Makarov-Ausstellung

Wie das Stille Museum Meditation nach russischer Art erlaubt

Rechtzeitig zur Berlin Art Week eröffnet der Maler Nikolai Makarov sein Stilles Museum in Mitte: Nur zwei Bilder hängen an der Wand – so soll sich die kontemplative Wirkung seiner Gemälde entfalten.

Foto: Frank Wegner

Fischen ist wohl eine besondere Form der Meditation. Irgendwann saßen der Kunstsammler und Unternehmer Jörg Thiede und der Maler Nikolai Makarov am Wannsee und hielten die Angeln ins Wasser. Thiedes Nachbar ist die Liebermann-Villa. Als ein Fisch daran hing, war die Idee geboren.

Und nun ist es soweit, das Stille Museum an der Linienstraße 154 in Mitte soll wiedereröffnet werden, Mitte September, rechtzeitig zur Berlin Art Week, wenn das Kunstvölkchen also auf den Straßen ist, in Mitte und anderswo in der ganzen Stadt. Fünf Jahre war es dicht, irgendwelche Nachbarn hatten sich über lautes Publikum beschwert, bei einigen Veranstaltungen, die dort auch stattfanden. Gegründet wurde die „Stille“ bereits vor 20 Jahren, da wurde in der Linienstraße ganz viel gebaut, überall standen Kräne. „Wir haben eine etwas langsamere Gangart“, verkündete Nikolai Makarov damals, und seine russischen Freunden freuten sich. Sie hatten nun ein Domizil. Das ist lange her. Jörg Thiede, der einen Sinn für Unternehmungen künstlerischer Natur hat, ist sich sicher: „Wir brauchen einen Raum der Stille. Wir werden täglich bombardiert mit News, Rechnungen, Marktstrategien, da braucht es die Idee der Ruhe, des Einhalts.“

Der russische Künstler mit dem Rasputinbart schiebt gleich nach, mit Esoterik, Meditation und Religion aber hätte das Projekt partout nichts zu tun. Man stelle sich also vor: Aus dem Trubel der Straße betritt man den leeren Raum an der Linienstraße, nur zwei Bilder Marakovs hängen an der Wand. Zeit, sich darauf zu besinnen, wer und wo man eigentlich ist.

Peter Raue hat Marakov geschrieben, für ihn sei es ein „säkularisierter Andachtsraum“, wo „Sitzen, Atmen, ebenso Entspannen-wie-sich-aufladen-können“ möglich ist. Makarov erzählt, Raue werde die Eröffnungsrede halten im September und Klaus Wowereit habe sich auch angesagt. Marakov spricht ganz leise, man muss aufmerksam zuhören. Wahrscheinlich gehört das schon zur vorbereitenden Kontemplation des Gesprächspartners. Er trägt ein schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarzes Jackett, schwarze Brille. Existenzialisten-Look. So stellt man sich einen russischen Poeten des 19. Jahrhunderts vor. Übrigens war es Marakov, der das legendäre Kakerlaken-Rennen mit Star Olga initiierte. Vertreten wird Makarov durch die Berliner Galerie Friedmann-Hahn.

Spiel mit Unschärfe und Konturen

Makarov zeigt gerade einige seiner Bilder in der Thiede-Villa, die übrigens verkauft werden soll. Ein bisschen Werbung muss sein, seine Stiftung braucht schließlich Geld für das Museum. Die Gemälde passen wunderbar in diese denkmalgeschützten Räume. Der Russe, der 1975 nach Ost-Berlin kam und später Meisterschüler bei Werner Klemke wurde, malt Bilder, die Aussehen wie im Nebel versteckte Fotografien.

Ihre Unschärfe macht den malerischen Reiz aus, sie legt regelrecht eine Art Schleier auf die Motive, hält sie im Vagen, ein Spiel von Licht und Schatten. „Bode-Museum“ wirkt wie aus fernen Zeiten. Wenn es Figuren gibt in seinen Gemälden, dann sind es meist zarte, nackte Frauen, die sich auflösen im dämmrigen Bildgrund. Manchmal gibt es nur das Hell und Dunkel schemenhafter Berliner Hinterhöfe und Eingänge. Für die Ansicht des Bode-Museums, knapp zwei Meter groß, möchte er 40.000 Euro. Auch eine Sonderausgabe gibt es mit fünf Motiven, der Erlös soll dem Museum zugute kommen.

Dass Makarov auch anders als nur melancholisch kann, zeigen seine Variationen zur „Paris Bar“. Herrlich ironisch hat er das bekannte Interieur mit bekannten Bildausschnitten von Munch, Kippenberger und Rothko verfremdet. Nicht schlecht, da tafelt tatsächlich da Vincis Abendmahl an weiß eingedeckten Tischen in der Kantstraße. Still ist da gar nichts.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.