Fernsehen

Neuer Borowski-„Tatort“ zeigt Gespür für Schnee – im Mai

Der neue Tatort bringt zumindest wettermäßig Abkühlung. In Axel Milbergs jüngstem Fall geht es um die dänische Minderheit, und der Zuschauer kann viel über Vorurteile und Fremdenhass lernen.

Foto: NDR/Marion von der Mehden

Schneehäubchen auf den Baumwipfeln, ein bunter Wollschal um den Hals des Kommissars und ein Lucia-Umzug mit Mädchen in Engelsgewändern. Wer schon genug hat von den ersten Sonnenstrahlen des Jahres, sollte am Sonntag dringend den „Tatort“ einschalten, der ein paar Monate zu spät auf den Bildschirm drängt. Oder eben zu früh, wie man es nimmt.

Andererseits passt die winterliche Stimmung natürlich viel besser zu Klaus Borowski, diesem aus der Zeit gefallenen Ermittler, der geizig ist mit Worten und lieber über Blicke kommuniziert. Der lakonische Borowski ist keiner für die sommerliche Schwüle heißer Augustnächte; der Schnee steht ihm gut.

Da hilft kein Beten und kein Löschzug

„Borowski und der brennende Mann“ von Regisseur Lars Kraume beginnt mit einer Rückblende, die aus einem skandinavischen Krimi geklaut sein könnte. Fetzen einer Schwarzweiß-Fotografie werden von unsichtbarer Hand zusammengesetzt, das Bild fügt sich schließlich zu einer Gruppe von Kindern. In der nächsten Szene drücken sich ebendiese Kinder atemlos in die Büsche. Nur wenige Meter von ihnen entfernt steht ein Haus in Flammen. Es brennt mit einer Bestimmtheit, gegen die kein Beten hilft, kein Wasser, keine Löschfahrzeuge. Was genau in dieser Nacht in den 60er-Jahren passiert ist, erfährt der Zuschauer erst gegen Ende des Films.

Eine doppelte Geschichte, kein einfacher Fall. Auch in der Gegenwart brennt es nicht zu knapp. Der Schulleiter der dänischen Schule in Schleswig taumelt während des Lucia-Festes die Treppe hinab, Flammen bedecken seine Arme und Beine. Er wird diesen Brandanschlag nicht überleben. Borowskis Chef, Kriminalrat Schladitz, ist ein Jugendfreund des Opfers und trägt eher zur Verschleierung als zur Aufklärung des Falls bei. Dafür gibt's dieses Mal Unterstützung von der Kripo Flensburg in Gestalt einer Nachwuchsermittlerin, die so fröhlich durch die Ermittlungen stapft, als würde sie nach Laune bezahlt. Kommissarin Einigsen (Lisa Werlinder) ist eine Figur, wie sie nur in Drehbüchern existiert. Sie schmeißt sich hemmungslos an Borowski ran, der von diesem Groupietum gleichzeitig geschmeichelt und überfordert ist.

Wenn Axel Milbergs Borowski auf dem Bildschirm auftaucht, kann man sich im Fernsehsessel ruhig zurücklehnen. Er wird nichts Falsches tun, er wird einfach da sein, wenn man ihn braucht. Partnerin Sarah Brandt, gespielt von Sibel Kekilli, hat in dieser „Tatort“-Folge den undankbaren, weil nichtssagenden Part. Sie verkracht sich mit Borowski wegen ihrer Epilepsie und hat, als Schladitz‘ Beifahrerin, einen Unfall, der im Krankenhaus endet.

Nachhilfe in Sachen Minderheit

„Borowski und der brennende Mann“, geschrieben von dem vielfach preisgekrönten Autor Daniel Nocke, ist ein so vertrackter wie spannender Krimi über die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein; ein ambitioniertes Stück um Rache, Vorurteil und Fremdenhass. Dass Sarah Brandt stellvertretend für den Zuschauer laufend Nachhilfestunde in Sachen Lucia-Fest und dänische Minderheit erteilt bekommt, ist die unerfreuliche Kehrseite, die dem Film einen Hauch Bundeszentrale für politische Aufklärung verleiht. Doch die Vorteile überwiegen: eine Kulisse wie aus einem Outdoormagazin und ein Kommissar mit einem Gespür für Schnee.

„Tatort: Borowski und der brennende Mann“: ARD, 12. Mai, 20.15 Uhr