Das Medienboard Berlin-Brandenburg wird ja gern „Mädchenboard“ genannt. Weil so viele Frauen dort arbeiten. Vielleicht hatte das Board deshalb, soviel Selbstironie hat man dort schon, am Mittwoch in die Alte Mädchenschule in Mitte geladen. Dort saßen im alten Biologiesaal unter ausgestopften Vögeln Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin der Filmförderung, Elmar Giglinger, der Geschäftsführer des Standortmarketing, und Senatskanzleichef Björn Böhning als Aufsichtsratsvorsitzender. Die Schultafel hinter ihnen nutzten sie aber nicht.
Eigentlich stand nur die übliche Jahresbilanz an. Die kann sich sehen lassen: mit dem Oscar für Hanekes „Liebe“, dem Lola-Regen für „Oh Boy“ und „Cloud Atlas“ sowie dem Sensationserfolg von „Fack ju Göhte!“ – allesamt vom Board geförderte Filme. Im vergangenen Jahr standen 2573 Drehtage in der Region an, hier drehten auch Weltstars wie George Clooney, Jude Law und Cate Blanchett. Da das Medienboard aber vor zehn Jahren gegründet wurde, wurde es gleich zu einer Bilanz einer ganzen Dekade. Und eigentlich gibt es noch ein Jubiläum: Seit 20 Jahren fördern die Bundesländer Berlin und Brandenburg gemeinsam, erst im Film-, dann im Medienboard. Und das sei, wie Björn Böhling gleich bemerkte, „eines der wenigen Beispiele einer erfolgreichen Zusammenarbeit“ der beiden Bundesländer. Es wäre schön, fügte er seufzend hinzu, wenn das in Bereichen der Politik auch so gut liefe.
Regionaleffekt verdoppelt
Seit 2004 hat das Medienboard rund 3000 Film- und Medienprojekte mit 280 Millionen Euro unterstützt. „Berlin-Brandenburg“, so Böhning unter der Tafel, „ist damit Filmstandort Nr. 1 in Deutschland.“ Das Medienboard, einst gegründet als Gegenpol zur allmächtigen Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, hat die Konkurrenz damit abgehängt. Das brachte der Hauptstadtregion insgesamt über eine Milliarde Euro Umsatz. Im ersten Jahr gab es 211 geförderte Projekte, für die eine Fördersumme von 25,4 Millionen ausgegeben wurde.
Die Förderung konnte jährlich auf zuletzt 29,3 Millionen gesteigert werden, die Zahl der geförderten Projekte stieg auf 339. Interessant ist aber vor allem der Regionaleffekt. Vor zehn Jahren flossen 66,3 Millionen Euro zurück, 261 Prozent der investierten Summe. 2013 aber waren es 134,2 Millionen Euro, das waren 458 Prozent. Das heißt: In zehn Jahren stieg die Fördersumme um ein Fünftel, der Regionaleffekt aber hat sich nahezu verdoppelt.
Digitales Zentrum in Deutschland
Noch besser entwickeln sich die Zahlen im Medienbereich: „Es ist noch keine drei Jahre her“, so Elmar Giglinger, „da wurden wir belächelt, als wir vom digitalen Zentrum gesprochen haben. Inzwischen sind wir nicht nur digitales Zentrum in Deutschland, sondern weit über die Grenzen hinaus.“ Allein 2013 zählte jeder fünfte neu geschaffene Arbeitsplatz in Brandenburg zum Medien- und Kreativbereich, in Berlin gar jeder dritte.
Der einzige Wermutstropfen, der dem Medienboard ein wenig die Bilanz trübt, ist der Deutsche Film- und Fernsehfonds (DFFF), den der Bund um zehn auf 50 Millionen Euro gesenkt hat. Das habe umfangreiche Auswirkungen auf internationale Koproduktionen. „Der DFFF“, so Kirsten Niehuus, „muss eine wichtige Säule der Filmförderung bleiben und weiter ausgebaut und nicht reduziert werden.“ Sie hofft, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) da noch ein Einsehen habe.

