Sie wird immer besser. Jessica Schwarz spielt im Drama „Adieu Paris“, seit Donnerstag im Kino, eine junge Autorin, die über den Tod ihres Geliebten entscheiden und ihren eigenen Platz im Leben neu definieren muss. Die Schauspielerei war der 36-Jährigen nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Die Tochter eines Brauereibesitzers wurde als Teenager „Bravo“-Girl, fing an zu modeln und moderierte beim Musiksender Viva. Aber schon in den drei Verfilmungen von „Die wilden Hühner“ fragten sich zumindest die größeren Zuschauer, warum es nicht schon früher solche Lehrerinnen wie die von ihr verkörperte Frau Rose gegeben hat. Schwarz war auch als Tony in den „Buddenbrooks“ zu sehen, spielte in „Das Parfum“ und erntete Lob für ihre Leistung im TV-Film „Romy“.

Berliner Morgenpost: Was ist denn mit Ihrer Stimme los, Frau Schwarz? Die klingt ja total kratzig.

Jessica Schwarz: Ich drehe zurzeit die Verfilmung von „Der Koch“ nach dem gleichnamigen Roman von Martin Suter. Am Freitag habe ich eine große Streitszene gehabt. Unser Kameramann ist ein großer Freund von nebligen Bildern, und der Dunst hat sich nicht so gut mit meiner Stimme vertragen. Es waren relativ viele Takes, und er dreht mit Handkamera. Da weiß man nie, ob die nicht vielleicht gerade ganz dicht bei dir ist. Deshalb habe ich sicherheitshalber in allen Szenen durchgeschrien.

Ist alles bei diesem Dreh so anstrengend?

Gar nicht. Ich bin begeistert. Die Szenen, die ich gesehen habe, sehen sehr schön schmutzig und lebendig aus.

Wie passte denn Ihre Erwartungshaltung von „Adieu Paris“ mit dem tatsächlichen Geschehen zusammen?

Ich habe viel auf Französisch gedreht und musste enorm konzentriert arbeiten. Es war eine echte Herausforderung, hat mich aber auch frei gemacht. Leider sind die Szenen in den deutschen Kinos in der synchronisierten Fassung zu sehen. Aber in Paris zu drehen, ist auch ganz schön anstrengend. Überall ist viel los, es ist laut, man hat mit dem Verkehr zu kämpfen.

Die Franzosen sind leidenschaftliche Kinogänger. Erregt man dort bei Dreharbeiten mehr Aufmerksamkeit?

Sie bleiben stehen und fragen, was man da macht. Das finde ich ganz schön. Ich bin dort auch ins Kino gegangen, um mir den französischen Stummfilm „The Artist“ anzusehen, und die Säle waren brechend voll. Es ist toll, wenn ein Land die eigenen Filme so schätzt.

In „Adieu Paris“ spielt auch Sandrine Bonnaire mit, die in Frankreich ein großer Star ist. Hat das die Dreharbeiten beeinflusst?

Sie schafft es eher, so ähnlich wie ich, unentdeckt zu bleiben. Sie kann sich leicht ins normale Stadtbild integrieren.

Ist es Ihnen auch wichtig, manchmal „unsichtbar“ zu sein?

Total. Ich gebe mir Mühe, dass mich nicht jeder mitbekommt, und wenn doch, will ich es auch gar nicht registrieren.

Französische Schauspielerinnen können manchmal etwas kompliziert sein. Wie haben Sie sich mit der zehn Jahre älteren Sandrine Bonnaire verstanden?

Total gut. Sie ist handfest, ein Kumpeltyp mit einer Menge Courage. Man kann mit ihr lachen und gute Gespräche führen. Sie arbeitete gerade an ihrem eigenen Regiedebüt, hat mir daraus Szenen gezeigt und Lieder vorgespielt.

Sie spielen Patrizia, eine Autorin, deren französischer Freund nach einem Autounfall ins Koma fällt. Sie lernt seine Gattin kennen, soll mit ihr über Sterbehilfe für ihn entscheiden, stürzt sich aber gleichzeitig in eine Affäre. Mögen Sie diese Frau?

Sie erinnert mich in einigen Momenten daran, wie ich selbst vor ein paar Jahren war. Sie ist mir nicht völlig fremd, aber es gibt kaum eine aktuelle Ähnlichkeit. Aber ich mag auch ganz gern Rollen, die nicht so hundertprozentig zu mir passen. Es ist gut, wenn dadurch eine Reibung mit mir selbst entsteht. Die deutschen Sätze von Patrizia hat Drehbuchautor Martin Rauhaus sehr speziell geschrieben. Sie waren gut zu lesen, haben aber beim Spielen manchmal Knoten in der Zunge verursacht. Man musste sie so spielen, dass sie nicht zu stark in den Kitsch abrutschten. Aber sie haben eben die Poesie des Films ausgemacht.

Viele Charaktere in diesem Film müssen gerade schlechte Erfahrungen durchmachen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Vielleicht sogar solche, die Sie trotzdem nicht missen möchten?

Auf jeden Fall. Ich möchte aber nicht darüber sprechen, weil da immer noch andere Menschen mit dranhängen. Ich bereue nichts, aber bin manchmal so stur und versuche noch an Dingen herumzudoktern, die eh schon gelaufen sind. Ich kann schlecht abgeben und scheitere so ungern.

Zu Beginn Ihrer Karriere hatten sie eine Sinnkrise und zweifelten an der Schauspielerei. Haben Sie die inzwischen überwunden?

Der Weg ist richtig, die Filmschauspielerei ist mein Zuhause. Ich habe gerade ein halbes Jahr Theater gespielt und eine Dokumentationsreihe für das Fernsehen über das Zuhause von Grafen in Deutschland und Österreich gemeinsam mit Erzherzog Eduard von Habsburg moderiert. Das war spannend, aber jetzt freue ich mich jeden Tag wieder auf die Dreharbeiten. Ich ärgere mich auch total, wenn etwas nicht klappt. Heute war ich so verbissen, dass nachher die Tränen gekullert sind. Aber das gehört alles zu mir dazu.

Werden Sie nervös, wenn lange keine neuen Angebote kommen?

Schon. Wenn lange nichts kommen würde, könnte ich vielleicht mal wieder etwas Musik machen. Ich war zu Gast bei „Inas Nacht“ und habe dort wieder gemerkt, wie viel Spaß mir das Singen macht. Ich will mich aber nicht verrückt machen lassen. Die Lebenszeit soll nicht nur von Arbeit abhängig, sondern vor allem gut sein.

Frankreich ist nicht weit von Ihrer Heimat im Odenwald entfernt. War es für Sie ein Sehnsuchtsland?

Eine Zeit lang war das Spanien, aber Paris und London haben mich schon lange gereizt. Ich würde mich wohl für Paris entscheiden, weil die Stadt so viel mit Kunst und Kultur, Mode und vor allem mit Essen zu tun hat. Hier um die Ecke gibt es übrigens eine Eiscreme Karamell mit Fleur du Sel, da könnte ich ausflippen. Paris hat mir noch mehr zu bieten als London.