Der Moderator und Schauspieler Dirk Bach ist am Montag im Alter von 51 Jahren in Berlin verstorben. Das teilte das Berliner Schlosspark Theater am Abend mit. Die Nachricht habe alle „total überrascht“, sagte Schlosspark-Theater-Sprecher Harald Lachnit. Der aus Köln stammende Bach sollte in wenigen Tagen auf der Steglitzer Bühne in dem Stück „Der kleine König Dezember“ den kleinen König spielen.

Ein Polizeisprecher bestätigte, dass Bach leblos in einem Appartementhaus im Berliner Stadtteil Lichterfelde gefunden worden sei. Kollegen aus dem Theater hätten dort nach ihm gesucht, weil er offenbar nicht zu einem vereinbarten Termin erschienen war.

Nach Informationen von Morgenpost Online hatte sich Dirk Bach im Clipper Garden Hotel an der Theklastraße in Berlin-Lichterfelde eingemietet. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung war ein Notarzt zu dem Haus geeilt. Alle Versuche, Bach zu reanimieren, seien jedoch gescheitert.

Die Ermittlungen zur Todesursache dauerten nach Polizeiangaben an. Ein Fremdverschulden sei für die Beamten vor Ort aber nicht zu erkennen gewesen, sagte der Sprecher.

Das Theater, dessen Intendant der Komiker Dieter Hallervorden ist, zeigte sich tief betroffen: „Wir haben Dirk Bach als lebenslustigen und sehr liebenswerten Kollegen kennengelernt, umso mehr schmerzt der Verlust“, teilte das Theater mit.

Schriller Läster-König und leidenschaftlicher Theater-Mime

Schrille Auftritte waren seine Spezialität – in Sketchen an der Seite von Entertainerin Hella von Sinnen und als scharfzüngiger Moderator der RTL-Erfolgssendung „Dschungelcamp“ im australischen Regenwald brachte Dirk Bach tausende Fernsehzuschauer zum Lachen.

Viele kennen das 1961 in Köln geborene Multitalent mit dem markanten Doppelkinn und seiner rundlichen Figur vor allem als Komödiant, auf der Theaterbühne hat er sich aber auch als Charaktermime einen Namen gemacht – ohne jemals eine Schauspielschule absolviert zu haben. Für Bach war die Komödie nur eine Facette seines Berufs. „Aber man wird immer schnell festgelegt, wenn man irgendwann mal in einem Bereich im Fernsehen aufgetreten ist“, sagte er 2009 in einem Interview der Nachrichtenagentur ddp. Er würde sich freuen, wenn er für das Fernsehen auch mal jene Rollen angeboten bekäme, die er auf der Theaterbühne verkörpere: „Ich liebe die Vielfalt und nutze sie“, betonte er.

Tingeln durch Theaterszene

Bachs Eltern arbeiteten beim Westdeutschen Rundfunk und sorgten dafür, dass ihr Sohn früh mit Kultur in Verbindung kam. Prompt zog es ihn zur Bühne. Das Debüt hatte er 1978 unter dem Kölner Intendanten Hansgünther Heyme in Heiner Müllers „Prometheus“.

Seine Bühnenpräsenz und das Improvisationstalent entwickelte Bach aber in den folgenden Jahren beim Tingeln durch die Freie- und Off-Theaterszene. Als Meilenstein erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit dem Kölner Regisseur Walter Bockmayer, in dessen schräger Volkstheater-Travestie „Geierwally“ er seit 1984 alleine mehr als 300 Mal auf der Bühne stand.

Beim Kölner Schauspielhaus ergatterte er 1992 einen Platz mit fester Gage und Jahresvertrag. Parallel zum Theater baute er sein großes zweites Standbein auf und probierte sich im Fernsehen aus.

Nach etlichen kleineren Fernsehrollen wurde Bach 1992 mit der „Dirk Bach Show“ auf RTL bundesweit bekannt. Zu einer Erfolgsserie wurde auch die ZDF-Produktion „Der kleine Mönch“ zwischen 2001 und 2003, in der Bach einen Klosterbruder spielte. Mit Hella von Sinnen trat er ein Jahr später in der RTL-Sketch-Show „Hella und Dirk“ auf.

Seine Präsenz in der Fernsehwelt wurde mit Preisen quittiert: Mit der ZDF-Sitcom „Lukas“ gewann er den Deutschen Comedy Preis und die Goldene Kamera. Gleichzeitig machte Bach weiter ernsthaftes Theater, war unter anderem in Schillers „Räuber“ zu sehen.

Im Fernsehen blieb Bach, der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis machte und sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit Aids und HIV einsetzte, mit Formaten wie „Frei Schnauze XXL“ oder „Power of 10“ weiter präsent; mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – dafür immer wieder gerne mit Weggefährtin Hella von Sinnen. Mit ihr und dem späteren WDR-Late-Night-Talker Jürgen Domian hatte Bach eine Zeit lang in Köln zusammen gewohnt.

Lästern beim Insektenknabbern im Regenwald

Der endgültige Aufstieg zur TV-Ikone gelang Bach mit der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Seit 2004 lästerte er sich an der Seite von Moderatorin Sonja Zietlow durch die Staffeln der RTL-Sendung im australischen Regenwald, in dem Prominente mehrere Tage zusammen leben und Prüfungen bestehen müssen. „Das Dschungelcamp ist harmlos und tut niemandem weh. Die Menschen, die da mitmachen, sind Profis und wissen, was sie tun“, betonte er einmal.

Sein Tod kommt überraschend. Am 6. Oktober 2012 hätte er seinen Auftritt in der Premiere am Schlosspark Theater in Berlin gehabt. In seiner Rolle als „Kleiner König Dezember“ hätte er dem Spielhaus zufolge in seiner Rolle sagen sollen: „Und wer tot ist, wird ein Stern!“

dapd/sei