„Wir warten hoffnungsvoll“, so beschreibt Julien Chapuis, Leiter des Berliner Bode-Museums. Mit anderen Worten: Das Warten geht weiter. Der geplante Umzug der Gemäldegalerie vom Kulturforum auf die Museumsinsel hatte im vergangenen Sommer erstaunlich heftige Proteste und Debatten ausgelöst.
Der Verband deutscher Kunstkritiker witterte den düsteren Untergang der Alten Meister, Museumsdirektoren aus dem Ausland meldeten sich zu Wort. In einigen Wochen werden nun die Ergebnisse einer Variantenuntersuchung erwartet, die für die Zukunft der Neuordnung der Berliner Museen entscheidend sind. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zukunft der Gemäldegalerie.
Warum gibt es jetzt noch den Masterplan? Ist nicht alles schon entschieden?
Für die Entscheidung ausschlaggebend ist die Machbarkeitsstudie; sie heißt offiziell „Variantenuntersuchung“, angedockt ist sie beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die Experten dort arbeiten mit den Museumsleuten zusammen. Sehr aufwendig und zahlenintensiv, so heißt es bei der Stiftung. Stiftungspräsident Hermann Parzinger hat mittlerweile mehrmals versichert, dass die Gemäldegalerie am Kulturforum so lange nicht aus- oder umziehen wird, bis ein adäquater Ersatzbau steht. Die Kunstwerke wandern also nicht, wie von vielen befürchtet, ins Depot.
Was genau klärt die Machbarkeitsstudie?
Sie soll prüfen, wie teuer so ein Neubau an der Museumsinsel überhaupt ist, und ob ein Erweiterungsbau am Kulturforum preiswerter wäre. Und: in welcher Weise die Gemäldegalerie für die Nutzung als Zentrum der Kunst des 20. Jahrhunderts umgebaut werden müsste. Auch hier sind die Kosten abzuschätzen. Weiterhin geht es um Zeitaufwand, Zweckmäßigkeit und Nutzungsanforderungen. Noch in diesem Jahr soll es eine Richtungsentscheidung für die Neuordnung der Museen geben, hofft Parzinger.
Welche Alternativen gibt es denn?
Drei gibt es:
1) einen Erweiterungsbau für die Alten Meister an den Museumshöfen vis-à-vis des Bode-Museums. Das Bode-Museum ist zu klein, um Malerei und Skulpturen aufzunehmen. Ideal wäre eine Verbindungsbrücke zwischen Bode-Museum und dem neuen Haus. Die Kunst des 20. Jahrhunderts mit der Sammlung Pietzsch könnte in das frei werdende Haus am Kulturforum ziehen. Die Werke des Surrealismus sind der Stiftung als Schenkung zugesagt. Doch auch die sanierungsbedürftige Neue Nationalgalerie platzt schon jetzt aus allen Nähten und kann immer nur Teilbestände ihrer Sammlung zeigen.
2) Dann gibt es die Option für einen Neubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts direkt am Kulturforum, wo die Sammlung Pietzsch auch ein Domizil hätte.
3) Zudem wird noch geprüft, ob die Klassische Moderne nicht auch in eine der bestehenden Liegenschaften einziehen könnte.
Warum sind so viele dagegen?
Mittlerweile hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zugegeben, dass es Fehler in der Kommunikation gab. Es entstand der Eindruck, dass die Gemäldegalerie mit ihren Meistern über Jahre ins Depot verbannt würde. Im Masterplan allerdings war diese Rochade von Anfang an geplant. Inzwischen dreht sich die Diskussion darum, ob ein Umzug sinnvoll ist oder nicht. Nach der Wende wurde das Kulturforum erst einmal optimiert.
Wie teuer wird der geplante Umzug, und wer zahlt das ?
Optimisten schätzen den Neubau auf der Museumsinsel auf 150 Millionen Euro, Architekten gehen von rund 280 Millionen Euro plus aus. Der Bund zahlt.
Wann soll der Erweiterungsbau stehen?
Der Zeitrahmen beträgt drei bis fünf Jahre, auch das Datum 2017 ist im Gespräch. Doch wer Berlin und seine Baustellen kennt, weiß, dass das optimistisch gedacht ist.
Was will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz?
Die Stiftung hat sich ganz klar für den Umzug der Gemäldegalerie auf die Insel und damit die Vereinigung von Malerei und Skulptur ausgesprochen. Das Museum sei, so das Argument der Stiftung, genau für eine solche gattungsübergreifende Präsentation á la Bode gebaut worden. Das Bode-Museum gewinnt definitiv. Die Präsentation ausschließlich von Skulpturen ist kein Publikumsrenner. Das zeigten auch die „Gesichter der Renaissance“, präsentiert wurden Bilder und Skulpturen der Zeit, die Schau war ein Besuchermagnet.
Fakt ist, dass die Besucherzahlen sowohl im Bode-Museum als auch in der Gemäldegalerie weit aus besser sein könnten. Von dem Umzug, so die Stiftung, können beide Sammlungen „enorm profitieren“. Sollte die Machbarkeitsstudie, so sagte Parzinger auf einer Fachtagung, einen Neubau am Kulturforum empfehlen, könne man auch mit dieser zweiten Lösung auskommen. Resignation oder Pragmatismus? Er weiß, am Ende wird die Haushaltslage entscheiden, schließlich ist das Finanzministerium zuständig.
Muss die Gemäldegalerie groß umgebaut werden, falls die Kunst des 20. Jahrhunderts am Kulturforum einzieht? Die Wände beispielsweise sind dort mit farbigem Textil ausgekleidet.
Laut Stiftung sind die Räumlichkeiten für das 20. Jahrhundert „sehr gut geeignet“. Der Aufwand für die Umrüstung sei überschaubar, beschränke sich auf technische Details, also beispielsweise Licht. Wände müssten nicht versetzt werden.
Besteht die Gefahr, dass das Sammlerehepaar Pietzsch seine Schenkung zurückzieht?
Nein, allerdings wartet das Paar auf eine verbindliche Entscheidung, wo und wann ihre Kollektion in Zukunft unterkommt. Ulla und Heiner Pietzsch haben immer betont, dass sie kein eigenes Museum für ihre Sammlung beanspruchen, sondern eine lebendige Integration und angemessene Präsentation in einer Galerie der Moderne. Sie sind sich auch klar darüber, dass das kuratorische Konzept in der Hand der Nationalgalerie liegt. Beide Seiten sind im Dialog, hat Heiner Pietzsch kürzlich erzählt.
In der Diskussion entstand oft der Eindruck, die Privatsammlung Pietzsch könne die Alten Meister verdrängen, also Jung gegen Alt ausgespielt werden. Das ist falsch. Um die Privatsammlung alleine ging es in diesem Zusammenhang nie, sondern um ein Museum des 20. Jahrhunderts. Ohnehin wird die Schenkung erst nach dem Tod der beiden wirksam.




