, doch die, die den Weg gefunden haben, wissen um die Qualitäten des Mannes aus dem Süden und erleben ein gut zweistündiges Show-Kraftpaket, das mit dem stürmenden und drängenden „Orange Blossom“ zum Finale kommt.

Es geht schon auf Mitternacht zu, als JJ Grey & Mofro den Zugabenteil mit der neuen Countryballade „This River“ beginnen. „Where did my soul go? Where did my spirit hide? Why won’t they rescue me from the pain in my mind?” lässt er da seinen tragischen Helden lamentieren, bevor ihm einzig der große Fluss Linderung und Erlösung bietet. Mit „Everything Good Is Bad“ geht diese Nacht in ein noch einmal funkrockbefeuertes Finale, bei dem keiner mehr stillstehen kann.

Bands wie diese sind der Grund dafür, dass ein Livekonzert ungleich mehr Erfüllung bringt als eine noch so gut arrangierte Studioproduktion. Die Besucher wissen das. Der Applaus ist entsprechend dankbar und langanhaltend.