Museumsinsel

Chef des Bode-Museums fordert Neubau für Alte Meister

Die Alten Meister sollen ins Bode-Museum ziehen und in einem Neubau Skulptur und Malerei vereint werden. Julien Chapuis über die Pläne.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Er ist ein leidenschaftlicher Botschafter: Als er kommt, hat Julien Chapuis seine braune „Bibel“ dabei, scheint feinstes Leder zu sein. Darin sind „seine“ Alten Meister als Druck abgeheftet. Die halbe Museumswelt will ja ständig von ihm wissen, was er da tut.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz plant den Umzug der Alten Meister ins Bode-Museum, in einem Neubau sollen Skulptur und Malerei zusammengeführt werden. In welcher Weise, genau das möchte Chapuis, Jahrgang 1968, Leiter der Skulpturensammlung, an einzelnen Werk demonstrieren. Am Dienstag beginnt im Bode-Museum eine Fachtagung zu dem Thema in Berlin, die der Schweizer Kunsthistoriker mit organisiert hat.

Berliner Morgenpost: Haben Sie sich über die emotionalisierte Kritik gewundert? Es hieß, Sie seien einer der Totengräber der Alten Meister, das muss Sie getroffen haben.

Julien Chapuis: Das kann man wohl sagen. Auch weil ich aus einer anderen Kultur komme, zumal ich 15 Jahre in den USA gelebt habe. Debatten in Deutschland werden oft heftiger geführt. Hier ist etwas ein Skandal, was in anderen Ländern gar keiner wäre. Es gab in der Tat Fehler in der Kommunikation, so entstand der Eindruck, man würde die Gemäldegalerie für Jahrzehnte verbannen. Aber es scheint mir hier eine Neigung zu geben, nur Risiken zu sehen, keine Chancen. Im Ausland sieht man dagegen sehr stark, was in Berlin in den letzten zwanzig Jahren geschaffen wurde. Das wird bewundert.

Sie meinen den Masterplan für die Museumsinsel...

Ja, aber nicht nur. Die Museumsinsel zeigt, wie wichtig die deutsche und die Berliner Museumsgeschichte für die Entwicklung der Gattung Museen allgemein ist. Und der Bund hat erfreulicherweise die große Aufgabe der Neuordnung der Berliner Museen immer unterstützt und finanziell getragen. So können die Wunden des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Teilung für die Berliner Museen geheilt werden. Die Trennung der Bestände hat schon 1933 angefangen; mit dieser Zusammenführung von Skulptur und Malerei kann wieder an eine bedeutende Berliner Tradition angeknüpft werden.

Im Ausland sieht man das Projekt Gemäldegalerie anders?

Nirgendwo in der Welt wurde in den letzten zwanzig Jahren so viel Geld in Kulturprojekte investiert. Die Neuordnung der Berliner Museen seit der Wende ist das wichtigste kulturelle Projekt in Europa. Die Alte Nationalgalerie und das Bode-Museum wurden saniert, das Neue Museum wurde wieder hergestellt. All das ist glänzend gelungen! Das Humboldt-Forum wird realisiert. Wenn ich die Berliner höre, dann höre ich immer wieder, dass sich alles verzögere, nichts voranginge. Im Ausland ist klar, dass es keinen anderen Ort in Europa gibt, wo so viel öffentliches Geld mit hervorragendem Ergebnis in die Kultur investiert wird, wie in Berlin seit der deutschen Wiedervereinigung.

Sind wir ein Land der Nörgler?

(Er lacht) Ein wenig mehr Stolz auf das Errungene und Zuversicht auf das Kommende könnten nicht schaden.

Heute beginnt eine Fachtagung zum Thema „Malerei und Skulptur – Chancen und Herausforderungen einer gemeinsamen Präsentation“. Der Titel impliziert eine gewisse Unsicherheit, ob das Konzept von Bode heute wirklich noch modern genug ist.

Es gibt viele praktischen Aspekte, die man berücksichtigen muss, wie die Beleuchtung oder die Gruppierung der Kunstwerke. Wir wollen die Erfahrungen von Kollegen hören. Es geht nicht einfach darum, ein Bild links, eine Skulptur rechts ausstellen, sondern sinnvolle Verbindungen zwischen den Kunstwerken zu schaffen.

Sie wollen Bodes Konzept in eine zeitgenössische Form transferieren.

Die Präsentation bei Bode war stark vom Geschmack der Epoche geprägt und das Haus war von Anfang an zu klein für die Bestände. Die Werke hingen sehr dicht auch übereinander, für den modernen Besucher wäre das schwierig. Bode wollte natürlich zeigen, wie sich Skulptur und Malerei im Laufe ihrer Geschichte beeinflusst haben. Aber es ging ihm hier auch um etwas anderes. Bode hat als erster Museumsdirektor die Besucher herausgefordert, sich Gedanken über die Rolle der Kunst im Leben und in der Gesellschaft zu machen. Er wollte zeigen, dass Kunst ja nicht im Vakuum entsteht, sondern von Individuen im Auftrag gegeben wird, die Bedürfnisse nach Legitimierung und Repräsentation haben. Die Reflektion über Vergangenheit führt zu neuen Erkenntnissen über unsere Identität in der Gegenwart. Dieser Ansatz ist immer noch sehr aktuell.

Für Sie wäre die ideale Lösung der Neubau, der ist über zwanzig Meter vom Bode-Museum entfernt. Ist das besucherfreundlich?

Ideal wäre eine Verbindungsbrücke zwischen beiden Häusern, die an der Eisenbahnbrücke entlang verläuft. Wege müssen nicht schlecht sein. Denken Sie an die Wandelhalle in der Gemäldegalerie, die 80 Meter lang ist.

Hermann Parzinger sagte kürzlich, man geht davon aus, 2017 mit dem Bau zu beginnen. Dann wäre man erst 2022 fertig?

Es gibt Vergleiche mit Museen ähnlicher Größe in Nordfrankreich und Philadelphia. Die Realisierung dauerte fünf und sieben Jahre, in beiden Fällen betrugen die Kosten 150 Millionen Euro. Deswegen denke ich, dass es realistisch ist. Es gibt große Übereinstimmung dazu, dass wir die Zusammenführung der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung nur umsetzen, wenn wir wissen, dass es nicht zu lange dauert, wenn wir Garantien haben.

Also: Sie haben Grundvertrauen in die Politik?

Wenn ich sehe, was in den letzten zwanzig Jahren auf der Museumsinsel realisiert wurde, dann habe ich keinen Grund zu zweifeln.

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