Klassik

Barenboim-Sohn springt bei Berliner Festival-Auftakt ein

Elena Bashkirovas Kammermusikfestival wurde im Jüdischen Museum eröffnet. Sechs Tage lang werden Konzerte gegeben. Mit einer Uraufführung, die eigens zu diesem Anlass komponiert wurde.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Festivalleiterin selbst spielt zum Auftakt des Jerusalem International Chamber Music Festival im Jüdischen Museum. Pianistin Elena Bashkirova (sie ist mit Dirigent Daniel Barenboim verheiratet) eröffnet mit Beethovens leichtfüßigen 10 Variationen über Wenzel Müllers Lied „Ich bin der Schneider Kakadu“.

Allerdings ist ihr gleich zu Beginn eine Künstlerin abhanden gekommen, aber es ist immer gut, einen guten Geiger in der Familie zu haben: Sohn Michael Barenboim springt in das Stück ein.

Sechs Tage lang geht das Kammermusikfestival „Intonations“. Im zweiten Festivaljahr sind einige akustische Verbesserungen im Glashof zu bemerken. Eigentlich sind nur einige Vorhänge und Bühnenabdeckungen hinzugekommen. Aber der Glashof wird langsam ein für den städtischen Musikbetrieb interessanter Veranstaltungsort. Die Atmosphäre, die Farben stimmen.

Im Niemandsland zwischen Himmel und Erde

„Colours of Dust“ heißt das Auftragswerk des Festivals, dass im Eröffnungskonzert uraufgeführt wird. In dem rund zehnminütigen Stück des jungen Jerusalemers Ayal Adler geht es um eine musikalische Staubwolke, versprengt umherschwebende, lose verbundene Geräusche und Motive schwirren durch die Luft. Es ist ein Niemandsland zwischen Antonalität und Tonalität und muss irgendwo zwischen Himmel und Erde sein.

Zwischendurch bündeln sich die Körnchen, es gibt eine Ballung, dann löst es sich wieder auf. Es ist kein Stück, das um Jubelstürme buhlt, lässt aber in seiner kompositorischen Konsequenz aufhorchen.

Auf zerstörte Traditionen aufmerksam machen

Das wunderschönste Stück des Abends ist ein kurzes unbekanntes Streichquartett, das sehr melancholisch, sehr zart, buchstäblich als auskomponierter Seufzer daher kommt. Der tschechische Pianist Gideon Klein hat es 1939/40 komponiert, wenige Monate vor seiner Deportation nach Theresienstadt. Klein gehört zu einer Reihe von jüdischen Komponisten, die von den Nazis ermordet wurden.

Elena Bashkirova möchte bei ihrem Kammermusikfestival auch auf die zerstörte, verloren gegangene osteuropäische Musiktradition aufmerksam machen. Angekündigt sind auch Werke von Hans Krasa, Pavel Haas oder Erwin Schulhoff.

Beginn mit Überlänge

Neben Bartoks aufsässiger, stark rhythmisierter Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug ist im Auftaktkonzert gleich dreimal Beethoven zu hören. Mit zwei Reden zu Beginn und der Pause kommt der Abend auf drei Stunden Dauer. Man mag in dieser Überlänge die Leidenschaft der Macher erkennen, auf nichts verzichten zu wollen.

Das Festival lebt von der Professionalität der namhaften Interpreten und zugleich der Intimität der Präsentation. Zum Höhepunkt dürfte das Konzert am Montag werden, wenn Festivalchefin Bashkirova zum ersten Mal in Berlin mit ihrem Ehemann Daniel Barenboim vierhändig Klavier spielt. Es handelt sich um fünf Stücke von Arnold Schönberg.

„Intonations“ im Glashof des Jüdischen Museums Berlin. Bis zum 25. April 2013.