Theater

Wowereit will Mietvertrag mit Atze bis 2015 verlängern

Alle mögen das Musiktheater Atze: Das Publikum, der Bezirk, der Senat. Trotzdem droht das Aus. Klaus Wowereit hat den Bezirk Mitte nun aufgefordert, den Mietvertrag für zwei Jahre zu verlängern.

Foto: Massimo Rodari

Möglicherweise hat sich das Musiktheater Atze einfach nur den falschen Ort ausgesucht. Oder den falschen Vermieter. Beides ist ein schwacher Trost, wenn die Zukunft in den Sternen steht. Und das, obwohl im Kulturausschuss Einmütigkeit herrschte: Vertreter aller Parteien machten sich für den Erhalt des im Wedding beheimateten Musiktheaters stark.

Auch Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die für das Bezirksamt Mitte zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) bekannten sich zu Atze. Trotzdem ist die Zukunft der Einrichtung nach der Sitzung des Kulturausschusses „genau so unklar wie vorher“, wie Thomas Sutter, der Leiter des Musiktheaters, sagte. Das ist bitter, aber leicht zu erklären.

Denn auf dem Rücken von Atze wird ein grundsätzlicher Konflikt ausgetragen. Die Handelnden sind das Bezirksamt Mitte und der Senat. Ein Land, zwei Verwaltungsebenen und viel Streitpotenzial. Die unten bekommen Globalzuweisungen und fühlen sich unterfinanziert, die oben stellen bei Kritik schon mal das ganze System in Frage.

Das Musiktheater Atze zog vor knapp zehn Jahren in den Beckmann-Saal, einem recht großen Veranstaltungsort zwischen Beuth-Hochschule und dem Virchow-Klinikum. Damals war der Bezirk froh, einen Nutzer für die Immobilie gefunden zu haben. Der Mietvertrag drückte das aus, Atze brauchte nur zwölf Euro im Jahr zu bezahlen – ein Euro pro Monat.

Im vergangenen Jahr kamen 105.000 Zuschauer ins Atze

Die Betriebskosten übernahm schließlich auch das Bezirksamt. Das Kinder- und Familientheater wuchs, im vergangenen Jahr hatte Atze laut Sutter 105.000 Zuschauer (das sind mehr Besucher als im Maxim Gorki Theater), das Land unterstützt Atze mit 690.000 Euro jährlich. Vor ein paar Wochen dann die Nachricht: Das Bezirksamt kündigte an, den bis zum 30. April 2014 laufenden Mietvertrag auslaufen zu lassen.

Mittlerweile wurde die Frist bis zum 30. Juni 2014 verlängert. Das Bezirksamt hat wohl erkannt, dass ein Theaterbetrieb normalerweise im Sommer und nicht im Frühjahr endet. Atze wünscht sich eine weitere Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2015, um mehr Planungssicherheit zu haben, Sutter spricht von einer „unglaublichen Verunsicherung der Mitarbeiter“.

Stadträtin Sabine Weißler spricht von 280.000 Euro, die der Bezirk für Atze aufbringen müsste, ihr Kollege Ulrich Davids, der auch fürs Facility Management zuständig ist, beziffert die Kosten auf 400.000 Euro, später ist auch von 480.000 Euro die Rede und dem Wunsch, dass das Land die Immobilie (samt Kosten) übernehmen möge, weil das die finanziellen Möglichkeiten des Bezirks übersteige.

Atze ist kein Einzelfall

Die unterschiedlichen Zahlen sind eine Steilvorlage für Wowereit, der eine exakte Berechnung fordert, zugleich aber keinen Zweifel daran lässt, dass die Zuwendungen an den Bezirk im Falle einer Übernahme der Einrichtung durch das Land entsprechend gekürzt werden würden. Er fordert den Bezirk auf, den Mietvertrag mit Atze bis 2015 zu verlängern, um Zeit für eine Lösung des Problems zu haben.

Atze ist kein Einzelfall. Auch das Ballhaus Naunynstraße ist eine Bezirkseinrichtung, der Spielbetrieb wird vom Land finanziert. Eine Systematik sucht man auch bei kulturell genutzten Immobilien vergeblich, manche Theater zahlen ortsübliche Mieten, andere deutlich weniger.

So überweist das Land Berlin laut Kulturverwaltung an Hochhuths Holzapfel-Stiftung, der das Berliner Ensemble gehört, 231.000 Euro Miete im Jahr, Stage Entertainment zahlt für die Nutzung des Theaters des Westens 110.000 Euro jährlich und Dieter Hallervordens Schlosspark Theater „ist bis November 2014 mietfrei gestellt, um die Bühne zu unterstützen“.