Früher einmal war der Monbijoupark gegenüber dem Bode-Museum eine ganz gewöhnliche Grünanlage. Bis das Hexenkessel-Theater den idyllischen Ort an der Spree 1999 für sich entdeckte. Seit 1994 bekannt für seine eigenwilligen Shakespeare-Inszenierungen in Prenzlauer Bergs Hinterhöfen, blieb das Ensemble sich auch beim Neustart in Berlins historischer Mitte treu. Man interpretierte Shakespeare weiterhin unterhaltsam, verrückt und heutig, spielte publikumsnah und stand damit sehr bald ganz oben in der Zuschauergunst.

Das Areal ist ein Publikumsmagnet

Mit dem Erfolg veränderte sich auch der Monbijoupark ringsum zum kulturellen Hotspot. 2002 eröffnete die Strandbar. Vier Jahre später kamen ein Theaterschiff hinzu sowie zwei Märchenhütten, in denen seither im Winter die Klassiker der Brüder Grimm zu sehen sind. 2008 folgten dann für die Open-Air-Saison das Bunkerdach und das Amphitheater. Mittlerweile mit einer Pizzeria und regelmäßigem Schwof komplettiert, verzeichnet das Theater jährlich über 100.000 Zuschauer. Das Geschäft brummt.

So viel Engagement, Ideenreichtum und Erfolg werden endlich auch von der Politik belohnt. Zum 20. Geburtstag soll aus dem Provisorium ein festes Haus werden. Noch wird geprüft, wie man das beliebte Theater rechtlich per Verwaltungsanordnung fest im öffentlichen Park verankern kann. Doch Theaterleiter Christian Schulz zeigt sich optimistisch. Und erleichtert. Schließlich gibt es mit dem Votum der Politik für sein Theater erstmals Planungssicherheit. „All die Jahre haben wir darauf vertrauen müssen, dass wir bleiben dürfen. Ein Spiel mit dem Feuer“, sagt er. Jetzt will er dafür sorgen, dass das Amphitheater mit einer Verhüllung auch im Winter bespielbar bleibt.

Neuer Name, passend zum Ort

Die zahlreichen Fans dürfte es freuen. In der warmen Jahreszeit sind auch Touristen darunter. Besonders wichtig sind dem Theaterleiter aber die Berliner. „Die Touristen findet man eher in der Strandbar und höchstens zu 15 Prozent im Theater. Die Berliner hingegen sind unser Stammpublikum.“ Dass das Hexenkessel-Theater fortan Monbijoutheater heißt, ist für Schulz der richtige Schritt: „Der neue Name passt zum Ort.“ Doch es geht nicht um ein simples Umtaufen. Die Veränderung ist auch inhaltlicher und programmatischer Natur.

Bereits in den letzten Jahren haben sich Umbrüche abgezeichnet. Erst standen neben Shakespeare auch andere Komödienklassiker wie etwa Goldoni auf dem Spielplan, dann kamen neue Regisseure hinzu. Hatte Jan Zimmermann lange als Hausregisseur mit sehr freien, wilden und modernen Inszenierungen von Shakespeare & Co. das Profil der Bühne geprägt, sind mittlerweile neue und andere Regie-Farben hinzugekommen. Etwa durch Sarah Kohrs, die im letzten Sommer mit dem spritzigen „Amphitryon“ begeisterte, oder durch Alberto Fortuzzi, den Commedia-dell’arte-Spezialisten.

Inszenierungen künftig wieder näher am Original

„Wir haben uns innerhalb des Volkstheaters weiterentwickelt“, so Schulz. „Wir drücken nicht mehr gleich alles weg, was keine Komödie ist. Letztlich wollen wir zurück zum Theater und nicht mehr so viel Klamauk machen. Dafür gibt es längst andere Standorte in der Stadt.“ Sein ehrgeiziges Ziel: „In zwei, drei Jahren wollen wir auch Goethes ,Faust’ ordentlich auf die Bühne bringen. Dazu müssen wir uns disziplinieren. Unsere Inszenierungen sind wieder näher am Original der Autoren.“ Angst davor, die typische Handschrift zu verlieren, hat Christian Schulz nicht. Geht es nach ihm, soll das Hexenkessel-, Pardon, Monbijoutheater mit seiner eigenen Form weiter das Berliner Großstadt-Theater durchdringen.

Zum Jubiläum kehrt das Theaterschiff zurück

Ob dieses neue Theater an frühere Erfolge anknüpfen kann, davon kann sich jeder während der Jubiläumsspielzeit diesen Sommer selbst überzeugen. Denn neben den Neu-Inszenierungen „Wie es euch gefällt“ von Sarah Kohrs, „Hamlet nach Hamlet“ vom Shakespeare-Experten Peter Kaempfe sowie „Die Mandragola oder Der Zweck heiligt die Mittel“ von Alberto Fortuzzi stehen auch zwei Wiederaufnahmen in traditioneller Hexenkessel-Manier von Jan Zimmermann auf dem Programm: Mit „Ein Sommernachtstraum“ die bislang erfolgreichste Produktion des Theaters überhaupt und „Der Widerspenstigen Zähmung“. Natürlich gibt es auch noch eine richtige Geburtstags-Gala am 27. Juni. Zudem kehrt das Theaterschiff MS Marie mit seiner Wasserbühne nach sechs Jahren zurück und ankert neben dem Lustgarten.

Schulz hofft, dass sein Theater auch in Zukunft den Nerv der Berliner trifft: „Bislang haben unsere Ideen funktioniert. Für uns sind das Momente des Glücks.“