Interview

Beim nächsten Classic Open Air soll Lindenberg auftreten

Vor mehr als 20 Jahren rief Gerhard Kämpfe das Berliner Classic Open Air ins Leben. In diesem Jahr war er besonders zufrieden. Ein Gespräch über Wetter, Moderatoren, leise Musik und Udo Lindenberg.

Foto: M. Lengemann

In der Nacht zum Dienstag saß Gerhard Kämpfe mit seinem Sohn Max auf der Tribüne am Gendarmenmarkt, es war drei Uhr, sie rauchten eine Zigarillo und schauten zurück auf ihr Festival. „Glücklich und melancholisch“ seien sie gewesen, sagt Kämpfe, der die Classic Open Air vor über 20 Jahren ins Leben rief und zusammen mit Mario Hempel leitet. Für Kämpfe war es ein besonders schönes Festival.

Berliner Morgenpost: Herr Kämpfe, ein Classic Open Air mal ohne Regen – können Sie mit so viel Sonne überhaupt umgehen?

Gerhard Kämpfe: Es war ein Traum. Jeden Tag tolles Wetter, jeden Tag Standing Ovations. Und wir waren fast jeden Tag ausverkauft. Wir haben einen Besucherrekord erzielt, so viel Menschen haben uns noch nie besucht, wenn die Classic Open Air über fünf Tage ging. Wir hatten mehr als 25.000 Besucher. Im übrigen war im vergangenen Jahr nur der Eröffnungsabend verregnet...

...da war ich da, das vergisst man nicht...

...das war entsetzlich, das stimmt. Aber danach wurde es besser.

Mit Madeleine Wehle hatten Sie am Eröffnungsabend einen neue Moderatorin; sie ersetzte Herbert Feuerstein.

Das lag am RBB. Der Sender wollte ein frisches, junges Gesicht für den Abend und ich finde, sie hat das auch sehr charmant gemacht und war sehr gut vorbereitet.

Herr Feuerstein war im letzten Jahr eher so ein laufender Altherrenwitz.

Herbert Feuerstein ist ein exzellenter Musikkenner, er hat das in den ersten beiden Jahren wirklich gut gemacht, 2012 ist halt vieles schief gelaufen.

Ich finde die Konzerte am Gendarmenmarkt ja etwas zu leise.

Das ist auch ärgerlich. Es gab vor Jahren eine Kontrollmessung auf dem Platz. Demnach liegt das Grundrauschen am Gendarmenmarkt bei 74 Dezibel. Zuerst wollte die Senatsbehörde für Umweltschutz, dass unsere Konzerte bei 70 Dezibel liegen. Erst später haben wir uns auf 75 Dezibel geeinigt. Das ist eine Sonderausnahme, aber natürlich immer noch zu wenig. Diese Sonderausnahme geht über den ganzen Tag, also vom Aufbau bis zum Konzertende wird der Geräuschpegel gemessen und daraus wird dann ein Durchschnittswert ermittelt. Daher versuchen wir beim Aufbau möglichst leise zu sein, damit es für das eigentliche Konzert noch Luft nach oben gibt.

Befriedigend ist die Lösung nicht.

Schauen Sie, die Messung findet 1,5 Meter vor der am nächst gelegenen Hauswand statt. Das ist die der Akademie der Brandenburgerischen Wissenschaften. Da wohnt aber kein Mensch. Es gibt 87 Wohneinheiten im direkten Umfeld des Gendarmenmarktes und wir laden sie alle ein zu unseren Konzerten. Also wer genau muss hier eigentlich geschützt werden? Wir haben festgestellt, dass es gerade auf den Seitenflügeln nicht laut genug ist. Das entspricht dem normalen Hörverhalten auf Konzerten.

Und das bleibt auch so?

Die Antwort der Behörde ist immer die gleiche: Sie haben bereits eine Ausnahmeregelung. Mehr Dezibel gibt es nicht.

Was wünschen Sie sich für 2014?

In erster Linie: Das gleiche Wetter.

Und als Gast?

Vielleicht kommt ja Udo Lindenberg, in Gesprächen sind wir mit ihm.