Man kennt sie aus Filmen wie „Novemberkind“, „Die Unsichtbare“ oder zuletzt „Deckname Luna“. Allesamt Dramen. Anna Maria Mühe, die Tochter von Ulrich Mühe und Jenny Grölmann, die sie beide früh verlor, kann aber auch anders. Diese Woche überrascht sie mit der Komödie „Nicht mein Tag“.
Die Berliner Morgenpost hat mit der 28-Jährigen über ihren Rollenwechsel und die Sehnsucht nach lustigen Rollen gesprochen.
Berliner Morgenpost: Frau Mühe, haben Sie auch manchmal solche Tage, an denen alles falsch läuft und Sie sagen: Ist nicht mein Tag?
Anna Maria Mühe: Auf jeden Fall. Und zwar, wenn ich mal den Wecker überhöre und zu spät aufstehe.
Und wie wappnen Sie sich da?
Ich kann da eigentlich gleich liegen bleiben, weil der ganze Tag im Eimer ist. Private Termine sag ich dann schon mal ab. Aber wenn du drehst und unten wartet schon der Fahrer, um dich zum Set zu fahren, geht das natürlich nicht. Dann muss alles doppelt so schnell gehen, um die Zeit wieder aufzuholen. Das ist dann schon sehr stressig.
„Nicht mein Tag“ heißt Ihr neuer Film. Eine Komödie. Das überrascht. Sie werden ja eigentlich immer als Schauspielerin fürs Drama gesehen.
Warum eigentlich? Ich kann das gar nicht beantworten. Vielleicht ist das in Deutschland immer noch so, dass man schnell in eine Schublade gesteckt wird. Aber dann kommt eben so jemand wie Peter Torwarth und sagt, ich sehe dich auch woanders. Das hat mir sehr imponiert. Und ich freue mich tierisch, dass ich mal in einer großen kommerziellen Komödie mitspielen durfte.
Was ist denn Ihr Humorzentrum? Peter Torwarth steht ja für einen ganz speziellen Witz...
Ja, dreckiger Humor. (lacht) Peter steht auch für Pott-Humor, das ist ja so gar nicht meine Region. Aber das trifft mein Humorzentrum absolut. Ja, ich mag dreckigen Humor, auch rabenschwarze englische Komödien. Das ist meins.
Was ja so gar nicht deutsch ist. Fehlt es den Deutschen an Humor?
Ich finde jedenfalls, die Deutschen könnten sich das ruhig öfter mal trauen. Ich hoffe, dass der Film den Nerv der Zuschauer treffen wird.
Die Zeichen stehen ja gut. „Fack ju Göhte“ hat gerade sensationelle Zahlen. Ist das auch so eine Art Befreiungsschlag, dass eine hiesige Komödie endlich mal die üblichen Pfade verlässt?
Der Erfolg von „Fack ju Göhte“ ist natürlich toll, aber wir sollten uns jetzt nicht gleich daran gewöhnen.
Ihre Komödienerfahrung beschränkt sich bislang auf sehr wenige Titel...
Ich habe vor zwei Jahren „Am Horizont, dann links“ gedreht. Davor hatte ich einen Gastauftritt bei Til Schweiger, in „1 1/2 Ritter“. Das war mein erstes Mal. Das hat damals schon Emrah Ertem besetzt. Genau wie hier auch. Emrah ist ein Caster, der gern überraschen möchtet. Nicht immer die besetzen, die naheliegen. Das waren in der Tat bisher all meine komödiantischen Ausflüge.
Fänden Sie es schön, wenn jetzt in Zukunft mehr Angebote aus dieser Richtung kämen?
Auf jeden Fall. Ich sehe mich nicht nur als Dramatikerin. Es kommt aber natürlich immer aufs Drehbuch an. Ich würde jetzt nicht eine Komödie machen, nur um in diesem Genre mitzuwirken. Wenn das Drehbuch gut ist, dann mache ich das gerne, wenn nicht, lasse ich’s sein.
Nun ist ja gerade bei der Komödie die Chemie mit dem Partner ganz wichtig. Was macht man, wenn das nicht so klappt?
Da kann man nicht viel machen. Ich versuch’s dann über die Humorschiene. Um den anderen aus der Reserve zu lockern. Um die Atmosphäre aufzulockern. Das hat immer ganz gut funktioniert. Wenn das aber auch nicht klappt, muss man da halt durch. Chemie passt oder nicht, die kann man nicht künstlich herstellen.
Sie würden aber natürlich nie verraten, wann das schon mal passiert ist.
Nein, natürlich nicht. Ich hatte aber Glück. Das ist wirklich selten passiert.
Sie wirken so ungemein optimistisch und gutgelaunt. Nun haben Sie schon früh viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Wie machen Sie das?
Zum Glück kann ich positiv denken, egal wie schlimm es gerade ist. Ich bin wohl einfach ein optimistischer Typ. Ich glaube, das habe ich von meiner Mutter. Sie war eine sehr offene, optimistische Frau, hat sich gern mit Menschen umgeben und hatte keinerlei Berührungsängste.
Sie sind seit kurzem Mutter. Wie kriegt man das mit dem Beruf unter einen Hut?
Ich bin selbst ein Kind von Schauspielern, von daher kenne ich die Situation ganz gut. Während des Drehs von „Nicht mein Tag“ habe ich noch gestillt, da gab es richtige klassische Stillpausen am Set, das stand meist auch auf der Dispo drauf. Manchmal mit Uhrzeit, wann’s losgeht. Aber das Kind muss natürlich mitspielen. Hätte ich beim Dreh festgestellt, sie fühlt sich unwohl, dann hätte ich das nicht wiederholt. Und ich hatte das Glück, dass sich meine Freundinnen mit dem Aufpassen abgewechselt haben. Ich habe da eine gute Basis.





