12 Stunden begleiten wir Menschen durch den Tag. Was sie arbeiten, erleben und antreibt erfahren Sie hier. Heute: 12 Stunden in der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.
08:55
Touristen versperren den Gehsteig an der Potsdamer Straße. Ungeduldig versucht Tara Biere, sie zu überholen. Ihr Produktionseminar in der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (dffb) beginnt gleich.
09:30
Bärbel Gudat, Barfrau in der dffb Kantine, schüttet Kaffeebohnen in die Maschine. Am Tag zuvor haben einige Studenten wieder lange an ihren Filmen gearbeitet, da ist ein starker Kaffee essentiell. Seit Jahren arbeitet Bärbel Gudat an der Filmhochschule. Sie liebt das Kino. Trotzdem ist es ihr einmal passiert, dass sie mit George Clooney im Aufzug stand und ihn nicht erkannt hat.
10:10
Ein Raum voller DVDs. Und mittendrin Helene Schwarz, Generalsekretärin der dffb seit 43 Jahren. Behutsam stellt sie Faßbinders „Katzelmacher“ wieder an seinen Platz im Archiv. Jeden Film, jedes Videoband hat sie namentlich in Karteikästen abgelegt. 84 Jahre alt ist Helene Schwarz mittlerweile. Sogar die Kantine der dffb hat man nach ihr benannt. Ans Aufhören denkt sie nicht. Die Filmakademie gehöre einfach zu ihrem Leben, sagt sie.
11:10
Die Deutsche Kinemathek auf der ersten bis vierten sowie der sechsten und siebten Etage ist Museum, Ausstellungsort und Archiv. In der Bibliothek haben sich Studenten eingefunden. Wibke Wiegand, die Bibliotheksleiterin, erklärt den Grafikdesign Studenten den Aufbau der Bibliothek.
11:45
Bodo Knapheide, Studienleiter der dffb, ist glücklich. Der neue Jahrgang wird sehr gute Studenten an die Hochschule bringen. „Das sehe ich schon an den Bewerbungen, die ich gerade durcharbeite. Vor allem werden wir gute Kamerafrauen bekommen, von denen gibt es sowieso zu wenig“, sagt er und vertieft sich wieder in die über 400 Bewerbungen. Nur 30 werden eine Zusage bekommen.
12:30
In einem der Schneideräume im achten Stock des Filmhauses lässt sich Biene Pilawci von Cutterin Bettina Blickwede beraten. Ein Dokumentarfilm über ihre Familie wird ihre Abschlussarbeit an der dffb.
13:00
Tara Biere hat ihre Vormittagsseminare hinter sich. Jetzt sitzt sie mit Regie Studentin Anna Avramenko auf der Terrasse der dffb Kantine direkt unter dem Dach des Sony Centers und isst zu Mittag. Maximilian Haxel, der Koch, hat ihnen Pasta mit Kohlrabi empfohlen. Gute Wahl.
13:50
Der Ausstellungs Architekt Camillo Kuschel besprüht in der Kinemathek Kopfhörerhalterungen mit weißem Lack. Die Schau „Experimentelles Fernsehen“ der Kinemathek wird aufgebaut. Die Lampen liegen noch in Einkaufswagen, die Vitrinen sind leer, die Bildschirme schwarz. Sandra Höfinghoff klebt mit Hilfe einer Wasserwaage 25 Bilder im Schachbrettmuster an die Wand.
15:00
Rosario Noio ist Pförtner. Er muss nicht nur wissen, welche Ausstellung läuft, wann der Film im Arsenal beginnt und wie man zum Reichstag kommt, er muss es auch Touristen verständlich machen können. Gut, dass er Italienisch, Griechisch, Deutsch, Französisch und Spanisch spricht.
15:30
Bei Milena Gregor, Geschäftsführerin des Arsenal Kinos im Keller des Gebäudes, klingelt das Telefon. Ein Kinobesitzer aus New York will eine Bollywood Reihe zeigen. Dafür hätte er gern diesen indischen Film aus den 80er Jahren, der vor Jahren auf der Berlinale lief. Gut 2000 Filme bietet das Arsenal zum Verleih. Von den meisten gibt es nur noch eine oder zwei Kopien.
16:00
Im Erdgeschoss ist bei Lutz Döhmen und Jutta Körzell vom Museumsshop nichts los. Zeit, Ware einzusortieren und DVDs auszupreisen, die man zur Ausstellung in der Kinemathek bestellt hat.
16:55
Vera Thomas, Ausstellungsorganisatorin im Filmmuseum sucht nach einem Flug für den Lieferanten eines Kunstwerks aus Tokio, das ab August in der neuen Ausstellung „Storyboard“ gezeigt werden soll. Auf diesen wie Comics aussehenden Zeichnungen halten Regisseure fest, wie sie sich ihre Szenen vorstellen. Kristina Jaspers, die Kuratorin, holt das erste, handgezeichnete Storyboard von „Star Wars“ hervor. Martin Scorseses selbst gezeichnetes Storyboard zu „Taxi Driver“ wird auch zu sehen sein.
17:25
Die Schlange an der Kasse im Untergeschoß des Filmhauses ist lang. Gerrit Woltenath verkauft für das jüdische Filmfestivals ein Ticket nach dem anderen. Popcorn gibt es im Arsenal nicht. Ein Glück.
18:10
Neun Stockwerke höher legt Christian Urbanczyk, einer der dffb Techniker, eine große Filmrolle in einen Scanner. In wenigen Minuten wird der Film von Kamera Student Kai Miedendorps eine digitale Kopie haben.
18:45
Silke Ronneburg zieht sich trotz sommerlicher Hitze Strickjacke und weiße Baumwollhandschuhe an. Denn der Archivraum, in dem sämtliche Briefe, Dokumente, Fotos und sogar einige Schmuckstücke von Marlene Dietrich gelagert sind, ist auf 18 Grad heruntergekühlt. Andächtig zieht sie einen Armreif aus einer Schublade. „Den hat Marlene in den 40er Jahren getragen“, sagt sie. „Er wurde speziell für sie angefertigt.“ Daneben liegt ein Foto. Anhand der handschriftlichen Anmerkungen auf der Rückseite kann die Referentin der Marlene Dietrich Collection nahezu genau sagen, wann die Dietrich das notiert hat.
19:20
Das Klirren der Gläser vermischt sich mit dem lauten Brummen der Kaffeemaschine und den Gesprächen der Gäste in der Cocktailbar Billy Wilder im Erdgeschoss. Barkeeper Chris Möhwald schüttelt einen Cosmopolitain und lässt ihn in ein geeistes Glas fließen. Hochbetrieb.
20:10
Schon wieder ein Tourist, der sich in den neunten Stock des Filmhauses verirrt hat. Biene, die Regiestudentin und Aushilfspförtnerin der dffb, ist genervt. Wieso kommen die immer bis hier hoch? Sie will jetzt in Ruhe ein paar Filme auf ihrem Laptop schauen. Mit bestimmten Worten schickt sie die Touristen zum Aufzug zurück.
20:50
Im Arsenal hält Uschi Seifried den Filmstreifen gegen das Licht. Sie sucht ein Überblendungszeichen, das zeigt, wann die nächste Filmrolle starten muss. Mit einem roten Bleistift macht sie kleine Striche in fünf aufeinander folgende Bilder. Wenn sie nachher die Apparate umschalten muss, wird sie genau auf diese Striche achten. Seit gut 30 Jahren ist sie Filmvorführerin. 30 Jahre lang Filmdosen öffnen, Filme umspulen, Überblendungszeichen machen. Nie weiß sie genau, wann sie heimkommt. So auch heute. Zum jüdischen Filmfestival werden vor den Filmen Einführungen gegeben, und die können eben unterschiedlich lang sein. Mitternacht wird es bestimmt.







