Indie-Pop

Bastille verzückt ihr Berliner Publikum in der C-Halle

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Dajana Suljkanovic

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Den ganzen Abend tüftelte die britische Band Bastille auf der Bühne, baute hier und da etwas um. Am Ende wurde es ein Konzert mit perfekter Akustik und phänomenaler Lichtshow.

„Mein Deutsch ist so schrecklich“, kichert Dan Smith, Frontmann der Band Bastille schüchtern ins Mikrofon und fährt sich durch sein dunkles Haar. Schlecht tanzen könne er auch noch, behauptet er zumindest, während die Mädchen in der ersten Reihe fast in Ohnmacht fallen. 2500 aufgekratzte Fans begrüßten die vier Engländer Donnerstagabend in der ausverkauften C-Halle. Mit ihrem Chartstürmer “Pompei“ sind die Londoner berühmt geworden, in Deutschland mit ihrem Album “All This Bad Blood“ bestens für alternativen Indie-Pop bekannt.

Mit kraftvoller, klarer Stimme stimmt Frontmann und Frauenmagnet Dan Smith den ersten Song “Weight of Living, Pt. II“ an. Und verausgabt sich dabei so sehr, dass man sich fragt, wie er die restlichen 15 überhaupt durchgehalten hat. Nur kurz tupft er sich den Schweiß von der Stirn, dann wird sofort wieder für “Blame“ und “Laura Palmer“ zum Mikrofon gegriffen. Freundlich ist er, kratzt sich leicht verlegen am Hinterkopf, der nette Junge von nebenan irgendwie. Wie die bessere Version von Adam Levine, nur ohne Schlafzimmerblick.

Mit blütenweißen Sneakers hüpft Smith energiegeladen bei “These Streets“ auf dem Verstärker, dann bittet er uns einen Moment innezuhalten. “Poet“ stimmt er am Keyboard an, und prompt verwandelt sich die Halle in ein Meer aus Smartphone-Lichtern. “You will live forever“ verspricht er uns und schlägt sich mit den Fäusten auf die Brust. Und wenn Smith das sagt, dann muss das einfach stimmen. „Ich muss ein wenig die Stimmung ruinieren“, scherzt er nach seiner Schnulzenattacke. Im Austausch für ewiges Leben soll uns das nicht stören.

Hier spielt ja sowieso jeder jedes Instrument

Zu 17 Songs singen, springen und kreischen sich glückliche Mädchen und Jungs in karierten Hemden und Röhrenjeans durch den Abend. Kaum ein Fan, der hier nicht das ganze Album brav auswendig grölt. Ruft Smith “Jump“, wird’s prompt gemacht, sogar auf die Knie gehen wir auf Kommando bei “Of the Night“, einem SNAP!-Cover. Ganz gleich ob er mit aufgezogener Kapuze ein Bad in der Menge nimmt oder auf der Bühne Pirouetten dreht: Dan Smith hat seine Fans fest im Griff.

Mit einer Handkamera projiziert er sie durch das Bandlogo - ein Dreieck - auf die Leinwand der Bühne. Lauter euphorische Gesichter. Die Akustik ist perfekt, die Lichtshow phänomenal. Smith reißt die Arme nach oben, greift zum Drumstick und verausgabt sich mit einem verschmitzten Lächeln bei „Things We Lost In The Fire“ an der Trommel. Hüpfend donnert er zu Laserattacken gnadenlos auf das Kunststofffell ein, auch die anderen Bandmitglieder dürfen mal ran.

Den ganzen Abend wird hier getüftelt, hier und da etwas umgebaut. Da stehen sie dann zur Halbzeit auch mal zu zweit am Keyboard oder die vier Jungs dicht nebeneinander. Hier spielt ja sowieso jeder jedes Instrument. Ein wenig Anarchie gehört bei Bastille eben dazu. Genauso wie der englische Charme. „Vielen Dank“, sagt Smith in zuckersüßem Tonfall, ach nein, das Deutsch ist einfach zu schlecht. „Thank you very much“ - so ist's besser. Gefühlte hundertmal entschuldigt er sich, um sich danach hundertmal artig zu bedanken. Das Publikum ist entzückt.

Glückseligkeit bis an die Schmerzgrenze

Eindrucksvoll beweist Bastille, dass Indie-Pop nicht nur selig, sondern auch fast taub machen kann. Selig wäre auch eine passende Bezeichnung für Gitarrist Will Farquarson. Der ist so hin und weg, dass er vor lauter Überwältigung aus dem Staunen gar nicht nicht mehr rauskommt. Ob bei “Icarus“ oder “Flaws“: Während Smith an der Menge berauscht zu Höchstformen aufläuft, steht Farquardson einfach irgendwann nur noch dauergrinsend da. Leicht fassungslos blickt er sich immer wieder um, als könne er kaum glauben, dass all die Leute wirklich wegen ihm gekommen seien. Ein wundervoller Anblick.

Für den perfekten Abschluss werden dann auch die letzten Sehnsüchte erfüllt. Und “Pompei“ angestimmt. Zusammen mit der großartigen Vorband Grizfolk hüpfen und klatschen alle gemeinsam im Takt. In der Columbiahalle gibt es kein Halten mehr. Ohrenbetäubend ist der Applaus, die Halle scheint zu explodieren. Schnell schießt Smith ein Foto, wer mag kann noch mit Grizfolk schmusen und sich vor ihnen Autogramme an sämtliche Körperstellen kritzeln lassen. Ein großartiger Abend in Berlin.