In der Sitzecke muss erst eine übergroße Zucchini weichen, bevor P. R. Kantate sich aufs Sofa fallen lassen kann. Der Musiker ist zu Gast im Kreuzberger Büro der Produktionsfirma 25films, dem Macher der erfolgreichen Dokumentation über die legendäre Bar25.

Zusammen mit P. R. Kantate und zehn weiteren Berliner Musikern, unter ihnen Frank Zander und die Puppetmastaz, Nico Stojan und Mega Mega, arbeitet das Filmteam an einem neuen Projekt. Das Besondere an „Lokalhymnen – Euer Soundtrack für Berlin“: Es kann jeder mitmachen. „Die Künstler haben jeweils einen neuen Song über Berlin geschrieben,“ erklärt Michael Lorenz, PR-Mann bei 25films, der gegenüber von Kantate Platz genommen hat. „Jetzt sollen Videos dazu entstehen. Kreative Berliner sind dazu aufgerufen, 30-sekündige Clips zu den Songs zu drehen und einzusenden. Die besten werden dann von uns zu einem vollständigen Musikvideo für den jeweiligen Song zusammengesetzt.“ Voraussetzung für die Teilnahme: Die Clips müssen inhaltlich zum Song passen.

Fest stehen bisher nur die Bilder für den Refrain der Songs: Die werden derzeit vom 25films-Team produziert. Die Dreharbeiten mit P. R. Kantate fanden kürzlich unter der Regie von 25films-Mitbegründerin Britta Mischer im Görlitzer Park statt: „Ich hatte gerade erst „Bar25 – Tage außerhalb der Zeit“ im Fernsehen gesehen, als die Anfrage für eine Zusammenarbeit mit 25films kam“, sagt P. R. Kantate. „Ich fand den Film sehr beeindruckend und habe deswegen gerne zugesagt. Außerdem hatte ich ohnehin mit dem Gedanken gespielt, meinen Hit ,Görli, Görli’ nach zehn Jahren neu aufzulegen. Die Idee, das im Rahmen dieses Projektes zu tun, fand ich großartig.“ In der Neuauflage des Klassikers lässt P. R. Kantate sich in einer Sänfte als „König vom Görli“ durch den Park tragen. „Die Einsendungen für mein Video sollten natürlich einen Bezug zum Görlitzer Park haben“, sagt P. R. Kantate. „Ob es sich dabei um VHS-Material aus vergangenen Zeiten oder Handyvideos vom Grillen im Park handelt, spielt keine Rolle. Man kann seine Kamera auch einem Hund umschnallen oder an einer Bierpulle befestigen – sich einfach treiben lassen“, rät Kantate.

Aufblasbare Kuh wird zum Einhorn

Die ersten Teilnehmer sind dem Aufruf auf www.lokalhymnen.de bereits gefolgt. 25films-Produzentin und Kamerafrau Peppa Meissner zeigt begeistert den eingesandten Clip einer Truppe junger Frauen, die mit einem selbst gebastelten Einhorn an der Leine durch die Stadt zieht. „Das ist ein Beitrag für das Video ,Last Unicorn’ der Band ,The Toten Crackhuren im Kofferraum’. Im Song geht es um Einhörner. Die Mädels hatten kein Einhorn zur Hand, da haben sie kurzerhand eine aufblasbare Kuh in ein Einhorn verwandelt“, erzählt Meissner.

Mit ihrer Idee für „Lokalhymnen“ konnte sich das neunköpfige 25films-Team beim vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Telekom initiierten New Content Award gegen die Konkurrenz durchsetzen – und gewann damit eine Förderung für das Projekt in Höhe von 70.000 Euro. „Die Idee dafür ist bei einem Glas Wein nach der Arbeit hier im Büro entstanden“, erzählt Britta Mischer, die ihre Kollegen einst auf der Tanzfläche in der Bar25 kennenlernte. „Die fertigen Clips sind im Internet zu sehen und werden dann auf einer Compilation veröffentlicht, die am 22.11. erscheint. Es gibt Sachpreise zu gewinnen, und die Teilnehmer werden natürlich im Abspann genannt. Außerdem soll ein großes Lokalhymnen-Festival in Berlin stattfinden.“

Große Chance für Newcomer

Die Teilnahme am Wettbewerb sieht Mischer auch als große Chance für Newcomer, die ihre Ideen einem größeren Publikum präsentieren möchten. Auf ihrem Tisch im Büro der 25films liegt ein Stapel „Lokalhymnen“-Flyer. Sie sollen am Abend im Heimathafen Neukölln verteilt werden. Dort steht P. R. Kantate derzeit als Schauspieler im Stück „Zum feuchten Eck an der Sonnenallee“ auf der Bühne. Da muss er auch gleich hin, zuvor begleitet er das Team aber noch in den Schneideraum, wo Cutter Jens Schröder gerade das „Making Of“ für das Lokalhymnen-Video der Musikerin Pilocka Krach fertiggestellt hat. Seine Arbeit gefällt, die Kollegen applaudieren. Jetzt steht nur noch die Farboptimierung des Clips an, dann kann er ins Internet gestellt werden. Für P. R. Kantate ist es Zeit, zu gehen – zur Bühne. Und in der Sitzecke des Büros der 25films ist wieder Platz für die Riesenzucchini aus dem Garten von Britta Mischers Freunden.