Andreas Schlüter, Berlins großer Schlossbaumeister, belegt mit einer Jubiläumsschau derzeit das Obergeschoss des Bode-Museums. Also mussten die Skulpturen dort temporär raus. Bloß nicht ins Depot, dachten sich Direktor Bernd Lindemann und sein Team. So kam den Museumsmännern die Idee, eigentlich das zu tun, was man in der Gemäldegalerie schon immer möchte: Die Zusammenlegung von Gemälden und Skulpturen, wie es ursprünglich das Konzept Wilhelm von Bodes vorsah.

Er verstand Bildhauerei als eine der Malerei gleichwertige Kunst und brachte diese beiden Gattungen zusammen. Die Diskussion ist nun wieder offen, seit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für den Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel plädiert. Damit ist die Option für den Neubau auf der Museumsinsel wieder möglich. Ein cleverer Schachzug, jetzt noch einmal an das Ausstellungskonzept zu erinnern, das bei den Staatlichen Museen für diese „Fusion“ bis in Detail ausgearbeitet in den Schubladen liegt. Voraussetzung dafür ist ein Neubau an der Museumsinsel.

Nur eine winzige Tafel weist am Entree der Gemäldegalerie darauf hin, dass nun das Bode-Museum am Kulturforum für einige Monate zu Gast ist. Eine kleine Auswahl ist getroffen. 18 Skulpturen aus dem altdeutschen, frühniederländischen und französischen Raum sind in neun Sälen und Kabinetten eingestellt. Bei rund 1500 Werken in der Gemäldegalerie ist das nicht viel, aber der Anfang ist gemacht.

Als ob die Werke immer schon hier gestanden hätten

Auf hohen, schlanken Sockeln fügen sich die Skulpturen – wie einzelne Tupfer in einem Bild – erstaunlich gut ein. So als ob die Werke immer schon hier gestanden hätten. Vielen Besuchern wird es gar nicht auffallen. „Hier dominiert nicht eine Gattung die andere“, sagt Rainer Michaelis, der stellvertretende Direktor. Da flankieren rechts und links eine „Muttergottes“ und „Johannes“, virtuos gearbeitete Holzskulpturen von Tilman Riemenschneider, den Flügel des Marienaltars von Bernd Strigel. Der Faltenwurf, der Stil, vieles ähnelt sich von der künstlerischen Anmutung. Dort die nicht eine Hand große, präzise gearbeitete Mini-Büste des Herzog von Savoyen, von hier fällt der Blick direkt auf eine Kreuzigungsszene, bei der ebenfalls jede Falte sitzt.

Eine Generalprobe soll es zwar nicht sein, aber „ein erster kleiner Ausblick, wie wir uns das in Zukunft vorstellen“, sagt Bernd Lindemann. Man möchte mit dieser symbolischen Präsentation wohl auch zeigen: Berlins Museumslandschaft ist in Bewegung. Und ins Depot jedenfalls wandert so wenig wie möglich.

Einen Höhepunkt hat diese Zusammenschau im Raum mit den Großformaten von Thomas Gainsborough und Sir Joshua Reynolds. Ihre aufwändigen Familien-und Kinderporträts spiegeln sich in der klassizistischen Marmorbüste der „Frau Dr. Dorothea von Rodde-Schlözer“. Jean-Antoine Houdon hat ihr ein Denkmal gesetzt, 1787, mit nur 17 Jahren erhielt sie die Doktorwürde der philosophischen Fakultät. In jenem kühlen Weiß sind auch Georg Clives einjährige Tochter, Frau und das indische Kindermädchen gekleidet.

„Ich habe bereits gesagt“, sagt Lindemann zu seinem Konzept, „dass wir keinen wilden Mix wollen, sondern punktuell arbeiten werden.“ Mit Riemenschneider & Co. ist es hier aufgegangen. Nun fehlt noch die Entscheidung für die Zukunft des Kulturforums.

Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz, Kulturforum, Tiergarten. Mo-Fr 10-18Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.