Villa Schöningen

Verhüllter Reichstag - Erinnerungen an ein Sommermärchen

Verhüllungskünstler Christo und Kunstförderer Roland Specker haben in der Villa Schöningen in Potsdam die Ausstellung „Verhüllter Reichstag“ eröffnet. Mehr als 400 Objekte sind zu sehen.

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS

„Wir haben uns durchgebissen und durchgekämpft“, sagt Roland Specker: „Da ist das jetzt ein Heimspiel.“ Gemeinsam mit Christo, dem Künstler, der den Berliner Reichstag verhüllte, stellte Specker am Mittwoch in der Potsdamer Villa Schöningen erinnernde Werke rund um das Ereignis vor. Die Ausstellung ist bis zum 10. November zu sehen.

„Sie zeigt alle bedeutenden Stationen von 1971 bis 1995“, sagt Specker, der frühere Bauunternehmer und heutige Kunstförderer. Er hat Christo seit Mitte der 80er-Jahre als Ehrenamtlicher bei dem umstrittenen Projekt begleitet. „Es ist ein Stück deutscher und Berliner Geschichte“, so Specker. Er kann sich noch an die 1994 angesetzte Bundestagsdebatte mit anschließender Abstimmung erinnern. Sie ging mit 292 zu 223 Stimmen gut aus.

Es waren aufregende 14 Tage im Juni 1995, als die Künstler Christo und Jeanne-Claude endlich das Reichstagsgebäude verhüllen konnten. Über fünf Millionen Menschen kamen damals, um sich das politische Kunstprojekt anzuschauen. Aber wer damals nicht dabei sein konnte, muss nunmehr auf nachgelassene Dinge zurück greifen können.

Das ist Speckers Projekt – Ende 2011 hat er die „Stiftung Dokumentations-Ausstellung Verhüllter Reichstag“ gegründet. Zehn Millionen Euro will er einsammeln, um das Nachgelassene von Sammlern ankaufen zu können. Zwei Jahre hat er sich dafür als Zeitrahmen gesetzt, die Vorstellung in der Villa Schöningen ist dabei ein wichtiger Schritt.

Insgesamt geht es um rund 400 Objekte, darunter 66 Originalzeichnungen und Collagen, ein raumfüllendes maßstabsgetreues Modell, 225 historische Fotografien, Verträge, Urkunden, Stahlrahmen und natürlich Stoffreste. In der Villa Schöningen sind 34 der Originalzeichnungen und Collagen aus Berliner Sammlungen ausgestellt sowie Fotografien von Wolfgang Volz.

In Potsdam sprach jetzt auch Rita Süssmuth, die sich bereits 1991 als Bundestagspräsidentin für das Projekt stark machte und dem Künstlerpaar mitteilte, sie werde helfen, Christos und Jeanne-Claudes Traum, „das Reichstagsgebäude zu verhüllen“, zu realisieren. Eine überaus wichtige und treue Befürworterin.

Die angekauften Objekte sollen irgendwann in Berlin versammelt und zugänglich sein. Für Specker ist klar, dass sie nicht in den Händen von Privatleuten oder kleinen Sammlungen bleiben sollten, sondern bei einer großen Stiftung. Die Kontakte zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind bereits fest geknüpft. Eine Schenkung ist geplant, danach löst sich Speckers Stiftung, die ihren Zweck erfüllt hat, wieder auf.

Villa Schöningen, Potsdam, Berliner Str. 86. Tel. 0331-2001741. Bis 10.11.