Es war ein ganz spezieller Familientag beim sechstägigen „Intonations“-Festival im Jüdischen Museum und ein Höhepunkt: Daniel Barenboim und seine Ehefrau Elena Bashkirova spielten das erste Mal gemeinsam vierhändig Klavier, zumindest öffentlich in einem Berliner Konzert.

Damit haben sich die beiden Pianisten, die seit zwei Jahrzehnten in Berlin leben, bislang zurückgehalten. Vor Jahren gab es mal eine kleine Ouvertüre, als sie bei den Jüdischen Kulturtagen in der Synagoge spielte und er sich spontan entschloss, mit auf die Bühne zu gehen, um seiner Frau die Noten umzublättern.

Aber jetzt, beim Jerusalem International Chamber Music Festival im Jüdischen Museum, ging es nachdrücklich um Arnold Schönberg, einem von Daniel Barenboim favorisierten Komponisten.

All zu gern hätte man in den Proben zuvor Mäuschen gespielt, wer sich mit welchen Ansichten über das atonale Stück von 1909 behauptet hat - der Stardirigent Barenboim, der es gewohnt ist, sich am Pult der Staatsoper durchzusetzen, oder die taffe Festivalleiterin Bashkirova, die mit Charme jede große Künstlerpersönlichkeit verpflichtet bekommt, wie ihr Festivalprogramm verrät.

Schönberg vierhändig am Klavier

Im Konzert präsentiert sich das Klavierduo Barenboim bestens aufeinander eingestellt. Die 5 Stücke für Orchester op. 6 in einer Bearbeitung für zwei Klaviere von Anton Webern führen sie wie kleine Miniaturdramen vor. Das Duo legt mit artifizieller Leichtigkeit die menschliche Tiefe frei.

Dabei beginnt alles mit drastischen, ja panischen Gesten. Schönberg hat es seinen Hörern nie leicht gemacht. Das dritte Stück ist in gewisser Weise das Problemstück, weil im Orchesteroriginal durch Instrumentenwechsel die Farbwechsel erzeugt werden. Auf den schwarzweißen Tasten lösen es die Beiden auf raffinierte dynamische Weise. Zuvor hatten sie sich bereits für Schumanns klangmildes Andante und Variationen B-Dur an die Konzertflügel gesetzt.

Ein weiteres spielstarkes Duo

Der zweite Programmteil unter Leitung Daniel Barenboims lebte wiederum von einem spielstarken Duo. Für Igor Strawinskys „L’histoire du soldat“ war der französische, in Deutschland lebende Schauspieler Dominique Horwitz verpflichtet worden, ein Künstler, der sich auch als Sänger zwischen Brecht/Weill und französischen Chansons einen Namen gemacht hat.

Strawinskys lehrreiche Geschichte vom Soldaten erzählt er nicht mit distanziertem Brecht-Geist, sondern im expressiven Jacques-Brel-Duktus. Horwitz groovt sich in die Musik ein, erzählt, schreit, wechselt durch die Figuren und tanzt, und irgendwann taucht auch unter den begleitenden Musikern sein Partner, sein Mitstreiter auf.

Es ist Geiger Guy Braunstein, der sich ebenso expressiv und zirzensisch auf das Treiben einlässt. Ein wunderbares Duo, und was für ein Geiger! Braunstein ist derzeit noch Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, die er aber zum Ende der Spielzeit verlässt.

„Intonations“ im Glashof des Jüdischen Museums Berlin. Tel. 25993300 Bis zum 25. April 2013