Am Ende war alles gut. Als die Berliner Philharmoniker am Sonntagabend mit „Carmina Burana“ ihr erstes Open-Air-Konzert vor der Philharmonie spielten und Sir Simon Rattle den Rundfunkchor „O Fortuna“ anstimmen ließ, da hockten und standen nicht nur dichtgedrängt Tausende Auserwählte mit blauem Armband beseelt davor. Mindestens doppelt so viele mit orangenem Bändchen saßen um die Ecke auf der Piazzetta. Und viele versuchten auch ohne Tageskarte (orange) oder Kombiticket (blau) Zaungast zu sein. Um wenigstens zu lauschen, wenn sie schon nicht gucken konnten.

O Fortuna, das konnten – nicht im Hinblick auf Schicksal, aber im Wortsinn von Glücksfall – auch die Veranstalter des ersten Festes am Kulturforum anstimmen. Das Wochenende lief zwar etwas schleppend an, was auch an manch anderem Sommerfest und am verregneten Sonnabend lag, aber insgesamt wurden mehr als 10.000 Besucher gezählt. Nur ein Viertel dessen, was der Bebelplatz zählt, aber immerhin doppelt so viel wie erwartet.

Ein großer Erfolg also für Martin Hoffmann, den Philharmoniker-Intendanten, der die öde Brache zwischen den Leuchttürmen Philharmonie, Gemäldegalerie und Neue Nationalgalerie aufwerten will. „Was für ein großartiges Wochenende“, schwärmte auch Sir Simon Rattle. „Es war so viel los, so viele glückliche Menschen, die musizierten oder zuhörten. Was kann man sich besseres für das Kulturforum vorstellen?“

Cameron Carpenter orgelt sich über den Platz

Schade nur, dass nicht alle gleich viel dazu beitrugen. Eine der schönsten Ideen war wohl, dass Cameron Carpenter, der schillernde Punk-Organist aus New York, sich durch den ganzen Platz orgelte: vom Musikinstrumentenmuseum über die Philharmonie in die Matthäikirche, bevor er Open Air auf seiner eigens für ihn erbauten, pfeifenlosen Orgel ein furioses Finale bestritt. Da wurde das Kulturforum mal wirklich mit einem originellen Konzept erschlossen. Und dass man Kirchners Gemälde „Potsdamer Platz“ für kurze Zeit wieder vor Ort, in der Neuen Nationalgalerie, betrachten durfte, konnte einen wehmütig stimmen.

Aber viele der Sonderführungen in den Musenhäusern waren vielleicht doch ein wenig zu speziell, um einen Festbesucher zu interessieren. Und die größte Enttäuschung erlebte am Sonntagabend, wer vor dem Orff-Konzert noch eins der Museen besuchen wollte. Die schließen halt um sechs, und auf die vorsichtige Frage eines Blaugebändigten, warum man für ein solches Fest keine Ausnahme mache, antwortete ein rüder Wärter der Gemäldegalerie: „Damit haben wir nüscht zu tun.“ Das spricht wohl Bände, warum das Forum nicht zu einer städtischen Einheit verschmilzt. Für etwaige Folgefeste ist da noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.