Er wollte das nicht an sich ranlassen. Dass die anderen ihm Chancen auf eine Nominierung einräumten für seine grandiose Verkörperung des Niki Lauda in dem Formel-1-Drama „Rush“, das schmeichelte Daniel Brühl. Das zeigte ihm, dass er wohl einen guten Job gemacht hatte. Aber ansonsten wollte der Schauspieler sich auf keinerlei Spekulationen um etwaige Preise einlassen.

Nun muss er das wohl doch tun. In der Nacht von Sonntag auf Montag (12. und 13. Januar 2014) werden in Los Angeles die Golden Globes verliehen, die alljährlich die Auslandspresse in Hollywood vergibt und als Testvorlauf für die Oscars gilt. Und mit seinem Hollywood-Debüt „Rush“ steht der Berliner Schauspieler nun erstmals auf der Liste.

Seltsamerweise in der Kategorie Bester Nebendarsteller. Wer „Rush“ gesehen hat, wird staunen: Ron Howards Film ist ein Rennen zweier Männer, nicht nur auf der Rennbahn, sondern auch im Leben. James Hunt und Niki Lauda. Erzählt wird die Geschichte vom alten Lauda, und der Sieg geht wie im Film an Lauda so auch darstellerisch eindeutig an Brühl. Eine Nebenrolle ist das nicht. Aber für Debütanten ist dies erst mal die einfachere Einstiegskategorie.

Christoph Waltz hat es vorgemacht

Erinnern wir uns: Vor vier Jahren hat hier ein in Los Angeles weithin unbekannter Österreicher namens Christoph Waltz einen Globe bekommen – für eine Nebenrolle, die ebenfalls eine Hauptrolle war, in „Inglourious Basterds“. Er hat kurze Zeit später dafür auch einen Oscar bekommen. Und das Ganze hat sich für ihn im vergangenen Jahr wiederholt, wieder mit einem Tarantino-Film, „Django Unchained“, wieder als bester Nebendarsteller (für eine Rolle immerhin, die diesmal wirklich ein wenig kleiner war).

Das Ganze könnte sich für Brühl jetzt ähnlich entwickeln. Und wenn man Dierk Sindermann glauben mag, der immerhin seit fast 30 Jahren Mitglied der Hollywood Foreign Press, also quasi unser Mann in Hollywood ist, dann stehen die Chancen des 35-Jährigen mehr als gut. Sindermann stellt ihm gar eine Spitzenprognose aus, wenn auch eine recht kalauerige: „Summa cum laud-a“.

Harte Konkurrenz von Fassbender und Cooper

Brühl hat es allerdings mit einer harten Konkurrenz zu tun. Als bester Nebendarsteller geht auch Michael Fassbender als sadistischer Sklavenhalter in dem Sklavendrama „12 Years A Slave“ an den Start, und der Brite mit deutschen Wurzeln ist derzeit so ziemlich das heißeste Eisen in Hollywood. Bradley Cooper tritt für die Betrüger-Komödie „American Hustle“ an, und da er für „Silvler Linings“ vor einem Jahr leer ausging, bei den Globes wie bei den Oscars, könnte das seine Chancen für dieses Jahr erhöhen. Quasi ein Wiedergutmachungs-Effekt.

Dann sind da noch Jared Leto, der bis zur Unkenntlichkeit verfremdet einen Transsexuellen in dem Aids-Drama „Dallas Buyers Club“ spielte, und Barkhad Abdi als somalischer Pirat, der in „Captain Phillips“ Tom Hanks und sein Containerschiff entführt. Alles Filme mit harten Stoffen – und exzellenten darstellerischen Momenten.

„12 Years A Slave“ und „American Hustle“ sind, mit jeweils sieben Nominierungen, die großen Favoriten bei der 71. Globe-Verleihung im Beverly Hilton Hotel. Und sie könnten beide siegend daraus hervorgehen. Weil die Globes, im Gegensatz zum Oscar, in der Hauptkategorie zwischen Drama und Komödie/Musical unterscheiden. „12 Years“ ist für ersteres, „Hustle“ für letzteres aufgestellt. Beide aber treffen in den Kategorien Nebendarsteller, Drehbuch und Regie direkt aufeinander. Auf fünf Nominierungen kommt Alexander Paynes Vater-Sohn-Drama „Nebraska“. Danach folgen „Captain Philipps“ und die Science-ficiton-Odyssee „Gravity“ mit je vier Nominierungen.

Einsame Rekordhalterin: Meryl Streep

Auf eine Trophäe dürfen Stars wie Tom Hanks, Sandra Bullock, Kate Winslet, Cate Blanchett, Judi Dench, Leonardo DiCapri und Meryl Streep hoffen. Es ist sage und schreibe Streeps 27. Globe-Nominierung in 35 Jahren, acht Trophäen hat sie bereits einheimsen können.

Nicht nur bei den Nominierten, die an diesem Abend bibbern müssen, auch bei den Preisübergebern werden zahllose Stars erwartet. Wer Daniel Brühl die Daumen drücken will, muss dies übrigens nicht die ganze Nacht über tun. Die Kategorie Bester Nebendarsteller kommt traditionell als erste an die Reihe.