Eigentlich ist das ja eine Rolle für Transvestiten. Lange Wimpern, Perücke, Sonnenbrille, Hosenanzug, die tiefe Stimme. Und Ulrich Michael Heissig hat so auch schon als „Irmgard Knef“ brilliert, Hildes fiktive, unterdrückte Zwillingsschwester. Heissig hat die Stimme und Gesten der Diva noch zu deren Lebzeiten so gekonnt imitiert, dass das wahre Lachsalven entzündete. Und nicht jedem Gast war klar, dass er da nicht die echte Hilde erlebt hat.
Nun, 11 Jahre nach ihrem Tod, kommt Hildegard Knef noch einmal auf die Bühne. Und Judy Winter, die sie verkörpert, lässt alle Travestie fahren. Auf der Bühne ist sie ganz unplugged, bleibt sie Judy Winter, in silbrig glitzerndem Satinpyjama.
Mephisto verirrt sich ins Boulevardtheater
In „Hildegard Knef – Der Teufel und die Diva“ ist Hilde nämlich soeben verstorben. Und harrt in einem Transitraum zwischen Himmel und Hölle. Fred Breinersdorfer hat der Winter das Stück mit Katja Rüder auf den Leib geschrieben. Und Breinersdorfer hat ja, als Drehbuchautor von „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, einen gewissen Ruf.
„Der Teufel und die Diva“ ist von der Grundkonzeption her eine ähnliche Verhörsituation. Nur dass sich hier der Mephisto aus Goethes „Faust“ ins Boulevardtheater verirrt hat und nach der Seele der toten Diva giert. Das klingt einigermaßen bemüht, eine undankbare Rolle für Stephan Besson.
Dichtung und Wahrheit
Es hätte immerhin ein interessanter Ansatz sein können: die Vita der Diva, von der Knef selbst in ihren Liedern und Büchern reichlich ausgeschmückt, wird ständig mit „Wahrheiten“ konfrontiert, die diesen Selbstinszenierungen, nun ja, nicht immer entsprechen. Das Stück kokettiert immerzu damit, den Star von seinem Sockel stürzen zu wollen. Und Wolfgang Stockmann inszeniert das genauso unentschlossen.
Selten bringt ein Bühnenbild sein Stück so auf den Punkt wie hier: die Kulisse, eine Buchstabensuppe aus Lettern, die den Namen der Knef ergeben. Hier das A, das als Treppe dient, dort das G als Minibar. Wie ihr Name wird auch das Leben der Knef durcheinander geschüttelt und an einzelnen Stationen willkürlich festgemacht. Der einzige Kitt sind eben Hildes Lieder, die nicht nur die Winter, sondern auch der Teufel singen darf.
Kein Vergleich zu „Marlene“
Das hat die Knef nicht verdient. Eine so uninspirierte, schale Revue ohne Mehrwert wird dem Berliner Weltstar in keiner Weise gerecht. Das hat auch Judy Winter nicht verdient. Man wünschte der Schauspielerin durchaus noch eine große Altersrolle. Der Vergleich mit „Marlene“ drängt sich auf: Als Marlene Dietrich, der andere, größere Weltstar aus Berlin, hat sie einst Triumphe gefeiert. Hier aber verschwendet sie ihre Kunst daran, ein kleines Stück achtbar über die Runden zu bringen. Das nötigt Respekt ab. Mehr nicht. Am Ende wäre man doch lieber daheim geblieben und hätte noch mal eine alte Hilde-Platte aufgelegt.
Theater am Kurfürstendamm, Kudamm 206-209, Berlin-Charlottenburg. Tel.: (030) 88 59 11 88. Nächste Termine: 4.-9., 21.-23. und 25.-28. Juni 2013.





