Film

Eine Berliner Institution wird 50 - Das Kino Arsenal feiert

Das Kino Arsenal war eines der ersten kommunalen Lichtspielhäuser und ist heute, neben dem Zeughaus-Kino, das letzte Programmkino Berlins. Das Jubiläum wird mit Schätzen aus dem Archiv gefeiert.

Foto: Arsenal-Kino

Am Anfang stand noch ein Koksofen im Keller. Als das Arsenal Kino am 3. Januar 1970 an der Welser Straße, unweit des Wittenbergplatzes, eröffnete, war an moderne Technik nicht zu denken. Die Technik ist inzwischen auf dem neuesten Stand doch ansonsten hat sich nur wenig geändert, wenn in diesen Tagen das Arsenal 50. Geburtstag feiert. Genau genommen hat nicht das Kino Arsenal Geburtstag, sondern die „Freunde der Kinemathek“.

Diese hatten sich Ende Mai 1963 gegründet, um die Bestände der Deutschen Kinemathek nicht länger im Archiv liegen zu lassen, sondern der Öffentlichkeit vorzustellen. Wenn nun den ganzen Juni über restaurierte Schätze aus dem umfangreichen Archiv des Arsenals präsentiert werden, deutet dies an, wie wenig sich in 50 Jahren am Blick auf die Filmgeschichte geändert hat.

Ein Filmclub von Enthusiasten

Das ist nicht zuletzt der Kontinuität der Menschen hinter den Kulissen zu verdanken, die untrennbar mit dem Namen Gregor verbunden sind. Zwar finden sich unter den Gründungsmitgliedern auch Namen wie Gero Gandert oder Helmut Käutner, zwar hatten im Lauf der Jahre Mitarbeiter wie Heinz Ross oder Alf Bold wichtige Funktionen, doch die Konstante blieben Erika und Ulrich Gregor. Und auch wenn 2004 ihre Tochter Milena Gregor mit Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus die Leitung übernahm, ist das Arsenal doch alles andere als ein Familienbetrieb. „Wir waren anfangs ein studentischer Filmclub, eine Aktivität von Enthusiasten“, erzählt der heute 80-jährige Ulrich Gregor und beschreibt damit, was trotz aller Professionalisierung das Arsenal immer noch ausmacht.

Am 25. Mai 1963 fand in der Akademie der Künste die erste Vorführung statt, die idealtypisch die Philosophie des Arsenals versinnbildlicht: Neben Paul Lenis Stummfilmklassiker „Das Wachsfigurenkabinett“ wurden aktuelle Kurzfilme von Vertretern der so genannten Münchener Schule gezeigt. Namen wie Alexander Kluge oder Edgar Reitz waren damals noch unbekannt und wurden nicht zuletzt durch die Freunde durchgesetzt.

Vor allem zeigte sich schon hier ein Blick auf das Kino, der keinen Unterschied zwischen Neuem und Altem, Bekanntem und Unbekanntem machte. Und auch nicht vor Kontroversem zurückschreckte: Als im Januar 1964 Veit Harlans Nazi-Propagandafilm „Kolberg“ auf dem Programm stand, war der Aufschrei der bürgerlichen Presse ebenso groß wie ein Jahr später bei einer Woche des sowjetischen Films. Kurz nach dem Mauerbau war so ein offener Blick auf die Filmkultur Osteuropas eine waghalsige Aktion.

Vorwürfe von rechts und links

Dass sie eher dem linken Lager zuzuordnen sind, daraus machten die Freunde nie ein Hehl. Doch Angriffe kamen nicht nur vom bürgerlichen Lager: Ende der 60er Jahre sah sich der Vorstand dem Vorwurf ausgesetzt, nicht politisch genug zu sein und vor allem in die eigene Tasche zu wirtschaften. Besonders letzteres mutet angesichts der ständigen Finanzprobleme der Freunde absurd an.

Während die in Westdeutschland durch das Beispiel Arsenal gegründeten Kommunalen Kinos recht großzügig subventioniert wurden, hielt es der Berliner Senat lange Jahre nicht für nötig, die Bedeutung des Arsenals für die Stadt zu unterstützen. Erst 1971, als die Freunde begannen, auch das Forum des Internationalen Films zu organisieren (und damit halfen, die Berlinale aus ihrer größten Krise zu retten) wurde die Lage etwas besser.

Schätze aus dem Archiv

40 Jahre später ist das Arsenal aus dem Kulturleben Berlins nicht mehr wegzudenken, seit 2000 an zentraler Stelle am Potsdamer Platz. Auch am neuen Ort änderte sich die Programmstruktur kaum. Zwar muss auch das Arsenal den Zeichen der Zeit Tribut zollen und Filme zunehmend in Events verpacken, Sponsoren und Kooperationspartner finden. Doch die Begegnung zwischen Alt und Neu bestimmt immer noch das Programm. Besonders deutlich wird das denn ganzen Juni über, wenn anlässlich des Jubiläums die Ergebnisse des seit zwei Jahren laufenden „Living Archive“-Programms präsentiert werden.

Nicht zuletzt durch die Filme des Forums, die meist auch Eingang ins Archiv des Arsenals finden, haben sich im Lauf der Jahrzehnte in einer Lagerhalle in Spandau tausende Filme angesammelt. In diesen unermesslichen Fundus an teils längst vergessenen, verschollen geglaubten Filmen tauchten 37 Kuratoren, Künstler und Wissenschaftler ein.

Das Alte mit neuen Augen entdecken

Dieses alte, scheinbar Bekannte mit neuen Augen zu sehen, für die Gegenwart relevant zu machen ist zunehmend die Aufgabe des Arsenals. Stefanie Schulte Strathaus, eine der neuen Leiterinnen, beschreibt den sich wandelnden Ansatz wie folgt: „Die Aufgabe hat sich etwas verlagert, es geht weniger um Ausgrabungen aus der Filmgeschichte, eher um die Vermittlung, Fragen zu stellen, Dinge zusammenzufügen.“ Reichte es früher noch, einfach nur Filme zu zeigen, bedarf es heute weit mehr.

War das Arsenal in den Anfangsjahren oft der einzige Ort, Filmklassiker und unkonventionelle Neuheiten sehen zu können, hat sich die Situation im Zeitalter von DVD und Internet drastisch verändert. Dass alles verfügbar scheint, ist zwar ein Trugschluss, doch die schiere Masse an Möglichkeiten kann leicht überfordern. So ist die Aufgabe und der Wert einer Institution wie des Arsenals auch 50 Jahre nach Gründung immer noch derselbe: Film und Filmgeschichte in einen Kontext zu stellen und mit unermesslicher Energie und Enthusiasmus die gesellschaftliche Relevanz des Kinos zu betonen.

Reihe zum Jubiläum: 50 Jahre Arsenal. Eröffnung: 4. Juni, 19 Uhr, Eintritt frei. Programm: www.arsenal-berlin.de