Thomas Gottschalk trägt die Muttergottes mit Kind auf seinem T-Shirt. Ein schönes Bild - auf so vielen Ebenen. In seinen letzten Ausstrahlungen von „Gottschalk live“ will er Fürsprecher für Hoffende sein. Und die Studierenden der Ernst Busch Schauspielschule, die heute bei ihm Publikum und Protagonisten zugleich sind, befinden sich schließlich auch auf einer Herbergssuche. „Noch nie“, sagt Thomas Gottschalk. „waren wir uns so nahe.“ Er selbst, erklärt er vor der Aufzeichnung, befände sich auch gerade in einer Tragödie. Ein bisschen heiteres Pathos zum Abschied wird ja wohl noch erlaubt sein.
Den Eklat bei Günther Jauch hat sich Thomas Gottschalk offensichtlich nicht entgehen lassen wollen. Der Schauspielschüler David Schellenberg war aufgestanden und lautstark für den Neubau seiner Schule eingetreten. Sicherheitskräfte schleppten den jungen, schreienden Mann aus dem Saal. So viel Leidenschaft hat das Öffentlich-Rechtliche lange nicht gesehen. Aber weil die Protestierenden sich beharrlich weigern, anders als im Kollektiv aufzutreten, hat Gottschalk einfach gleich das ganze Studio mit dem künstlerischen Nachwuchs vollgepackt. Hier sitzen sie nun, verziert mit gemalten und geklebten Häuschen auf Hüten, Shirts und Hintern und erwarten den Großmeister.
„Der eine oder andere erinnert sich noch an mich“, sagt Gottschalk zum begeisterten Begrüßungsapplaus. „Haribo“, brüllt einer von vorne. „Wann habt ihr zum letzten Mal ARD geschaut?“ – „Nie“, ruft es zurück. Alle lachen.
Gottschalk, das merkt man, ist deutlich bewegt von den nervösen, jungen Menschen, die ihre Sache so ernst nehmen. Die Aufregung überträgt sich auf ihn. Drei Auserwählte, die sich zu ihm auf die Bühne setzen, erklären ihm, dass heute alle Frauen bei ihnen Terese heißen und alle Männer Torsten (eine Anspielung auf den Berliner Abgeordneten Torsten Schneider, der für sie das Scheitern ihrer Neubauhoffnung verkörpert). Und Thomas Gottschalk lässt sich mitreißen und erklärt: „Dann bin ich heute auch Torsten.“
Eine Sekunde lang sieht es so aus, als würde sich die kleine Agitprop Nummer vom Sonntagabend wiederholen. Denn als die Kamera auf David Schellenberg schwenkt, da steht ein erhitzter junger Mann vor ihm auf und sagt: „Wir wollen nicht, dass er allein gefilmt wird.“ Aber am Eklat hat Gottschalks Team wohl kein Interesse. Die Kamera schwenkt brav ab.
Bedauerlich nur, dass alle spannenden Momente zwischen Gottschalk und seinem Publikum sich vor oder nach der Sendung abspielen. Wie zum Beispiel Gottschalks Tipp an den Nachwuchs: „Langen Atem haben und karierte Anzüge tragen.“
Als die zwei Tereses und einer der Torstens auf der Bühne ausführlich zu erklären beginnen, warum man eben nicht mehrere Standorte sanieren kann, sondern warum es die Republik bewegen sollte, dass dieser Neubau entsteht, sagt Gottschalk freundlich „Macht's nicht so kompliziert“.
Die "Ernst Busch" habe große Schauspieler hervorgebracht, Nina Hoss oder Corinna Harfouch. „Wie die im letzten Tatort das Nasenbluten gespielt hat.“ In seinem wie er sagte „Marsch ins Abendrot“ will Gottschalk Menschen helfen, ihre Träume zu verwirklichen. Immerhin hat er diesen Studenten jetzt eine Bühne geboten, was sie daraus machen, ist ihre Sache. Weiter ging es mit unpolitischem Stricken.
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