Eckart von Hirschhausen. So ein Name ist ein Geschenk. Denn aus kaum einem Namen lassen sich so viele Spitznamen ableiten. Hausi, Hausi-Mausi, Ecki Eckhaus von Harthirsch oder Harti Harteck von Haushirsch, Hirschihausi, Haushart Hirscheneck, Hirschi-Boy. Harti-Baby. Oder einfach Ecki.
Letzterer, also Ecki, ist Eckart von Hirschhausens Spitzname du choix. Das weiß man seit seinem Programm „Ist das ein Witz?“, das der Ecki gemeinsam mit dem Hellmuth, dem Karaseki, aufgezogen hat.
Der Literaturkritiker und der lustige Arzt sitzen da eine Stunde auf roten Sesseln und erzählen sich Witze wie „Kommt ein Einarmiger in den Secondhand-Laden“. Das Programm gibt es, weil der der Ecki und der Karseki sich mal auf Sylt trafen, wahrscheinlich in der „Sanisbar“ oder im „Manne Pahl“ bei Dorsch mit Kartoffel-Pü, oder wo ein Ecki und ein Karseki sich sonst auf Sylt so treffen.
Jedenfalls, so erzählen sie sich ganz zu Anfang ihres Programms, haben sie sich dort sehr lange gegenseitig Witze erzählt und fanden sich selbst so komisch, dass sie sich gesagt haben, da machen wir jetzt ein Programm raus. Und dann sagt der von Hirschhausen eben noch, dass seine Witze-Karriere damit begann, dass er als Grundschüler auf der Schreibmaschine Witzzettel zusammengeschrieben habe, die er „Eckis Witzeblätter“ nannte.
Von Jürgen von der Lippe entdeckt
Dann kam ihm ein Medizinstudium dazwischen, er promovierte über die „Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoxinämie beim Schwein“. Zum Ausgleich dieser ernsten Thematik, trat er aber auch damals schon immer im Kabarett auf. 1996 wurde er von Jürgen von der Lippe bei „Geld oder Liebe“ entdeckt, mehrere Beststeller und eigene Talk-Shows später füllt Ecki jetzt tatsächlich die Waldbühne. Na ja, fast. Der Waldbühnen-Oberrang bleibt unbemannt.
Mit Trockeneisnebel, einer Dance-Version von "Wunder gibt es immer wieder" und einem Kameramann kommt er im blauen Anzug auf die Bühne. Ecki ist sichtlich aufgeregt. „Das ist der Höhepunkt meines künstlerischen Schaffens“, sagt er. „Mein Erntedankfest.“ Seit seiner Kindheit – zu Zeiten von Eckis Witzeblatt also – habe er sich erträumt hier aufzutreten. Er zeigt ein Foto, wo er mit seiner Schwester Kasperletheater gespielt hat. Gruß ans Publikum. Seine Familie ist da. Er stottert. Sucht mal ein Wort.
Ein Discofox mit Gayle Tufts
Es ist, wie das häufig so ist, wenn ein Comedian, eigentlich zuhause auf den 200-Mann Kabarett-Bühnen, plötzlich Arenen füllt, die eigentlich großen Bands und großen Sängern vorbehalten sind. Dann werden sie ein wenig demütig und vielleicht bekommen sie auch Angst, dass sie und ihr oft schon Jahre alter lustiger Vortrag – Eckis Programm „Der Wundheiler“ lief auch 2013 schon mal genauso in der Udk – nicht genug sein könnte.
Wenn ein Mario Barth, der Ecki für Nicht-Akademiker, zwei Mal hintereinander das Olympiastadion füllt, lässt er sich dabei von DJ Bobo und Feuerwerk begleiten. Und von Hirschhausen? Er kommt mit Basta, einer A-Capella-Comedy-Band und der Denglisch-Komödiantin Gayle Tufts – mit der er zu Pharrell Williams "Happy" einen Discofox hinlegt. Das Waldbühnen-Publikum, laut Handzeichen besteht es zu zwei Dritteln aus Menschen in Mediziner- oder Pflegeberufen, bekommt rote Medizinball-artige Ballons zum hin und her werfen, während ihr Lieblingsarzt „Heile, heile Gänschen“ oder "Sim saladim bam ba saladu saladim" singt.
Nicht weit entfernt von Barth
Eine Hirschhausen-Show ist so eine Art Gruppentherapie, in der wann immer es geht, eine andere Version Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ gesungen wird.
Nach zweieinhalb Stunden musikalisch verlängerter Heil-Witzelei kann sich das Publikum am Merchandising-Stand, der hier „Reiseapotheke“ heißt, noch mit Hirschhausen-Literatur und CDs eindecken oder auch Pinguine mit roter Stoffnase erwerben. Ganz weit entfernt vom Format eines Barth und dessen Plüsch-Käfern ist der von Hirschhausen also nicht mehr. Eckis nächster Auftritt ist auf Sylt. Vielleicht trifft er da ja diesmal den Barth.

