Kunst

Berlinische Galerie wird zum neuen Sanierungsfall

Bauarbeiten behindern den Ausstellungsbetrieb der Neuen Nationalgalerie, der Sammlung Berggruen und bald auch der Berlinischen Galerie. Es wird immer schwerer, die Kunst der Moderne in Berlin zu sehen.

Foto: Berlinische Galerie / Nina Straßgütl

Alle reden über die Alten Meister und ihren künftigen Standort in der Stadt. In der Diskussion steht die Frage, ob die Sammlung von Tizian, Rubens & Co. in der angestammten Gemäldegalerie bleibt oder in einen Neubau auf der Insel wechselt. Doch über diese kulturpolitische Debatte wird schnell vergessen, dass auch die Präsentation der Klassischen Moderne in einer Sanierungskrise steckt. Gleich mehrere Berliner Museen sind von Baumängeln betroffen.

Kunstwerke wandern ins Depot

Ende des Jahres wird die Neue Nationalgalerie für fünf Jahre schließen müssen – voraussichtlich. Die Riege der großen Künstler des Aufbruchs, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Otto Dix warten dann im Depot. Und wer weiß, ob die bis 2018 geplante Sanierung durch David Chipperfield auch termingerecht läuft? Auch in der Sammlung Berggruen ist die Schaulust derzeit gebremst. Im letzten Jahr musste der Erweiterungsbau nur wenige Monate nach seiner Eröffnung für ein Jahr geschlossen werden. Schimmelbildung unterm Dach.

Und nun meldet auch noch die Berlinische Galerie eine Schließzeit an. Vom 1. Juli an sollen die Türen des Kreuzberger Ausstellungshauses dicht bleiben. Bis Neujahr, so die jetzige Planung. Thomas Köhler, Chef des Hauses, räumt aber gleich eine „Toleranz“ bis März 2015 ein. Die Sprinkleranlage muss raumübergreifend saniert werden, Die Decken im Hause werden geöffnet. Der Schaden wurde bereits bei einer Überprüfungen im vergangenen Jahr festgestellt, aber nicht öffentlich gemacht. Lange war unklar, ob man bei laufendem Betrieb sanieren kann, so wie es im Pergamonmuseum der Fall ist.

Staub ist gefährlich für Bilder

Doch das ist riskant. „Der Schmutz und Staub, der bei Bauarbeiten entsteht, ist hartnäckig, das ist zu gefährlich für die Bilder“, sagt Thomas Köhler. Die Schließzeit will Köhler nun nutzen, um gleich kleinere Modernsierungen wie die Erneuerung von Kabeln anzuschließen. Nicht nur für Touristen ist das bitter, gerade dieses Haus ist der Meltingpot der Berliner Avantgarde mit Künstlern und Künstlergruppen von Dada, Expressionismus und Neue Sachlichkeit.

Vor zehn Jahren war die Berlinische Galerie in das ehemalige Glaslager gezogen, nach langer Zeit der Heimatlosigkeit des Museums. Die Zeit drängte damals. „Wir vermuten, dass da unter Kostendruck gehandelt wurde und wahrscheinlich nicht das beste Material benutzt wurde“, vermutet Köhler.

Die Kosten der Maßnahme schlägt nicht auf sein Budget, die BMI, das landeseigene Immobilienmanagement, übernimmt die Zahlung, sie ist Vermieter des Gebäudes. Allerdings muss das Haus für die Einlagerung der Kunstwerke, also Speditionskosten, aufkommen. Diese Kosten sind noch ungewiss. Köhler geht von einem satten Minus aus, er rechnet insgesamt mit einem Verlust von einer halben Million Euro während der Sanierungszeit.

Karteneinnahmen gehen verloren

Ohne Publikum fehlen die Ticketeinnahmen ebenso wie die Verkäufe von Ausstellungskatalogen. Wie will er das kompensieren? „Wir müssen andere Ausgaben zurückhalten“, sagt er. Wie die Zahlung des Wachpersonals, das während der Zeit nicht benötigt wird. Er bleibt optimistisch. „Ich hoffe, wir kommen mit einem blauen Auge raus“.

Eine Schließung ist nie gut für die Reputation eines Hauses, zumal es in der Berlinischen Galerie gerade gut läuft. Zur Eröffnung der Retrospektive von Dorothy Iannone strömten Hunderte ins Museum. Jung, alt, alle Milieus. Köhler hat es geschafft, diese Adresse zu einer lebendigen Plattform auch für die zeitgenössische Kunst zu machen. Man hat sich stark verjüngt, das war notwendig. 190.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr.

Ausstellungen verschoben

Nun muss Thomas Köhler an seiner Ausstellungsplanung arbeiten. Kurios, dass er gerade die große Schau zu „Architektur und Städtebau“ der 60er-Jahre in Ost und West auf nächstes Jahr schieben muss. Auch für die Max-Beckmann-Schau wird er ein Ausweichdatum finden müssen. Bleibt zu hoffen, dass es bei März 2015 für die Wiedereröffnung bleibt. Andere Berliner Kultur-Baustellen wie die Staatsoper Unter den Linden wurden ja zum Dauerloch im Boden. Thomas Köhler aber möchte feiern, die Berlinische Galerie wird 40 Jahre. Zu peinlich, wenn sie geschlossen wäre.