Auswärtssaison

Eine Musiktheater-Reise durch die ganze Stadt

Während der Bauphase in der Deutschen Oper Berlin wird von ihren Besuchern viel Mobilität erwartet. Der Spielplan führt dabei auch an ungewöhnliche Aufführungsorte.

Foto: CHROMORANGE- Robert Geismar / pa/Chromorange-Robert Geismar

Sommerzeit ist Reisezeit. Das galt in den letzten Tagen auch für Künstler der Deutschen Oper Berlin und ihr Publikum. „Die Zauberflöte“ in der Waldbühne, das Gastspiel der BigBand im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte auf der Baustelle des BER-Flughafens, die „Spanische Nacht“ bei den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern sowie die konzertante „Salome“ bei den BBC Proms in London leiteten im August die „Auswärtssaison“ der Deutschen Oper ein.

Wegen der Sanierungsmaßnahmen wird die große Bühne an der Bismarckstraße erst ab 27. November wieder bespielt werden. Die Deutsche Oper macht aus der Not eine Tugend und führt ihr Publikum an teilweise ungewöhnliche Spielorte. Schauplatz der Eröffnungspremiere am 9. September ist das Parkdeck der Deutschen Oper.

Dort ist „Oresteia“ von Iannis Xenakis zu erleben. Im Werk des griechischen Komponisten, der auch Bauingenieur und Architekt war, spielt das „totale Theater“ eine wichtige Rolle: das Ineinandergreifen von Licht, Klang, Raum und Bewegung. Eine große, überdachte Galerie des Parkplatzes, normalerweise Lagerfläche für Bühnenbilder, wird in der Open-Air-Aufführung zur Spielfläche. Die Zuschauer nehmen auf mobilen Bänken auf der Parkfläche Platz.

Werke von Weber, Mahler und Strawinsky

Der nächste Auswärtstermin und ein echtes Gastspiel ist am 14. September das Sonderkonzert des Orchesters der Deutschen Oper Berlin beim Musikfest Berlin in der Philharmonie. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles erklingen Werke von Anton von Webern, Aribert Reimann und Johannes Brahms. Solistin ist Laura Aikin. Die Amerikanerin gestaltet Reimanns „Drei Lieder für Sopran und Orchester“ nach Gedichten von Edgar Allan Poe.

Auf Einladung des Staatsballetts Berlin und der Deutschen Oper Berlin gastiert das Béjart Ballet Lausanne im Tempodrom, mit drei Meisterwerken aus dem Repertoire des 2007 verstorbenen Tänzers und Choreografen Maurice Béjart: „Ce que l’amour me dit“ mit Musik von Gustav Mahler (17., 18. und 19. Oktober), Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ (17./18. Oktober) sowie Ravels „Boléro“ (19. Oktober). Die musikalische Leitung haben Donald Runnicles (17./18. Oktober) und James Feddeck (19. Oktober).

Am 23. und 27. Oktober zeigt die Deutsche Oper im Royal Opera House Muscat in Oman Puccinis „Manon Lescaut“. Hui He, Massimo Giordano und Markus Brück führen das Sängerensemble an, am Pult wird Roberto Rizzi Brignoli stehen.

Ins Haus der Berliner Festspiele geht es zur zweiten großen Premiere. Mit der Kammeroper „Die Schändung der Lucretia“ ist nach „Peter Grimes“ und „Billy Budd“ ein weiteres Musiktheater-Werk von Benjamin Britten zu erleben. Die Produktion aus Glyndebourne, die Regisseurin Fiona Shaw für Berlin neu einstudiert, feiert am 14. November Premiere.

Großes Symposium zu Giacomo Meyerbeer

Von den Baumaßnahmen unberührt bleibt die zweite Spielstätte der Deutschen Oper, die Tischlerei. Nach „The Recording“, dem Projekt von Matthew Herbert, gibt es Ende September ein großes Symposium zu Leben und Werk des Opernkomponisten Giacomo Meyerbeer, auch die Tischlereikonzerte und die Babykonzerte werden fortgesetzt.

Als erste Premiere im Großen Haus mit sanierter Technik zeigt die Deutsche Oper am 25. Januar 2015 Dmitrij Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ unter musikalischer Leitung von Donald Runnicles und in der Inszenierung des norwegischen Regisseurs Ole Anders Tandberg. Für die Partie der Katerina Ismailowa kehrt Evelyn Herlitzius ins Haus an der Bismarckstraße zurück.

Ein weiterer Opernstar tritt für die folgende Premiere am 8. März 2015 als Regisseur in Erscheinung: Rolando Villazón inszeniert die selten gespielte Puccini-Oper „La Rondine“ mit der international aufstrebenden Sopranistin Dinara Alieva in der Rolle der Magda, dirigieren wird Roberto Rizzi Brignoli.

Mit „Roméo und Juliette“ in der Inszenierung der Choreografin Sasha Waltz, eine Koproduktion mit der Mailänder Scala, setzt die Deutsche Oper am 18. April ihre Reihe von Berlioz-Aufführungen unter der musikalischen Leitung von Donald Runnicles fort. Letzte Premiere der Spielzeit ist dann am 19. Juni Gounods „Faust“ in der Regie von Philipp Stölzl, es dirigiert Marco Armiliato.