Babelsberg

Spätes Happy End - Regisseur Schlöndorff erhält Ehren-Maria

Der Filmemacher ist von den Filmstudios mit einer Ehren-Maria ausgezeichnet worden. Damit gehen Jahre der gegenseitigen Spannungen vorbei, nachdem Schlöndorff Babelsberg vor der Abwicklung bewahrte.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Pünktlich um 12 Uhr ergießt sich ein Platzregen über Babelsberg. Gerade noch schien die Sonne, doch in dem Moment, als Volker Schlöndorff das Haus der Geschichte des Filmstudios Babelsberg ansteuert, schlägt das Wetter um. Es ist ja nicht ohne Pikanterie: Volker Schlöndorff wurde am Dienstag vom Studio mit einer Ehren-Maria ausgezeichnet. Eine Statue mit der Maschinen-Maria aus dem Filmklassiker „Metropolis“, die auch das Firmenlogo des Studios ist.

Die Trophäe haben schon andere Filmgrößen wie Roman Polanski oder Berlinale-Chef Dieter Kosslick bekommen, aber bislang im privaten Kreis, bei einem Essen etwa mit den Studiochefs Carl Woebcken und Christoph Fisser. Bei Schlöndorff wird die Maria erstmals öffentlich, auf einem kleinen Empfang verliehen. Die heutigen Chefs verlieren viele warme Worte an den ehemaligen Chef. Und der umgekehrt auch.

Viel geschmäht als „Abwickler“

Dabei waren sie in der Vergangenheit nicht immer gut aufeinander zu sprechen. Klar ist: Volker Schlöndorff hat seine Regiekarriere 1992 unterbrochen, um als Leiter von Babelsberg die Filmstudios vor der Abwicklung zu bewahren. Das ist ihm gelungen. Und das ist vielleicht seine größte Leistung seit der „Blechtrommel“. Dass er danach lange als „Abwickler“ hingestellt wurde, verstimmt ihn noch heute. Wie auch eine Broschüre der Studios, die „seine“ Zeit schlicht überging. Die heutigen Chefs aber sahen sein damaliges Wirken auch nicht unkritisch.

Deshalb ist alles irgendwie hochsymbolisch bei dieser Ehrung. Dass der Preis eher nüchtern im Foyer des Hauses verliehen wird, etwa. Und dass die Maria ja etwas Janusköpfiges hat, gibt es doch in Fritz Langs Film die „gute“ Maria und das böse Maschinen-Abbild. Am Ende hat Schlöndorff, nachdem alle Einladungen bereits ausgesandt waren, das Ganze noch mal um eine Stunde verlegen lassen, wie um zu unterstreichen, wer hier das Sagen hat. Aber vor allem der Platzregen kommt wie eine Regieanweisung. Und gibt den wenigen anwesenden Medienvertretern das Gefühl, bei einer Filminszenierung dabei zu sein.

Es war nicht umsonst

„Wunderbar, eine Maria zu empfangen an einem Ort, wo ich sozusagen mein Zuhause gefunden habe“, schreibt Schlöndorff den Studiochefs ins Stammbuch. Hält inne und setzt noch ein P.s. nach: „Was ich mir vor 22 Jahren nicht habe träumen lassen.“ Dann wendet er sich an seine Nachfolger: „Ich wünsche dem Studio noch viele weitere Jahrzehnte.“ „Und wir hoffen“, kontert Christoph Fisser, „dass Sie noch mal einen großen Film hier drehen.“ „Ihr Wort in Gottes Ohr“, pariert der Filmemacher.

Empfindet Schlöndorff so was wie Genugtuung, fragen wir ihn im Anschluss. Ja, schon, gibt er zu. Es habe nach seinem Abgang viel Spannungen gegeben. Das sei nun vergessen. „Der Preis beweist: Es war nicht umsonst.“ So sieht wohl ein spätes Happy End aus.