Fast wäre sie gestürzt. Sandra Scheeres hat keine Berührungsängste. Für ein Foto schlüpft die Berliner Wissenschaftssenatorin unter einer Absperrung hindurch und posiert nicht nur vor den riesigen Trümmersteinen der Baustelle, sie klettert auch auf einen. Aber der kippelt ein bisschen. Und Frau Senatorin mit ihm. Ein paar flachere Schuhe wären für die Baustellenbegehung vielleicht doch ratsam gewesen.
Wir befinden uns in der Zinnowitzer-, Ecke Chausseestraße in Mitte. Hier, in den ehemaligen Opernwerkstätten, wird der künftige Zentralstandort der renommierten Ernst-Busch-Schule gebaut. Vor zwei Jahren hatten Studenten lautstark auf einen Sparbeschluss des Abgeordnetenhauses gegen ihre Schule mit den vier verstreuten Standorten reagiert.
Am Ende hatte der Senat grünes Licht für den Zentralstandort gegeben. Das hat die Schule ein wenig dem BER-Debakel zu verdanken. Noch eine Großbaustelle wollte sich der Senat nicht leisten.
Kein Sprengsatz mehr – zumindest im Boden
Richtig los geht es erst im Juli. Der Aushub aber wurde gerade besorgt. Denn hier waren Bombeneinschläge und Granatsplitter aus dem Krieg verzeichnet. Zumindest in dieser Hinsicht wird „die Busch“ für keinen Sprengsatz mehr sorgen.
Die alte Rampe der Werkstätten wurde auch schon abgerissen, daher die Trümmer. Bevor nun aber die Bauarbeiter das Areal übernehmen, hat die Senatorin es erst einmal inspiziert. Ein Routinegang: Zu den vielen Aufgaben von Scheeres gehört es, alle Hochschulen zu besuchen. Bei der Busch verbindet man das mit einem ersten Gang über die künftige Baustelle.
Roland Duda vom Architekturbüro O&O Baukunst führt sie und den Hochschulrektor Wolfgang Engler durch das große Gebäude mit den hohen Etagen. Die werden natürlich parzelliert und ihre Großzügigkeit verlieren. Dennoch sieht das Konzept vor, soviel vorhandene Substanz wie möglich zu erhalten. Nur nach vorn wird das Haus um ein Café erweitert – und um einen Bühnenturm mit markanter Holzfassade, die auch zur Straße hin gleich auf die Schule aufmerksam machen soll.
„Jetzt kann es endlich losgehen“
Auffallend oft heißt es bei Dudas Erläuterung, da müsse aus Kostengründen etwas reduziert werden. Tut das weh? Nein, meint Sandra Scheeres entschieden. Sie findet es gut, dass man sich nach dem langen Streit auf ein Fixum von 33 Millionen Euro geeinigt habe. Die Proteste fielen in ihr ersten Jahr als Senatorin. „Jetzt kann es endlich losgehen.“ Mit dem Geld müsse man eben haushalten. Die Politikerin kann sich auch vorstellen, wie die kahlen Räume nach den Plänen auf dem Papier aussehen werden, zumindest grob: „Ich habe ja selber mal in einer Baugruppe gearbeitet.“
Gekommen sind auch vier junge Menschen. Es sind Studenten, die 2012 für „ihre“ Busch demonstriert haben. Damals hatten sie noch alle denselben Decknamen: Torsten Schneider. Ausgerechnet. Denn just dieser Torsten Schneider, Haushaltspolitiker der SPD, wehrte sich vehement gegen den Umzug aus Schöneweide.
Jetzt stellt sich einer der vier Schneiders als Philipp Kronenberg vor. „Ich bin stolz darauf, dabei zu sein“, bekräftigt er. „Schließlich haben wir dafür gekämpft.“ „Zwo17“, so Frau Scheeres, soll hier alles fertig sein. Also in drei Jahren. Werden die Studenten das dann überhaupt noch erleben? „Als Menschen ja“, grinst Kronenberg, „aber nicht mehr als Studenten.“


