Sparkurs

Berlin baut beim Deutschen Theater Schulden ab

Der ehemalige Intendant Langhoff hat im Deutschen Theater einen hohen Schuldenberg hinterlassen. In diesem Jahr sollen 2,2 Millionen eingespart werden. Ähnlich sieht es beim Maxim Gorki Theater aus.

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Manchmal wirkt die Arbeit von Intendanten lange nach: Auf der Bühne, wenn es Inszenierungen gibt, die immer noch im Spielplan stehen, obwohl die Regisseure nicht mehr leben. Das Berliner Ensemble hat so ein Kleinod im Repertoire, Heiner Müllers Inszenierung von Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.

Manchmal hinterlassen Intendanten nicht nur sehenswerte Aufführungen, sondern auch Defizite. Mitunter bleiben die dann jahrzehntelang bestehen wie beim Deutschen Theater. Dort existiere ein Fehlbetrag von 4,5 Millionen Euro (Stand: 31. 12. 2011), schrieb die Senatsverwaltung für Finanzen kürzlich an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses: „Ursächlich für den Fehlbetrag sind vor allem Geschäftsvorfälle aus den Vorjahren. Zu nennen wären hier die aufgelaufenen Defizite aus der Ära Langhoff aus den 1990er Jahren u.a. aufgrund gestiegener Personalkosten infolge von Tariferhöhungen (...) und aufgrund des Betriebs der mittlerweile geschlossenen Spielstätte ,Baracke’.“

Neue Chefs, alte Probleme

An die Baracke können sich wahrscheinlich nicht mehr so viele erinnern, die Experimentierbühne des Deutschen Theaters wurde von Intendant Thomas Langhoff, der das Haus von 1991 bis 2001 leitete und im vergangenen Jahr gestorben ist, eingerichtet. Es war der Ort, an dem Thomas Ostermeier, der die Baracke gemeinsam mit Jens Hillje leitete, seine ersten großen Erfolge feierte, was schließlich dazu führte, dass die Schaubühne den jungen Regisseur in die künstlerische Leitung holte. Und da ist er noch heute. Mit dem Wechsel wurde die Baracke 1999 geschlossen. Bernd Wilms löste Langhoff ab, 2009 übernahm schließlich der heutige Intendant Ulrich Khuon.

Die Chefs wechselten, geblieben sind die Schulden. Mittlerweile allerdings tut sich was. War die Senatskulturverwaltung lange Zeit auch aus pädagogischen Gründen (das schlechte Haushalten sollte nicht belohnt werden) nicht zu einer Entschuldung bereit, hat man diesen Kurs korrigiert. Es macht ja auch wenig Sinn, wenn sich neue Intendanten in den Vertrag schreiben lassen müssen, dass sie für die alten Defizite nicht zuständig sind. Die ihnen aber gleichwohl Probleme bereiten. Denn solange die in der Bilanz auftauchen, „können wir keine Rücklagen bilden“, denn ein Überschuss würde in den Schuldenabbau fließen, sagt Klaus Steppat, der geschäftsführende Direktor des Deutschen Theaters. Rücklagen sind aber wichtig. Damit kann eine Bühne Sonderprojekte finanzieren oder eine durchwachsene Saison mit einer guten und entsprechend hohen Kasseneinnahme ausgleichen.

Intendanzwechsel am Maxim Gorki Theater im Sommer

Im vergangenen Jahr hat das Land Berlin laut Steppat die Hälfte der Altschulden ausgeglichen, es gebe Signale, dass in diesem Jahr die restlichen in Höhe von 2,2 Mio. Euro abgebaut werden. Die Senatskulturverwaltung möchte das nicht bestätigen. Auch beim Maxim Gorki Theater hat man diesen Weg eingeschlagen. 2011 bekam die Bühne 1,5 Mio. Euro für den Defizitabbau, knapp 300.000 Euro waren Ende 2011 noch offen. „Es ist Aufgabe der Leitung, dieses Defizit abzubauen“, betonte der Sprecher der Senatskulturverwaltung. Viel Zeit hat die nicht mehr: Im Sommer gibt es einen Intendanzwechsel am Gorki.