Sasha Waltz

Opernstiftung soll Waltz-Compagnie mitbezahlen

Die Berliner Politik spielt die Compagnie der Choreografin Sasha Waltz gegen die Opernstiftung aus. Die Opernleute sollen eine halbe Million Euro abgeben. Die Entscheidung soll am Mittwoch fallen.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Die aktuellen Verabredungen der Koalitionsspitzen kann man gleichsam als Erfolg und als Niederlage werten. Zunächst einmal soll es 1,2 Millionen Euro zusätzlich für die Berliner Kultur geben. Das ist natürlich eine gute Nachricht für den Kulturbetrieb. Allerdings muss der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses dem am heutigen Mittwoch in seiner Beratung über den Landeshaushalt 2014/15 noch zustimmen. Gewinner wären unter anderem die Neuköllner Oper, Nico and the Navigators und die Sophiensäle. Zu den Verlierern gehört dann – schon überraschend – die Tanzcompagnie der Berliner Starchoreografin Sasha Waltz.

Eine komplizierte Rechnung

Gewünscht hatten sich die Kulturpolitiker von SPD und CDU eigentlich 3,7 Millionen Euro zusätzlich, das Geld sollte unter anderem einer Aufstockung des Etats der renommierten Tanzcompagnie dienen und für die freie Szene sein. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen 2,5 Millionen Euro, was einer Niederlage der Berliner Kulturpolitik gleichkommt. Das aber sieht Stefan Schlede, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, anders. Er verweist im Gespräch auf zwei offene Posten. So sei verabredet worden, erklärt er das Prozedere, dass ein zusätzlicher Teil der City Tax, die Übernachtungssteuer soll am 1. Januar eingeführt werden, der freien Szene zu Gute kommt. Und zwar ein Drittel der Einnahmen, allerdings nur, sofern die über 25 Millionen Euro liegen. Eine komplizierte Rechnung mit ungewissem Ergebnis.

Etatkürzung der Opernstiftung

Der zweite ungeklärte Punkt betrifft die Tanzcompagnie von Sasha Waltz. Deren Etat sollte bislang um eine Million Euro erhöht werden und damit im Vergleich zum Haushaltsansatz des Senats verdoppelt werden. Jetzt soll die Truppe lediglich 500.000 Euro mehr bekommen, vorausgesetzt, es findet sich eine Gegenfinanzierung im Kulturbereich. Die Koalitionsspitzen schlagen vor, dass der Etat der Opernstiftung um diese Summe gekürzt werden soll. Das wäre allerdings eine traurige Inszenierung, wenn Berlin wieder einmal Opernleute gegen Tänzer ausspielt.

Traditionell verlieren irgendwann die Tänzer. Kürzlich hatte Stardirigent Daniel Barenboim bei der bejubelten „Sacre“-Premiere im Schiller-Theater der Choreografin Sasha Waltz einen roten Teppich in seine Staatsoper ausgerollt. Von einem finanziellen Opfer der Opern war bis dato keine Rede.

Der ungelöste Fall Sasha Waltz & Guest ist schon peinlich für Berlin. Neben dem auskömmlich finanzierten Staatsballett Berlin ist die Tanzcompagnie das Aushängeschild über die Stadtgrenzen hinaus. Sasha Waltz steht für eine Berliner Erfolgsgeschichte. Gegründet in den 90er-Jahren, als die Kulturpolitik noch propagierte, dass mit neuen Privat-GmbHs, Sponsoren und künstlerischer Selbstausbeutung alle glücklich werden, ist Sasha Waltz & Guests inzwischen eine florierende mittelständische, gemeinnützige Repertoire-Compagnie.

Andere Überflieger, vor allem im Jugendorchester-Bereich, sind längst hart gelandet. Sasha Waltz machte immer weiter. 2006 wurde von Rot-Rot ein Haushaltstitel eingerichtet, mit 600.000 Euro bei einem Jahresetat von rund 4 Millionen Euro. Über Jahre hinweg gab es politische Bemühenszusagen. Was eine Berliner Spezialität ist.

18 Produktionen im Repertoire

Derzeit hat die Compagnie 18 große Produktionen von Sasha Waltz im aktiven Repertoire. Davon wurden in den letzten Jahren bis zu elf Produktionen jährlich weltweit gezeigt. In Berlin sind es um die 5 oder 6 Produktionen. Im aktuellen Jahr gibt es 27 Vorstellungen in Berlin, 35 im Ausland. Der angemeldete Mehrbedarf von einer Million Euro schließt eine Verdopplung der Berliner Vorstellungszahl, die Entsperrung von neun Tänzer- und fünf Backstage-Stellen, die Ermöglichung von Berliner Uraufführungen und ein Education-Programm ein.

Das Angebot soll jetzt halbiert werden. Aus der Compagnie heißt es, nach acht Jahren solle sich die Stadt einfach mal entscheiden. Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) wollte das Ganze mit Blick auf die noch nicht abgeschlossenen Beratungen nicht kommentieren.