Filmpreis

Daniel Brühl fährt mit „Rush“ am Golden Globe vorbei

Der Schauspieler war in der Kategorie bester Nebendarsteller nominiert. Doch er ging leer aus. „12 Years A Slave“ wurde zum besten Film des Jahres gekürt, unterlag aber in allen anderen Kategorien.

Am Ende hat es nicht gereicht. Bei der 71. Verleihung des Golden Globe in Los Angeles war Daniel Brühl für sein Hollywood-Debüt „Rush“ als bester Nebendarsteller nominiert. Und er hatte sich gewünscht, das es „ein toller Abend“ würde. Einen Preis, das hatte er immer gesagt, werde es für ihn nicht geben: „Davon gehe ich nicht aus - bei der Konkurrenz.“

Christoph Waltz, der in dieser Kategorie im Vorjahr gewonnen hatte und der dieses Jahr nun den Sieger verkünden durfte, nannte statt seiner Jared Leto, für seine Rolle in „Dallas Buyers Club“.

Auch der zweite Deutsche, Filmkomponist Hans Zimmer, ging leer aus. Seine Chancen waren wohl noch größer: Der Exil-Frankfurter, der seit Jahrzehnten in Hollywood lebt und schon so manchen Oscar und Globe gewann, war für seinen Score zu „12 Years A Slave“ nominiert: mit sieben Nominierungen einer der beiden Favoriten des Abends. Aber am Ende unterlag er Alex Ebert für dessen Musik zum Robert-Redford-Film „All is Lost“. Und das ist schon verwunderlich. Weil dieser Film fast gänzlich auf Musik verzichtet.

Der Sieger ist auch ein Verlierer

Es blieb nicht die einzige Niederlage für „12 Years“. Steve McQueens radikales, manchmal aufgrund seiner brutalen Szenen nur schwer zu ertragendes Drama über die Slavenhaltung in den Südstaaten der USA wurde zwar am Ende als Bester Film des Jahres ausgezeichnet. Aber in der Regie unterlag McQueen Alfonso Cuaron, dem Mexixaner, der mit „Gravity“ Sandra Bullock allein durchs All irren lässt.

Und das Drehbuch von John Ridley unterlag dem von Spike Jonze zu „Her“. Und als bester Darsteller wurde nicht Chiwetel Ejiofor ausgezeichnet für seine grandiose Darstellung des Solomon Northup, der als freier Nordstaatler in die Südstaaten verschleppt, dort als Sklave gehalten wurde und über sein Märtyrium später ein Buch geschrieben hat – Ejiofor unterlag Matthew McConaughey, der als Aidskranker in „Dallas Buyers Club“ brillierte.

Leonardo DiCaprio staunt über seine Kugel

Die Königskategorie gewonnen, und das völlig zu Recht, aber in keiner der anderen Sektionen überzeugt: Das gibt es selten bei einer Preisverleihung. Und es wirft ein merkwürdiges Licht auf die Golden Globes des Jahres 2014. Worin bestand denn das Großartige, das Einzigartige dieses Films, wenn nicht in der Regie, dem Drehbuch, dem Schauspiel? Am Ende hat das Aids-Drama „Dallas Buyers Club“ den besseren Schnitt, weil er nur zwei Mal nominiert war, aber zweimal reüssierte. Und der heimliche Sieger heißt „American Hustle“. Auch er war sieben Mal nominiert.

Aber bei den Globes wird, im Gegensatz zum Oscars, zwischen Drama und Komödie unterschieden. Und David O. Russels Farce über kleine Trickbetrüger und korrupte Politiker trat für das leichte Fach an. Und bekam gleich vier Auszeichnungen: für die beste Komödie, für fast alle seine Darsteller (Amy Adams und Christian Bale als beste Hauptdarsteller sowie Jennifer Lawrence als beste Nebendarstellerin). Und für die beste Regie. In diesen Kategorien siegte „American Hustle“ auch jedes Mal über „12 Years A Slave“.

Preisvergabe nach dem Gießkannenprinzip

Neigen derartige Preisverleihungen sonst gern dazu, möglichst alle Trophäen auf ein Werk auszuschütten, so wurden die Globes ’14 eher nach dem Gießkannenprinzip verteilt: Cate Blanchett wurde, wie von den meisten erwartet, als beste Schauspielerin für Woody Allens „Blue Jasmine“ ausgezeichnet, ein Film, den viele als Komödie bezeichnen würden, aber als Drama antrat. Und Leonardo DiCaprio wurde als bester Schauspieler für „The Wolf of Wall Street“ gekürt, den viele als Drama oder als Farce bezeichnen würden, aber sicher nicht als Komödie, unter die er aufgeführt wurde. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal als Schauspieler für eine Komödie ausgezeichnet würde“, wunderte sich DiCaprio auf dem Podest denn auch selber, mit der güldenen Erdkugel in der Hand. Immerhin: Es war seine neunte Globe-Nominierung, aber erst einmal hat er ihn erhalten, 2005 für „The Aviator“, auch das ein Martin-Scorsese-Film.

Ein Unikum am Rande: Auch das grelle Schwulen-Biopic „Liberace“ wurde als Bestes Drama ausgezeichnet, und Michael Douglas in der Titelrolle als bester Schauspieler geehrt. Aber nicht mit dem Film-, sondern einem Fernsehpreis. Traditionell werden die Globes für Kino- und Fernsehproduktionen vergeben, und weil Steven Soderbergh für sein Schwulendrama einfach nicht genug Geld zusammenbekam, um ihn ins Kino zu bringen (soviel zum Thema Schwulenakzeptanz in Hollywood), musste er es als Fernsehfilm mit kleinerem Budget realisieren. In Deutschland ist der Film gleichwohl ins Kino gekommen.

Kein Trend für die Oscars ablesbar

Was heißt das nun aber für die Oscars? Der Globe wird ja gern als Stimmungsbarometer für die Academy Awards gedeutet, weil er die wichtigste Filmauszeichnung nach diesem ist (wie auch die wichtigste Fernsehauszeichnung nach dem Emmy). Eine klare Tendenz ist nicht auszumachen. Und weil die Academy of Motion Picture Arts eben nicht zwischen E und U, zwischen Drama und Komödie, unterscheidet, werden „12 Years A Slave“, „American Hustle“ und „The Wolf of Wall Street“ direkt aufeinandertreffen. Ob die Globes aber wirklich ein Vorbote für den Oscar sind, darüber wird auch jedes Jahr gestritten.

Während in der Academy über 6000 Mitglieder abstimmen, sind es bei Hollywoods Foreign Press, die über die Golden Globes vergibt, nur knapp 100 Auslandskorrespondenten, die aus Hollywood berichten. Und die gelten nicht immer als unabhängig und objektiv. Grob überschlagen stehen die Chancen, dass ein Bester Film bei den Globes auch als Bester Film bei den Oscars siegt, 50:50. In den letzten zehn Jahren aber gab es nur vier Übereinstimmungen. Wenn überhaupt ein Stimmungsbarometer, dann gilt das im Zweifelsfall eher für die Darsteller und die Regie. In der letzten Sektion jedenfalls gab es in der letzten Dekade neun Übereinstimmungen.

Die Nominierungen für den Oscar werden an diesem Donnerstag (16. Januar 2014) bekannt gegeben. Mal sehen, ob auch Daniel Brühl wieder nominiert wird.